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Meine Oma ging noch mit heißen Erdäpfeln zur Schule

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Redakteur · BG / BRG Schwechat
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02.09.2026
3 Min.

Kein Tablet, kein Schulbus, kein Handy, dafür Tintenflecken, kalte Finger und ein Transistorradio im Wollknäuel: Wenn meine Oma Elisabeth von ihrer Schulzeit erzählt, klingt das manchmal wie aus einer anderen Welt. Und trotzdem kommt mir einiges erstaunlich bekannt vor.

Meine Oma blickt im gemütlichen Wohnzimmer auf ihre Volksschulzeit zurück und erzählt von eisigen Winterwegen, Tintenfässern und lustigen Streichen. (Foto: Foto privat)

Meine Oma Elisabeth sitzt im gemütlichen Sessel vor ihrem Bücherregal, legt die Hände in den Schoß und schmunzelt. Wenn sie heute hört, wie Schülerinnen und Schüler mit Tablets und Online-Plattformen arbeiten, staunt sie. Ihre Volksschulzeit fiel in die späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre auf dem Land. Schulpflicht bedeutete damals vor allem eines: Disziplin, Respekt vor der Lehrkraft und Durchhalten.

„Ohne die heißen Erdäpfel in der Manteltasche hätte ich mir auf dem Dreiviertelstunden-Fußmarsch durch den Schnee glatt die Finger erfroren“, erzählt Oma Elisabeth schmunzelnd, während sie ihren Tee umrührt.

Heiße Erdäpfel gegen kalte Finger

Im extrem kalten Winter 1962 gab es keine beheizten Schulbusse und keine Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brachten. Der Schulweg dauerte knapp 40 Minuten zu Fuß durch den tiefen Schnee. Damit Elisabeth unterwegs nicht die Hände einfroren, wandte ihre Mutter jeden Morgen denselben Trick an: Sie legte zwei kochend heiße, im Ofen gebackene Erdäpfel direkt aus der Röhre in Elisabeths Manteltaschen.

Auf dem Hinweg dienten die Kartoffeln als praktische Taschenwärmer, die die Finger warm hielten. In der großen Pause um zehn Uhr wurden dieselben Erdäpfel – inzwischen zwar nur noch lauwarm, aber immer noch schmackhaft – zur Jause.

Im Klassenzimmer selbst gab es damals nur einen einzigen Gusseisenofen in der Ecke, den der Schulwart mit Holz befeuerte. Wer in der letzten Reihe saß, behielt den Mantel deshalb oft in den ersten zwei Stunden an.

Wenn ein Tintenfleck zum Problem wurde

In den ersten Schuljahren gab es keine Tintenkiller und keine verzeihenden Kugelschreiber. Geschrieben wurde mit Holzfederhaltern, die man in das kleine Tintenfass in der Schulbank tauchte. Wer unvorsichtig war, riskierte dicke blaue Kleckse – und dafür gab es vom strengen Lehrer unverzüglich eine Rüge oder sogar eine Strafarbeit.

Als Elisabeth eines Morgens vor Schreck mit dem Ärmel an das Tintenfass stieß, ergoss sich eine dicke blaue Lacke über die Seite ihres Aufsatzhefts. Aus Angst vor der drohenden Strafe reagierte ihr Sitznachbar blitzschnell: Er drückte sofort frisches Löschpapier auf die Tintenlache. Die Seite war zwar gerettet, behielt aber einen verwaschenen blauen Schatten.

Der Lehrer sah den Fleck, nickte nur streng und meinte: „Wer klotzt, muss mit dem Schatten leben.“ Seit diesem Tag passte Elisabeth besonders gut auf. Und die beiden Banknachbarn sind bis heute noch sehr gut befreundet.

Ein Transistorradio im Wollknäuel

Auch der Handarbeitsunterricht war damals streng nach Geschlechtern getrennt und für viele Mädchen eine echte Geduldsprobe. Während die Buben Werken hatten, mussten die Mädchen stundenlang fehlerfrei Strumpffersen stricken oder Lochmuster sticken. Sprechen war dabei strengstens untersagt.

Eines Nachmittags brachte eine Mitschülerin ein winziges, klobiges Transistorradio mit. Die Mädchen versteckten das Gerät mitten in einem riesigen Wollknäuel in einer Handarbeitstasche. Über einen dünnen Draht, der unauffällig durch den Ärmel bis zum Ohr führte, lauschten vier Mädchen in der letzten Reihe abwechselnd Schlagern und Hörspielen aus dem Radio.

Die Lehrerin bemerkte davon offenbar nichts. Im Gegenteil: Am Ende der Stunde lobte sie sogar den außergewöhnlichen Fleiß der Mädchen in der letzten Reihe, weil alle so konzentriert auf ihre Stricknadeln starrten.

Schule war schon damals mehr als Lernen

Wer mit der eigenen Großmutter über ihre Kindheit spricht, merkt schnell: Die technischen Mittel haben sich verändert, aber manches an Schule ist erstaunlich ähnlich geblieben. Es ging schon damals nicht nur um Lehrpläne und Noten, sondern auch um Freundschaften, Zusammenhalt und kleine Abenteuer.

Und natürlich darum, sich etwas einfallen zu lassen, wenn die Regeln der Erwachsenen einmal besonders streng waren. Ob mit heißen Erdäpfeln in der Manteltasche, einem schnellen Griff nach dem Löschpapier oder einem versteckten Radio im Wollknäuel: Auch Omas Schulzeit hatte ihre ganz eigenen Geschichten.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

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