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Gerechtigkeit, Macht, Stress, Zeitdruck und Konflikte: Will ich wirklich Anwältin werden?

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Volontärin · Höhere Lehranstalt Sozialmanagement und Fachschule für Sozialberufe
26.01.2026
3 Min.

Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt zu werden bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Doch was macht diesen Beruf wirklich aus, und ist er für jede und jeden geeignet? Meine persönlichen Vorstellungen, Zweifel und die Frage, warum der Anwaltsberuf faszinieren kann, aber auch herausfordert.

Traumjob Rechtsanwältin? Vielleicht. (Foto: Shutterstock)

Als Anwältin stelle ich mir vor, viel Verantwortung zu tragen, für Menschen, ihre Probleme und oft für entscheidende Momente in ihrem Leben. Die Frage, ob ich diesen Beruf ergreifen möchte, lässt sich für mich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Sie berührt Themen wie Gerechtigkeit, Macht, Stress, Zeitdruck und meine eigene Haltung zu Konflikten und Verantwortung.

Grundsätzlich habe ich mir diesen Beruf schon öfter vorgestellt. Der Anwaltsberuf steht für etwas sehr Wichtiges in unserer Gesellschaft: das Recht auf Unterstützung, auf eine Stimme und auf faire Verfahren. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte helfen Menschen, sich im oft komplizierten Rechtssystem zurechtzufinden müssen, egal, ob es um Streit mit dem Vermieter, eine Scheidung, Probleme am Arbeitsplatz oder ein Strafverfahren geht. Für viele Menschen ist ein Anwalt oder eine Anwältin die einzige Person, die ihnen wirklich hilft, ihre Rechte zu verstehen und durchzusetzen.

Gerade das finde ich beeindruckend. Viele Menschen wissen nicht, was ihnen rechtlich zusteht, oder trauen sich nicht, sich zu wehren. In solchen Situationen kann eine Anwältin oder ein Anwalt den entscheidenden Unterschied machen: Sie erklären, beraten, unterstützen und geben Sicherheit. Zum Beispiel, wenn jemand ungerecht gekündigt wurde und nicht weiß, was er tun soll, oder wenn eine Familie in einer schwierigen Scheidungssituation steckt und jemand braucht, der sachlich bleibt und Lösungen sucht. In solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig dieser Beruf für eine funktionierende Gesellschaft ist.

Die Schattenseiten des Berufs

Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob der Anwaltsberuf wirklich zu mir passt. Er verlangt viel Durchsetzungsvermögen, Stressresistenz und Belastbarkeit. Lange Arbeitstage, Zeitdruck und hoher Leistungsdruck gehören zum Alltag. Man muss argumentieren können, auch wenn es unangenehm wird , vor Gericht, mit Mandanten oder mit anderen Anwälten. Außerdem vertritt man manchmal Menschen, deren Handlungen man persönlich kritisch sieht. Auch das ist eine große moralische Herausforderung.

Ich stelle mir zum Beispiel vor, wie stressig es sein muss, kurz vor einer Gerichtsverhandlung noch Unterlagen zu prüfen, während Mandanten unter Druck stehen und schnelle Lösungen erwarten. Oder wie schwierig es sein kann, einen Menschen zu verteidigen, von dessen Schuld man vielleicht selbst nicht überzeugt ist. Diese Seiten des Berufs machen mir Respekt , und auch ein bisschen Angst.

Warum mich der Beruf trotzdem reizt

Gleichzeitig reizt mich genau diese Herausforderung. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen, das Suchen nach Lösungen und das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können, finde ich spannend. Anwältin oder Anwalt zu sein bedeutet nicht nur, Gesetze auswendig zu kennen. Es bedeutet auch, zuzuhören, zu vermitteln, Verantwortung zu übernehmen und Menschen in schwierigen Lebenslagen zu begleiten.

Wenn ich heute eine klare Haltung formulieren müsste, würde sie so aussehen:
Vielleicht. Ja , weil der Beruf sinnstiftend ist und eine wichtige Rolle für die Gesellschaft spielt.
Aber auch Nein , weil er viel fordert und nicht nur Idealismus, sondern auch psychische Stärke, Belastbarkeit und Selbstdisziplin verlangt.

Gerade deshalb finde ich es wichtig, sich früh mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. Der Anwaltsberuf ist kein einfacher Beruf, aber ein bedeutender. Ob ich ihn eines Tages wirklich ergreifen werde, weiß ich noch nicht. Sicher ist nur: Recht geht uns alle an , und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und für andere einzustehen, werden immer gebraucht.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch den Österreichischen Rechtsanwaltskammertag.

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