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Mein TikTok war öffentlich. Wer sah eigentlich zu?

Kein Profil-Bild gefunden.
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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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26.08.2026
3 Min.

Ein öffentliches TikTok-Konto kann unsere Videos auf die Handys völlig fremder Menschen bringen. Die EU-Kommission wirft der Plattform deshalb vor, Minderjährige unzureichend zu schützen. Für diese Recherche habe ich meine eigene Entscheidung überprüft: Mein Konto war lange öffentlich. Heute ist es privat.

Ein öffentliches TikTok-Video kann auch fremden Erwachsenen auf der For-You-Page angezeigt werden. Die EU-Kommission verlangt deshalb stärkere Voreinstellungen für minderjährige Nutzerinnen und Nutzer. Das Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt. (Foto: Künstliche Intelligenz)

Mein TikTok-Konto war lange öffentlich. Ich postete hauptsächlich für Freunde und andere Menschen in meinem Alter. Zusätzliche Aufrufe freuten mich. Ich wusste zwar, dass jeder mein Profil öffnen konnte. Beim Posten dachte ich trotzdem kaum darüber nach, welche fremden Personen TikTok meine Videos aktiv empfehlen könnte.

Heute ist mein Konto privat. Reichweite ist mir weniger wichtig geworden als die Kontrolle darüber, wer meine Inhalte sieht. Ich möchte mit TikTok weder berühmt werden noch Geld verdienen. Deshalb brauche ich auch kein Profil, das jeder Mensch im Internet aufrufen kann.

Diese persönliche Entscheidung trifft auf eine aktuelle politische Debatte. Österreich will Kindern unter 14 Jahren den Zugang zu Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube erschweren. Der Gesetzesentwurf befindet sich in Begutachtung.

Die EU macht TikTok Druck

Im Juli 2026 kam die EU-Kommission vorläufig zu dem Ergebnis, TikTok schütze minderjährige Nutzerinnen und Nutzer unzureichend. Der Vorwurf betrifft unter anderem öffentliche Konten von 16- und 17-Jährigen. Ihre Videos können auf der For-You-Page beliebiger Nutzer auftauchen und teilweise auch außerhalb TikToks angesehen oder weiterverbreitet werden.

Die Kommission warnt vor unerwünschten Kontakten, Cybermobbing und Grooming. Sie fordert, Inhalte Minderjähriger standardmäßig nur bestätigten Personen zu zeigen. Videos von 16- und 17-Jährigen sollten nach Ansicht der Behörde nicht automatisch einem unbegrenzten Publikum empfohlen werden.

Die Feststellungen sind noch vorläufig. TikTok kann darauf antworten. Das Unternehmen erklärt, der Schutz Minderjähriger sei auch sein Ziel, und verweist auf bestehende Sicherheitsmaßnahmen. Laut TikTok beginnen Konten von Personen unter 18 Jahren grundsätzlich als private Profile. Jugendliche können sie später öffentlich stellen.

Bei einem privaten Konto dürfen nur bestätigte Follower Beiträge, Likes sowie Listen mit Followern und gefolgten Konten sehen. Duette, Stitches und Downloads sind eingeschränkt. Benutzername und Profilbild bleiben jedoch sichtbar. Zusätzlich gibt es eigene Einstellungen für Kommentare und Direktnachrichten.

Privat und trotzdem unübersichtlich

Elias ist 17 und hat sein TikTok-Konto bewusst privat gestellt. Trotzdem kennt er nicht jede Einstellung. Besonders bei Kommentaren ist er sich nicht immer sicher, wer sie sehen kann. Viele einzelne Optionen ließ er nach der Anmeldung einfach unverändert.

Überrascht hat ihn vor allem die aktive Verbreitung öffentlicher Videos. „Wenn ich etwas poste, denke ich eher an Leute in meinem Alter oder Freunde und nicht an irgendeinen 40-Jährigen, der das auf seiner For-You-Page sieht.“

TikTok bietet viele Möglichkeiten, die eigene Privatsphäre anzupassen. Wir können festlegen, wer uns Nachrichten schicken, Beiträge kommentieren oder Videos weiterverwenden darf. Diese Auswahl kann allerdings so unübersichtlich werden, dass ein privates Konto allein ein falsches Gefühl vollständiger Sicherheit erzeugt.

Saferinternet.at empfiehlt deshalb, nicht nur das Profil auf privat zu stellen. Auch Downloads, Kommentare, Direktnachrichten und die Weiterverwendung von Videos sollten einzeln überprüft werden. Bildschirmaufnahmen lassen sich technisch trotzdem kaum verhindern.

Elias sieht die Verantwortung bei TikTok und bei uns. Die Plattform müsse verständliche und sichere Einstellungen anbieten. Gleichzeitig müssten wir überlegen, welche Inhalte wir veröffentlichen. Strengere Grundeinstellungen empfindet er als Schutz, solange ältere Jugendliche sie bewusst ändern können.

Genau dort beginnt der schwierige Teil der Debatte. Ein Verbot für Unter-14-Jährige beantwortet noch nicht, wie Plattformen mit den Videos von 16- und 17-Jährigen umgehen sollen. Wir dürfen in diesem Alter selbst entscheiden, öffentlich zu posten. TikTok entscheidet aber durch seinen Algorithmus, wie weit ein Video reist.

Bei meinem eigenen Konto war die Einstellung mit einem Fingertipp geändert. Die wichtigere Erkenntnis kam vorher: Ein öffentliches Video erreicht nicht einfach nur mehr Menschen. Es erreicht Menschen, an die ich beim Posten nie gedacht habe.



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