Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, bevor ich ein Handy hatte. Ich war stundenlang draußen, und das jeden Tag. Ich schaukelte so hoch ich konnte, war oft auf dem Spielplatz oder bei den Nachbarn auf dem Bauernhof. Dort habe ich mit Tieren gespielt, die Katzen gefüttert und den Schafen beim Essen zugesehen. Da waren noch meine größten Sorgen, was ich meinen Puppen anziehen sollte und wie lange ich heute wachbleiben durfte.
Ich war zufrieden. Mein Kopf war frei. Ich musste niemandem schreiben, keine Storys posten, keine Flammen halten. Ich war einfach da. Im Moment. Ohne Handy. Ohne Druck.
Die Angst etwas zu verpassen
Heute sieht alles anders aus. Ich greife morgens als Erstes zum Handy. Ich scrolle durch Nachrichten, schaue wer mir geschrieben hat und wie viele Snaps ich bekommen habe. Manchmal schaue ich hoch und merke: Wieder eine Stunde vorbei. Aber was habe ich in dieser Zeit gemacht? Nichts, was mir in Erinnerung bleibt. Wenn ich mal länger nicht antworte, bekomme ich ein schlechtes Gefühl. Was, wenn jemand denkt, ich ignoriere ihn? Was, wenn ich eine Flamme verliere? Was, wenn ich etwas verpasse?
Dabei verpasse ich genau das, was früher mein Alltag war: frische Luft, Bewegung und Spaß im Garten. Und jetzt zehn Jahre später bin ich oft drinnen mit dem Handy in der Hand. Ich schaue Videos von anderen, die draußen Spaß haben, statt selbst rauszugehen. Ich bin am Handy, während ich am Essen bin. Ich bin jede freie Sekunde am Handy, wenn ich mal kurz nichts zu tun habe.
Offline war ich glücklicher
Und dann denke ich an mein früheres Ich. An das Kind, das keine Angst hatte, offline zu sein. Das einfach gelebt hat, ohne sich ständig zu vergleichen, ohne Likes, ohne Filter. Ich merke: Dieses Kind war glücklich. Vielleicht sogar glücklicher als ich heute.
Mein digitales Vorbild bin ich selbst
Deshalb sage ich: Mein Handy-Vorbild bin ich selbst, aus der Zeit ohne Handy. Ich will mir ein Stück davon zurückholen. Nicht komplett ohne Handy leben, aber bewusster. Mal das Handy weglegen. Ich würde alles dafür tun, noch einmal ein Tag lang mein kleines Ich zu sein. Keine Gedanken. Kein Druck. Am Abend um sieben müde ins Bett zufallen und meiner Kuscheltierbande Geschichten zu erzählen und dann mit ihnen 12 h lang schlafen.
Vielleicht wird es jetzt mal Zeit, wieder die Welt zu entdecken, die mein kleines Ich so geliebt hat, frei, gedankenlos und voller Momente. Denn nur so kann ich wieder zurück zu mir finden.
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