Mitten am Schultag verschwindet die Venus

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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08.09.2026
3 Min.

Am 14. September schiebt sich der Mond am hellen Taghimmel vor die Venus. Das seltene Schauspiel ist in ganz Österreich zu beobachten – in Wien verschwindet der Planet gegen 11.34 Uhr und taucht gut eine Stunde später wieder auf. Wer zuschauen möchte, braucht jedoch die richtige Ausrüstung und muss besonders auf die Sonne achten.

Bald verschwindet die Venus für rund eine Stunde hinter dem Mond. Am 14. September lässt sich das ungewöhnliche Schauspiel über ganz Österreich beobachten. (Foto: Hans/Pixabay)

Montag, 14. September, 11.33 Uhr und 54 Sekunden: Über Wien ist es heller Tag. Der Mond steht tief im Südosten und sieht nur wie eine schmale Sichel aus. Direkt an seinem dunklen Rand leuchtet die Venus – dann verschwindet sie plötzlich.

Der Planet explodiert nicht und schaltet natürlich auch sein Licht nicht aus. Von der Erde aus betrachtet schiebt sich der Mond genau vor die Venus. Erst um ungefähr 12.43 Uhr erscheint sie am beleuchteten Mondrand wieder. Für rund 69 Minuten bleibt einer der hellsten Punkte unseres Himmels unsichtbar.

Eine Finsternis ohne Dunkelheit

Das Ereignis wird als Venusbedeckung bezeichnet. Anders als bei einer Sonnenfinsternis wird es dabei auf der Erde nicht dunkler. Der Mond verdeckt nur den viel weiter entfernten Planeten.

Die Venus ist ungefähr so groß wie die Erde. Der Mond ist deutlich kleiner, liegt uns aber viel näher. Dadurch erscheint er am Himmel groß genug, um die Venus vollständig abzudecken – ähnlich wie ein Daumen, der aus der richtigen Entfernung eine Straßenlaterne verdecken kann.

Je nach Ort beginnt das Schauspiel etwas früher oder später. In Bregenz verschwindet die Venus bereits gegen 11.29 Uhr, in Innsbruck um 11.30 Uhr und in Graz sowie Linz ungefähr um 11.32 Uhr. Für Wien berechnete die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie den Beginn kurz vor 11.34 Uhr. Im Westen taucht der Planet ungefähr um 12.39 Uhr wieder auf, im Osten Österreichs gegen 12.43 Uhr.

Mit freiem Auge wird es schwierig

Eigentlich ist die Venus nach Sonne und Mond das hellste natürliche Objekt am Himmel. Trotzdem geht sie am blauen Taghimmel leicht unter. Auch die nur zu zwölf Prozent beleuchtete Mondsichel ist nicht einfach zu finden.

Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie schreibt: „Trotz des Taghimmels sollte die Bedeckung gut zu beobachten sein.“ Dafür empfiehlt sich allerdings ein Fernglas oder Fernrohr sowie eine genaue Positionsangabe. Ein Stativ hilft, weil selbst kleine Bewegungen die Suche erschweren. Wichtig sind außerdem freie Sicht nach Südosten und möglichst wenig Dunst oder Wolken.

Für Schulen bietet das Ereignis eine seltene Gelegenheit: Statt nur im Physikbuch über die Bewegung von Himmelskörpern zu lesen, könnte eine Klasse beobachten, wie diese Bewegungen direkt sichtbar werden. Wegen der Tageszeit und der notwendigen Ausrüstung sollte das aber vorbereitet und von einer erfahrenen Person begleitet werden.

Die Sonne darf nicht ins Fernglas geraten

Der gefährlichste Teil der Beobachtung ist nicht die Venus, sondern die Sonne. Sie steht während des Ereignisses ebenfalls am Himmel. Wer versehentlich mit einem Fernglas oder Teleskop hineinschaut, kann sich innerhalb kürzester Zeit schwere und dauerhafte Augenverletzungen zufügen.

Die Europäische Weltraumorganisation warnt ausdrücklich davor, die Sonne mit bloßem Auge oder einem ungefilterten optischen Gerät zu betrachten. Eine normale Sonnenbrille schützt dabei nicht. Die Wiener Arbeitsgemeinschaft empfiehlt einen Beobachtungsplatz, an dem die Sonne beispielsweise durch ein Gebäude abgeschattet wird. Wer mit der Ausrüstung nicht vertraut ist, sollte die Bedeckung nur unter Anleitung einer Sternwarte oder eines Astronomievereins beobachten.

Kurz nach 12.43 Uhr blitzt die Venus über Wien am hellen Rand der Mondsichel wieder auf. Sie war die ganze Zeit an derselben Stelle – und trotzdem für mehr als eine Stunde verschwunden. Manchmal genügt eine einzige gerade Linie zwischen drei Himmelskörpern, damit ein Planet mitten am Schultag unsichtbar wird.


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