Der Morgen in Dubrovnik beginnt schon heiß. Die alten Steinmauern speichern die Wärme wie ein Ofen, obwohl es erst kurz nach neun ist. Ich laufe durch die engen Gassen der Altstadt, vorbei an kleinen Fenstern mit grünen Fensterläden. Über mir hängen Wäscheleinen, irgendwo miaut eine Katze, und aus einer offenen Tür riecht es nach gegrilltem Fisch und Knoblauch. Vor einem kleinen Laden sitzt ein älterer Mann auf einem Plastikstuhl und nickt jedem zu, der vorbeigeht, als würde er wirklich jeden hier kennen.
Während ich versuche, in der Hitze nicht komplett einzugehen, höre ich plötzlich hinter mir ein lautes „Achtung!“. Zwei Kinder rennen lachend mit Wasserpistolen durch die Gasse und treffen natürlich genau mich. Für einen kurzen Moment bin ich komplett verwirrt, dann muss ich selbst lachen. Ehrlich gesagt war das wahrscheinlich die beste Abkühlung des ganzen Tages.
Ein Augenblick ist schöner als der andere
Später sitze ich unten am Hafen auf einer warmen Steinmauer. Das Wasser glitzert so stark, dass ich fast die Augen zukneifen muss. Neben mir diskutieren Touristen darüber, welches Boot sie nehmen sollen, Möwen schreien über den Köpfen und irgendwo spielt ein Straßenmusiker auf seiner Gitarre. Irgendwie passt das Lied perfekt zu diesem Abend. Ich esse ein Zitroneneis, das viel zu schnell schmilzt, und schaue den kleinen Wellen zu, die gegen die Boote schlagen.
Ein paar Tage später bin ich bei den Plitvicer Seen. Dort fühlt sich plötzlich alles anders an. Ruhiger. Kühler. Das Wasser ist so klar und türkis, dass es fast unecht aussieht, wie ein Instagram-Filter in echt. Über die Holzstege laufen Menschen aus aller Welt, aber trotzdem hört man hauptsächlich Wasserfälle und das Rascheln der Bäume. An einer Stelle bleibe ich einfach stehen, weil ich kurz nicht glauben kann, dass es so einen Ort wirklich gibt. Neben mir versucht ein kleiner Junge verzweifelt, ein perfektes Foto von einem Wasserfall zu machen, während seine Mutter schon genervt weitergehen will. Genau solche kleinen Situationen bleiben später irgendwie am meisten hängen.
Mein schönster Abend war aber auf Hvar. Die Sonne ging langsam unter und färbte den Himmel orange und rosa. Ich saß direkt am Wasser, die Füße im Meer, und versuchte zum hundertsten Mal, einen Stein übers Wasser springen zu lassen. Drei Sprünge. Dann plumps. Ein älterer Mann ein paar Meter weiter schaut kurz herüber und meint lachend: „Noch viel üben!“ Ich muss lachen und mache einfach weiter.
Vielleicht ist Kroatien genau deshalb mein Lieblingsort im Sommer. Nicht nur wegen des Meeres oder der Sonne. Sondern wegen dieser kleinen Momente, die niemand planen kann: nasse T-Shirts durch Wasserpistolen, schmelzendes Eis, fremde Menschen, die einen zum Lachen bringen, und Abende, bei denen plötzlich komplett egal wird, wie spät es eigentlich ist.
Kommentare