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Als meine Mutter mein Konto einfrieren ließ

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01.03.2026
4 Min.

Wenn mich jemand fragt, von wem ich den Umgang mit Geld gelernt habe, muss ich nicht lange überlegen. Für mich ist das ganz klar meine Mama. Nicht, weil sie ein Finanzprofi ist oder ständig über Sparpläne spricht, sondern weil sie im Alltag so denkt, wie es viele erst viel später verstehen. Geld ist nicht nur eine Zahl auf dem Konto.

 

Wenn Mütter Finanzchefinnen sind, kann das manchmal schwierig sein. (Foto: shutterstock)

Meine Mama und ich sitzen im Auto, ich bin am Handy, sehe irgendetwas und denke mir: Ich fahre schnell nur kurz rüber, fünf Minuten hin, fünf zurück, das ist ja nichts. Genau in diesem Moment sagt sie ganz trocken: „Nur kurz heißt meistens am Ende doch zehn Kilometer.“ Dann schaut sie mich an und meint: „Du zahlst nicht nur den Tank, du zahlst jeden Kilometer.“

Früher habe ich wirklich nur an den Sprit gedacht. Wenn der Tank halb voll war, war für mich alles in Ordnung. Alles andere habe ich ausgeblendet. Sie hat mir dann erklärt, was ich lange nicht sehen wollte: Der Kilometerstand steigt, das Auto verliert an Wert, und der Verschleiß läuft nebenbei weiter. Reifen, Bremsen, Service, irgendwann etwas am Fahrwerk, das plötzlich fällig wird. Einmal hat sie gesagt: „Jeder Kilometer ist wie ein kleiner Teil vom Auto, den du verbrauchst.“ Und dann kam ihr Standardsatz: „Wenn es wirklich nur kurz ist, nimm das Rad.“

Damals habe ich innerlich die Augen verdreht und gedacht, sie übertreibt. Heute erwische ich mich dabei, wie ich genau diese Rechnung im Kopf durchgehe, bevor ich irgendwo hinfahre.

Mein erstes Konto und das Gefühl von unendlich viel Geld

Richtig wachgerüttelt hat es mich aber, als ich mein erstes eigenes Konto hatte. Ich war 16 und hatte rund 16.000 Euro auf dem Konto. Das war kein Lottogewinn, sondern eine Mischung aus Geld, das sich über Jahre angesammelt hatte. Ein Teil war erspart, ein Teil waren größere Beträge aus der Familie – Geburtstage, Feiertage, Dinge, die ich nicht sofort ausgegeben, sondern gesammelt habe.

Irgendwann stand da plötzlich diese große Summe, und ich habe sie angeschaut wie einen Beweis, dass ich jetzt alles im Griff habe. Ich weiß noch, wie unbesiegbar sich das angefühlt hat. Als könnte mir nichts passieren. Wenn ich etwas wollte, war mein Gedanke einfach: Passt, kaufe ich halt. Ich hielt mich nicht einmal für verschwenderisch – ich dachte nur: Ich habe es ja. Und genau das war eigentlich das Gefährliche.

Als mein Konto eingefroren wurde

Irgendwann hat meine Mama meinen Kontostand gesehen. Und ich werde diesen Moment nicht vergessen, weil mir sofort klar war, dass jetzt etwas kommt. Sie war nicht laut und hat nicht geschrien. Sie war ruhig und genau das war schlimmer.

Sie hat mich angeschaut und gesagt: „So, wir legen das Konto jetzt mal auf Eis.“

Ich war ehrlich gesagt richtig wütend. Nicht nur ein bisschen, sondern wirklich. In meinem Kopf fühlte sich das wie ein Eingriff in mein Leben an. Ich fühlte mich kontrolliert und auch etwas beschämt, weil es bedeutete, dass ich es offenbar doch nicht im Griff hatte. Ich dachte: Ich bin doch nicht mehr klein. Und gleichzeitig hatte ich diesen unangenehmen Stich, weil ich wusste, dass sie irgendwo recht hatte.

Ein Monat arbeiten – und plötzlich sah ich Geld anders

Sie sagte dann, ich solle einen Monat in der Firma arbeiten, also in ihrer Firma. Nicht als Strafe, sondern damit ich lerne, was Geld wirklich bedeutet. Der erste Arbeitstag war seltsam. Am Anfang war ich motiviert, nach dem Motto: Passt, mache ich schnell. Aber nach ein paar Stunden merkt man, wie langsam Zeit vergehen kann, wenn man wirklich durchzieht. Ich habe öfter auf die Uhr geschaut, die Müdigkeit gespürt, und irgendwann dachte ich: Das steckt also hinter jedem Einkauf.

Genau da hat sich bei mir etwas verschoben. Geld fühlte sich nicht mehr wie ein unendliches Polster an, sondern wie etwas, das Zeit kostet. Nicht dramatisch, aber real. Wenn ich am Abend müde nach Hause komme, überlege ich anders, ob ich jetzt etwas völlig Unnötiges bestelle, nur weil ich gerade Lust darauf habe.

Was ich gelernt habe

Seitdem achte ich auf andere Dinge. Ich vergleiche Preise öfter, nicht, weil ich geizig sein will, sondern weil ich bewusster entscheiden möchte. Ich denke häufiger darüber nach, was eine Entscheidung langfristig bedeutet. Beim Auto genauso wie beim Konto.

Es geht nicht darum, nie Spaß zu haben oder mir nie etwas zu gönnen. Ich gönne mir Dinge. Aber ich versuche, bewusst zu entscheiden, nicht aus dem Gefühl heraus: Ich habe ja eh genug.

Ich bewundere meine Mama, weil sie mir nicht nur gesagt hat: „Du sollst sparen“, sondern mir gezeigt hat, wie man denkt. Sie hat mich auf eine Art gebremst, die sich damals nervig angefühlt hat, heute bin ich froh darüber.

Ich lerne lieber mit 16, was Geld wert ist, als später, wenn es wirklich wehtut. Und wenn ich ehrlich bin: Genau das macht für mich ein gutes Vorbild aus. Jemand, der nicht perfekt ist, aber im richtigen Moment das Richtige tut und mir beibringt, dass Geld nicht nur zum Ausgeben da ist, sondern auch zum Verstehen.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen

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