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Meine Vision für die SCS im Jahr 2045: Die Einkaufstasche darf auch mal leer bleiben

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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22.09.2026
4 Min.

Die Shopping City Süd wurde vor 50 Jahren für eine Welt gebaut, in der Menschen mit dem Auto zum Einkaufen fahren. 2045 könnte sie ganz anders aussehen: mit Werkstätten, Sportplätzen, Treffpunkten und deutlich weniger Parkplätzen. Ich habe mir überlegt, wie ein Einkaufszentrum aussehen müsste, in dem wir auch dann gerne Zeit verbringen, wenn wir nichts kaufen.

Die SCS der Zukunft muss ein Ort werden, an dem wir auch ohne Einkauf gerne Zeit verbringen. (Foto: wikipedia (Bearbeitet mit künstlicher Intelligenz))

Zehntausend Parkplätze vor den Türen, rund 330 Geschäfte dahinter: Das zeigt, wofür die Shopping City Süd gebaut wurde. Mit dem Auto hinfahren, viel kaufen, mit vollen Taschen heimfahren. Am 22. September 1976 öffnete sie in Vösendorf. Zum 50. Geburtstag berichtet der ORF außerdem von 60 Gastronomiebetrieben auf über 200.000 Quadratmetern.

Ein halbes Jahrhundert hat dieses Modell funktioniert. Für die nächsten 19 Jahre reicht es nicht. Laut E-Commerce-Studie 2026 des Handelsverbands fließen 13 Prozent der österreichischen Einzelhandelsausgaben ins Internet. Mehr Bildschirme und Selbstbedienungskassen machen die SCS nur zu einem langsameren Onlineshop. Sie braucht einen Ort, an dem wir gerne Zeit verbringen.

Mein erster Weg führt in die Werkstatt

Mein Weg durch die SCS 2045 beginnt mit kaputten Kopfhörern. Ich bringe sie ins Reparaturkaufhaus im Zentrum. Die SCS nennt auf ihrer Website schon heute Handy-, Schuh- und Textilreparaturen. 2045 gehören sie an die Stelle der auffälligsten Schaufenster.

In der Haupthalle fällt zuerst das Hämmern aus den Werkstätten auf. Über den Tischen stehen feste Preise für Akku, Kabel und Schuhsohle. Erst dahinter hängt die nächste Kollektion. Die Europäische Kommission startete im Juli 2026 das Register für digitale Produktpässe. 2045 zeigt ein Scan das Material und das passende Ersatzteil meiner Kopfhörer. Reparieren versteckt sich nicht länger in einem Nebengang.

Nebenan liegen im Produktionsatelier Stoffe, Schnitte und Muster statt hundert gleicher Jacken. Eine Schneiderin passt einen Mantel an, eine Maschine fertigt eine Schuhsohle nach dem Fußscan. Wir bezahlen für Material, Handwerk und Beratung. Wer etwas Neues kauft, soll sehen, wie es entsteht und ob es sich reparieren lässt.

Eine Stunde ohne Kaufzwang

Die Reparatur dauert eine Stunde. Heute blieben Schaufenster oder ein Kaffee. 2045 gehe ich ins Stadtzimmer. Neben den Lerntischen übt eine Band hinter Glas, oben läuft ein Basketballtraining. Niemand erwartet, dass ich etwas bestelle.

Ein paar Sofas neben der Rolltreppe reichen nicht. Ich würde fünf Prozent der Innenfläche reservieren, rund 10.000 Quadratmeter ohne Konsumzwang. Laut ihrer Serviceseite bietet die SCS bereits Lounges, Ruhezonen und eine „Silent Hour“. Das Stadtzimmer gibt uns auch dann einen Platz, wenn wir nicht einkaufen wollen.

Die SCS, Gemeinden, Schulen und Vereine sollten das Programm finanzieren. Ein Jugendrat braucht ein festes Budget und entscheidet über Programm und Ausstattung. Sonst wird aus dem Treffpunkt bei der nächsten Mietanfrage wieder ein Geschäft. Ein Stadtzimmer auf Zeit wäre Werbung mit Steckdosen.

Die Zukunft endet nicht an der Badner Bahn

Mit den reparierten Kopfhörern gehe ich Richtung Badner Bahn. Sie fährt direkt zur SCS. Wer nicht an ihrer Strecke wohnt, muss oft umsteigen. Westfield nennt außerdem die Buslinie 207 von Liesing über Siebenhirten und die SCS bis Mödling. Für ein Center mit 10.000 Parkplätzen ist das zu wenig.

Bis 2045 muss entweder die U6 von Siebenhirten bis vor das Center fahren oder es braucht zwei neue Straßenbahnlinien, die aus dicht besiedelten Gebieten möglichst viele Personen schnell und effizient befördern können. Die SCS muss aus mehreren Richtungen ohne Auto und ohne lange Umwege erreichbar sein. Ein Center dieser Größe darf nicht leichter über eine Autobahnausfahrt als über das Öffi-Netz erreichbar sein.

Erst dann können Parkplätze weichen. Völlig ohne Autos wird es außerhalb Wiens nicht gehen. Doch mindestens jeder dritte oberirdische Stellplatz sollte verschwinden. Auf dem freien Asphalt wachsen Bäume zwischen Sportplätzen und begrünten Regenbecken.

Westfield schreibt auf seiner „Better Places“-Seite, dass die SCS 2024 bereits 38 Prozent des Stroms für die allgemeinen Bereiche mit Solarmodulen vor Ort erzeugt hat. Photovoltaikdächer liefern Strom und beschatten Autos. Menschen gewinnen dadurch keinen Platz. GeoSphere Austria erwartet für Niederösterreich bis 2050 einen weiteren Temperaturanstieg um 1,3 bis 1,4 Grad. Der Weg zum Eingang braucht deshalb Bäume, Wasser und Sitzplätze statt flimmernden Asphalts.

Was dafür verschwinden muss

Dieser Platz entsteht nicht von selbst. Warenlager, lange Kassenreihen und Filialen mit beinahe demselben Sortiment müssen schrumpfen. Kleine Markenräume reichen zum Anprobieren und Testen. Bestellungen landen in einer gemeinsamen Abholstation. Die Beschäftigten beraten, passen an und reparieren, statt Kartons aus dem Lager zu holen.

Für Technik gilt eine einfache Grenze: Sie soll helfen, nicht beobachten. Eine verständliche Navigation und digitale Produktpässe sparen Zeit. Gesichtserkennung und Begrüßungsroboter lösen kein Problem. Die SCS darf wissen, welches Ersatzteil meine Kopfhörer brauchen. Sie muss nicht wissen, vor welchem Schaufenster ich stehen bleibe.

Ich will auch 2045 neue Schuhe kaufen, mit Freunden essen oder ins Kino gehen. Ein Einkaufszentrum muss sich für das Einkaufen nicht entschuldigen. Es sollte nur aufhören, jeden Besuch ohne Rechnung als verlorenen Besuch zu behandeln.

Wenn für die SCS 2045 nur volle Einkaufstaschen zählen, hat sie ihre Zukunft verpasst.

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