Panorama International Fakten

Mein iPhone hat einen neuen Chef. Deins übrigens auch

Kein Profil-Bild gefunden.
420
7
TOP 10 Autor
Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
01.09.2026
4 Min.

Ein TikTok-Video informiert mich über das Ende von Tim Cooks Zeit als Apple-Chef. Sein Nachfolger John Ternus war zuvor für die Geräteentwicklung verantwortlich. Ich nutze iPhone, MacBook, AirPods und Apple Pay. Deshalb interessiert mich weniger sein Titel als eine Frage: Was ändert sich für mich, wenn ein Ingenieur Apple führt?

 

John Ternus, bitte mach unsere iPhones besser (Foto: Amy Osborne)

Letzte Woche tauchte auf TikTok ein Video über John Ternus auf. Tim Cook gab nach 15 Jahren den Posten als Apple-Chef ab, Ternus übernahm. Mein erster Gedanke war: Eine Ära ging zu Ende. Ein wenig neuer Wind hätte Apple trotzdem guttun können.

Wenige Sekunden später dachte ich an mein eigenes iPhone. Es hatte rund 1.100 Euro gekostet, der Akku nervte mich inzwischen und eigentlich hätte ich es zum Service bringen müssen. Auf meinem MacBook schrieb ich Campus-Beiträge. Meine AirPods und Apple Pay verwendete ich jeden Tag. Der Führungswechsel betraf also Geräte und Dienste, die ständig um mich herum waren.

Vom ersten Handy zum ganzen System

Mein erstes Apple-Produkt war zugleich mein erstes Handy. Ich war damals ungefähr zehn oder elf Jahre alt. Inzwischen besaß ich mehrere Geräte der Marke, die ich für Arbeit und Freizeit verwendete.

Warum ich bei Apple blieb, konnte ich schwer an einer einzigen Funktion festmachen. Die Software fühlte sich für mich gut an und die Geräte arbeiteten problemlos zusammen. Musik lief über die AirPods, Texte entstanden am MacBook und an der Kasse reichte Apple Pay. Wer einmal mehrere Produkte verwendete, kam aus diesem System nur mit Aufwand wieder heraus.

Darum lautete meine Frage an Ternus: Würde er meinen Alltag mit diesen Geräten verbessern oder würde Apple weiterhin kleine Veränderungen zu hohen Preisen verkaufen? Bei mir würde sich die Antwort vor allem am iPhone zeigen.

Der frühere Hardware-Chef übernahm

John Ternus war seit 1. September 2026 Apples CEO. Tim Cook blieb als Vorstandsvorsitzender im Unternehmen und kümmerte sich unter anderem um politische Kontakte. Der Wechsel beendete Cooks Einfluss daher keineswegs vollständig.

Ternus arbeitete seit 2001 bei Apple und hatte zuletzt die Geräteentwicklung geleitet. Er war an iPad, AirPods, iPhone, Mac und Apple Watch beteiligt. Cook beschrieb ihn so: „John Ternus hat den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen.“

Unter Cook war Apples Börsenwert laut Unternehmen von rund 350 Milliarden auf vier Billionen US-Dollar gestiegen. Weltweit waren rund 2,5 Milliarden Apple-Geräte aktiv. Diese Zahlen wirkten weit weg. Für mich wurde Cooks Zeit greifbar, wenn ich mit AirPods Musik hörte oder mein Handy an ein Kartenterminal hielt. Beide Produkte waren während seiner Amtszeit auf den Markt gekommen.

Ein besserer Akku wäre mein erster Test

Mein iPhone funktionierte im Alltag zuverlässig. Trotzdem schaute ich an längeren Tagen zu oft auf den Akkustand. Der Preis von rund 1.100 Euro wäre für mich leichter zu akzeptieren gewesen, wenn ich mir um die nächste Steckdose weniger Gedanken hätte machen müssen.

Apple gab für das iPhone 14 und ältere Modelle nach 500 vollständigen Ladezyklen eine Restkapazität von 80 Prozent an. Beim iPhone 15 und neueren Modellen nannte der Konzern 1.000 Zyklen. Nutzung, Einstellungen und Ladeverhalten beeinflussten den tatsächlichen Zustand.

Seit Juni 2025 galten in der EU zusätzliche Vorgaben für neu auf den Markt gebrachte Smartphones. Ihre Akkus mussten nach mindestens 800 Ladezyklen noch 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität erreichen. Ein Energielabel zeigte zudem Laufzeit, Widerstandsfähigkeit und Reparierbarkeit.

Ternus hatte bei Apple Bereiche wie Zuverlässigkeit, Haltbarkeit und Reparierbarkeit geleitet. Das klang passend für mein Problem, brachte mir allein jedoch wenig. Ich wollte es an meinem nächsten iPhone merken. Wenn der Akku spürbar länger hielt und ein Austausch einfacher wurde, würde sich der Ingenieur an der Konzernspitze in meinem Alltag zeigen.

Teure Geräte, fehlende KI

Apple Intelligence verwendete ich bisher gar nicht. Künstliche Intelligenz blieb für Ternus trotzdem eine große Baustelle, weil Apple bei seiner neuen Siri in Europa auf Schwierigkeiten stieß.

Siri AI sollte Inhalte aus Nachrichten, E-Mails und Fotos verstehen und Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigen. Auf iPhones und iPads startete sie in der EU vorerst später. Apple verwies auf das europäische Gesetz über digitale Märkte und nannte damals keinen Termin. Auf unterstützten Macs sollte die Funktion früher verfügbar sein.

Für mich entstand dadurch eine einfache Preisfrage: Warum kostete ein iPhone in Österreich so viel, wenn wichtige neue Funktionen hier später erschienen? Ternus musste einen Weg zwischen Innovation, europäischen Regeln und Datenschutz finden. Apple genoss bei persönlichen Daten bisher mein größeres Vertrauen als Google, Meta oder TikTok. Eine neue KI durfte dieses Vertrauen nicht verspielen.

Was von Ternus bei mir ankommen musste

Ein neuer Chef veränderte ein iPhone nicht über Nacht. Die nächsten Modelle waren über Jahre entwickelt worden, und Tim Cook blieb im Unternehmen. Deshalb erwartete ich bei der nächsten Präsentation keine völlig neue Apple-Welt.

Ich wollte auch keine Revolution bei jedem Modell. Ein Akku, der einen langen Tag besser durchhielt, wäre für mich bereits ein echter Fortschritt gewesen. Andere Hersteller zeigten, wie viel Laufzeit möglich war. Wenn Apple dort einen großen Sprung schaffte, würde ich über ein neues Gerät nachdenken.

Das TikTok-Video hatte mir den neuen Namen an der Spitze gezeigt. Ob John Ternus für mich wirklich etwas veränderte, würde ich später ohne Video merken: wenn ich am Abend mein iPhone aus der Tasche holte und nicht sofort nach einer Steckdose suchen musste.

Kommentare