Ich bin 17 und gehe in die 7. Klasse. Und natürlich bedeutet das: Nächstes Jahr mache ich die Matura. Immer öfter werde ich deshalb gefragt, was danach kommt. Studium? Arbeiten? Etwas ganz anderes? Ich habe darauf noch keine klare Antwort. Und je näher die Matura rückt, desto öfter frage ich mich, warum ich sie eigentlich schon haben sollte.
„Mit 18 ist man reif genug, um eigene Entscheidungen zu treffen“, sagen viele Erwachsene. Ach echt?
Mit 18 soll ich also reif genug sein, um zu entscheiden, was ich studiere und damit eine Entscheidung zu treffen, die meinen weiteren Weg ziemlich stark beeinflussen kann? Bin ich mit 18 wirklich bereit dafür?
Es war nie erst mit 18
Eigentlich finde ich es komisch, wenn wir so tun, als würden wichtige Entscheidungen erst mit 18 beginnen. Wir waren diejenigen, die mit zehn Jahren wissen mussten, ob wir ein Gymnasium oder eine Mittelschule besuchen wollen. Wir waren auch diejenigen, die mit zwölf entscheiden mussten, welche Richtung wir im Gymnasium einschlagen möchten. Sprache oder Naturwissenschaften? Und natürlich sollten wir zu diesem Zeitpunkt auch schon ungefähr wissen, wo unsere Stärken liegen.
Und mit 14? Da sollten wir bereits wissen, welche Oberstufe wir besuchen möchten. Was willst du später werden? Wie viele Jahre möchtest du zur Schule gehen? Was sind deine Stärken?
Fragen, die irgendwie ganz selbstverständlich gestellt werden. Als hätte jeder Mensch bereits mit 14 einen fertigen Plan für sein Leben.
Was wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte?
Nach fast jeder dieser Entscheidungen habe ich mich irgendwann gefragt, was passiert wäre, wenn ich die andere Möglichkeit gewählt hätte. Was wäre, wenn ich nicht dort geblieben wäre? Was wäre, wenn ich eine andere Schule besucht hätte? Was wäre, wenn ich mich für einen anderen Zweig entschieden hätte?
Ich glaube, genau diese Gedanken kennen mehr Menschen, als wir denken.
Mit 14 habe ich mich dafür entschieden, im BG/BRG zu bleiben und keine andere Schule zu besuchen. Und trotzdem verlässt mich dieser Gedanke manchmal nicht: Wie wäre mein Leben eigentlich in einem anderen Szenario? Natürlich kann ich das nicht wissen. Aber genau das macht den Gedanken so interessant. Denn es gibt unendlich viele Versionen unseres Lebens, die wir nie kennenlernen werden.
Und jetzt kommt die Matura
Mittlerweile wächst aber nicht nur dieses komische Gefühl, mich manchmal zu fragen, was gewesen wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte. Es wächst auch meine Angst vor der Matura. Oder ist es überhaupt nur die Matura? Denn danach kommt direkt die nächste große Frage: Was möchtest du studieren?
Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich es mit 17 noch nicht. Ich weiß nicht einmal sicher, ob ich überhaupt studieren möchte. Und trotzdem fühlt es sich manchmal so an, als müsste ich diese Antwort bald haben. Mit fast 19 werde ich die Matura hinter mir haben. Und spätestens dann wird von mir erwartet, eine Entscheidung über meinen weiteren Weg zu treffen.
Genau da merke ich den Druck besonders. Immer wieder kommt irgendwann die Frage: „Und, was willst du nach der Matura machen?“ Meistens weiß ich gar nicht, was ich darauf antworten soll. Dann sage ich vielleicht, dass ich es noch nicht genau weiß. Und sofort kommt die nächste Frage: „Aber hast du schon eine Idee?“
Ja. Irgendwelche Ideen habe ich natürlich. Aber zwischen „Ich könnte mir das vorstellen“ und „Das mache ich jetzt“ liegt für mich ein ziemlich großer Unterschied. Denn sobald ich mich für etwas entscheide, kommt in meinem Kopf sofort wieder dieses: Was wäre, wenn ich mich doch für etwas anderes entscheide?
Wissen die anderen es wirklich?
Natürlich gibt es Menschen, die bereits genau wissen, was sie später machen möchten. Und das ist auch schön. Aber manchmal frage ich mich, ob wirklich alle so sicher sind, wie es von außen aussieht.
Möglicherweise gibt es Menschen, die sagen: „Ich werde Ärztin.“ Und vielleicht wissen sie das tatsächlich schon seit Jahren. Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die einfach eine Vorstellung davon haben, weil sie das Gefühl haben, eine haben zu müssen.
Weil ständig gefragt wird: „Was willst du später werden?“
Und irgendwann denkt man vielleicht, man müsse darauf eine Antwort haben. Dabei ist Unsicherheit doch eigentlich nichts Ungewöhnliches. Auch eine Person, die genau weiß, was sie werden möchte, kann sich fragen, ob es wirklich die richtige Entscheidung ist.
Ist Unsicherheit wirklich schlecht?
Es kann sein, dass wir gar nicht mit 18 genau wissen müssen, wie unser Leben mit 30 aussehen soll.
Vielleicht darf ich mich umentscheiden. Oder feststellen, dass etwas nicht zu mir passt. Oder einfach einen anderen Weg einschlagen, auch wenn ich ursprünglich etwas völlig anderes geplant hatte. Denn wenn ich eines aus meinen bisherigen Entscheidungen gelernt habe, dann ist es wahrscheinlich genau das:
Ich werde niemals wissen, wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich mich anders entschieden hätte.
Und vielleicht muss ich das auch gar nicht wissen. Es reicht, die Entscheidung zu treffen, die sich jetzt richtig anfühlt. Auch wenn ich mit 17 noch keine Ahnung habe, wie mein Leben in ein paar Jahren aussehen wird, ist das völlig okay.
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