Wirtschaft Tirol Meinung

Alle wollen Wirtschaftsunterricht. Manches übersehen sie dabei

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Volontärin · BRG Kufstein
28.02.2026
2 Min.

Finanzielle Entscheidungen begleiten uns ein Leben lang: vom ersten eigenen Konto über den Handyvertrag bis hin zur ersten eigenen Wohnung. Trotzdem bekommt das Thema Geld und Wirtschaft in der Schule oft unterschiedlich viel Aufmerksamkeit. Viele fordern deshalb ein eigenes Fach für Wirtschaft. Doch braucht es das wirklich?

Geld spielt im Alltag eine große Rolle, doch wie man richtig damit umgeht, lernt man in der Schule oft nur am Rande. (Foto: Foto von Jonathan Borba auf Unsplash)

Ich finde schon, dass man ein bisschen über Wirtschaft reden kann, aber nicht zu viel und nicht unbedingt als eigenes Fach.

Zwei Stunden, die alles ausgelöst haben

Im Realgymnasium haben wir ja derzeit kein extra Fach dafür. Zwar beschweren sich viele und sagen, dass man nach der Schule nicht genug auf das echte Leben vorbereitet ist. Und genau darüber hatten wir einmal eine richtig lange Diskussion im Unterricht. Eigentlich ging es um ein ganz anderes Thema, doch plötzlich meinte jemand: „Wir können nach der Schule alle Gedichte analysieren, aber wissen nicht einmal genau, was Brutto und Netto bedeutet.“

Daraufhin entstand eine Diskussion, die über zwei Stunden dauerte. Manche fanden es unfair, dass wir so viel Theorie lernen, aber kaum etwas über Steuern oder Gehalt. Andere meinten, dass Schule eben nicht alles abdecken kann. In diesem Moment habe ich gemerkt, dass das Thema viele beschäftigt, auch wenn es im Stundenplan nicht vorkommt.

Noch ein Fach? Wirklich jetzt?

Und ja, ein gewisses Grundwissen über Steuern, Versicherungen, Kredite oder den Unterschied zwischen Brutto und Netto wäre sicher hilfreich. Auch zu wissen, wie man richtig mit Geld umgeht und welche Folgen Schulden haben können, ist wichtig.

Aber man muss auch ehrlich sein: Hätten wir plötzlich ein eigenes Pflichtfach für Wirtschaft, würden sich wahrscheinlich genauso viele wieder beschweren. Noch ein Fach, noch mehr Stoff, noch mehr Tests. Ich glaube, viele würden es nicht ernst nehmen, sich nicht richtig konzentrieren oder einfach keinen Bock haben. Und wenn ein Fach von Anfang an als lästig gesehen wird, bringt es am Ende auch nichts.

Vielleicht geht’s auch anders

Vielleicht liegt die Lösung also nicht in einem neuen Fach, sondern darin, wirtschaftliche Themen sinnvoll in bestehende Fächer einzubauen. In Mathematik könnte man zum Beispiel Zinsen und Prozentrechnung mit echten Beispielen aus dem Alltag verbinden. In Geschichte oder Geografie könnte man Wirtschaftssysteme und aktuelle Entwicklungen stärker behandeln. Auch Workshops oder Projekttage wären eine gute Möglichkeit, das Thema praxisnah zu gestalten.

Meiner Meinung nach sollte Schule uns auf das Leben vorbereiten, aber sie kann nicht alles übernehmen. Ein bisschen Eigenverantwortung gehört auch dazu. Wer sich wirklich für Finanzen interessiert, kann sich zusätzlich informieren.

Mehr Inhalt statt mehr Stunden

Mein Fazit: Ja, man kann mehr über Wirtschaft sprechen. Aber ein eigenes Fach für alle wäre vielleicht nicht die beste Lösung. Entscheidend ist, dass das Thema interessant und alltagsnah vermittelt wird, nicht, dass es einfach nur mehr Unterrichtsstunden gibt.




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