Im Schulgebäude
Die Tür fällt ins Schloss und sofort beginnt sich etwas im Klassenraum zu verändern. Bislang saßen die Schülerinnen und Schüler ruhig an ihren Plätzen, mein Nebensitzer beschäftigt sich konzentriert mit seinen Hausaufgaben und irgendwo wird noch leise im Heft geblättert.
Kaum ist die Lehrkraft gegangen, ist Kichern zu hören, Stimmenfetzen einer Unterhaltung, das Schieben der Stühle. „Hast du die Antwort bei Nummer drei?“
Es ist, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Die Ruhe verschwindet und macht einem neuen Lärm Platz, einem leicht chaotischen Gemenge. Hier und da stehen Menschen auf, andere lassen sich einfach in ihre Stühle sinken, als hätten sie nur darauf gewartet.
Ich sitze noch einen Moment da und bemerke, wie schnell sich alles verändern kann, nur durch einen Menschen, der den Raum verlässt.
Im Straßenbild
Vor mir läuft eine junge Frau, die Augen konstant auf ihr Smartphone gerichtet. Ihre Finger bewegen sich schnell über den Bildschirm, dann bleibt sie plötzlich stehen, wie kurz aus der Umgebung herausgezogen.
Ein paar Meter dahinter läuft ein Jugendlicher, der sich ein YouTube-Video anschaut. Auf einmal beginnt er laut zu lachen, so unvermittelt, dass ich kurz hinschaue. Direkt danach ändert er die Richtung, ohne aufzublicken, und ich muss zur Seite treten, damit wir nicht zusammenstoßen.
Keiner der beiden sagt ein Wort. Sie gehen weiter, als wäre nichts gewesen. Autos fahren vorbei, irgendwo klingelt ein Fahrrad, und beide bewegen sich weiter, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
Ich stelle fest, wie normal das geworden ist: Jeder ist da, und doch irgendwie nicht wirklich.
Zu Hause
Im Laufe des Abends suche ich meine Kopfhörer. Nur kurz Musik hören will ich eigentlich, doch daraus wird schnell eine kleine Suchaktion. Ich ziehe Schubladen auf, schiebe Dinge zur Seite, blättere durch alte Zettel, finde Kabel und Dinge, die ich längst vergessen hatte.
Mit jedem Moment werde ich ungeduldiger. Ich schaue unter das Bett, dann wieder auf den Schreibtisch, in der Hoffnung, dass sie einfach auftauchen.
Dann kommt mein Bekannter ins Zimmer, sieht das Chaos und fragt nur: „Suchst du was?“
„Meine Kopfhörer“, antworte ich knapp. „Ich finde sie einfach nicht.“
Er nickt, geht zum Schreibtisch, schiebt ein wenig beiseite und sagt trocken: „Hier?“
Sie liegen genau dort. Die ganze Zeit.
Ich muss kurz lachen, aber es passt irgendwie zu diesem Alltag.
Diese drei Situationen sind nichts Außergewöhnliches. Vielleicht liegt genau darin ihre Besonderheit. Im Laufe des Tages passieren solche Momente ständig. Erst wenn kurz innegehalten wird, fällt auf, wie viel davon eigentlich passiert.
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