Wenn ich den ORF einschalte, dann meistens wegen aktueller Sportberichte. Genau dort erreicht mich der öffentlich-rechtliche Rundfunk. In vielen anderen Teilen des Programms fühle ich mich als 17-Jähriger nur teilweise angesprochen. Beim kommenden ORF-Zukunftsforum sollte deshalb nicht nur über uns Jugendliche gesprochen werden, sondern darüber, was wir wirklich nutzen.
Am 10. und 11. September diskutieren Politik, Medienbranche und Kulturschaffende im Kultur- und Medienministerium über die Zukunft des ORF. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich ausdrücklich mit Jugend und Medienkompetenz. Weitere Themen sind das Programm, künstliche Intelligenz, Digitalisierung und die Mitsprache des Publikums. Die Ergebnisse sollen den Ausgangspunkt für eine größere ORF-Reform bilden.
Das klingt wichtig, bleibt aber zunächst sehr abstrakt. Für mich beginnt die Zukunft des ORF bei einer einfachen Frage: Welcher Inhalt bringt mich freiwillig dazu, die App zu öffnen oder den Fernseher einzuschalten? Meine Antwort lautet Sport.
Sport bringt mich zum ORF
Der ORF ist für mich besonders interessant, wenn ein großes Fußballspiel läuft oder ich mich über aktuelle Ergebnisse informieren will. Live-Sport schafft etwas, das Serien und Unterhaltung immer seltener schaffen: Viele Menschen sehen zur selben Zeit dasselbe Ereignis und sprechen danach darüber.
Der ORF hat in diesem Bereich bereits ein starkes Angebot. Bis 2030 zeigt er unter anderem Spiele des ÖFB-Cups, Heimspiele der U21 und des Frauen-Nationalteams sowie Begegnungen der Frauen-Bundesliga. Insgesamt sind laut ORF über 50 Fußball-Liveübertragungen pro Saison frei zugänglich. Dazu kommen Skirennen, weitere Sportarten und große internationale Ereignisse.
Trotzdem wünsche ich mir mehr. Damit meine ich nicht einfach noch mehr teure Übertragungsrechte für die bekanntesten Bewerbe. Der ORF könnte Sport stärker so erzählen, wie wir ihn heute nutzen: mit gut auffindbaren Höhepunkten, kurzen Analysen, verständlichen Erklärungen und Formaten für Smartphone und Social Media.
Wer ein entscheidendes Tor verpasst hat, möchte nicht lange nach dem passenden Beitrag suchen. Wer eine Sportart noch nicht kennt, braucht eine kurze Erklärung der Regeln. Und wer einem jungen österreichischen Talent folgt, interessiert sich oft auch für Training, Rückschläge und den Weg hinter dem Ergebnis.
Jugendliche kommen nur teilweise vor
Der ORF erreicht nach eigenen Angaben täglich 6,1 Millionen Menschen ab 14 Jahren über Fernsehen, Radio und digitale Angebote. Diese Zahl zeigt seine Bedeutung, verrät aber noch nicht, ob wir Jugendlichen uns im Programm ausreichend wiederfinden.
Einzelne Sendungen funktionieren bei einem jungen Publikum sehr gut. „Dancing Stars“ erreichte 2025 laut ORF bei den 12- bis 29-Jährigen durchschnittlich 30 Prozent Marktanteil. Große Fußballspiele erzielen ebenfalls hohe Werte. Solche Erfolge zeigen: Junge Menschen lehnen den ORF nicht grundsätzlich ab. Wir kommen, wenn uns ein Inhalt interessiert und wir ihn dort finden, wo wir ohnehin Medien nutzen.
Ich fühle mich im Programm trotzdem nur teilweise vertreten. Es gibt Angebote für Kinder und viele etablierte Formate für Erwachsene. Dazwischen bleibt für Jugendliche eine Lücke. Ein Zukunftsforum über Jugend sollte deshalb junge Menschen nicht nur als Zielgruppe betrachten, die man irgendwie zurückholen muss. Wir sollten mitentscheiden können, welche Themen, Erzählformen und Plattformen sinnvoll sind.
Mehr Sport kostet Geld
Mein Wunsch hat eine offensichtliche Grenze: Sportrechte sind teuer. Ein öffentlich finanzierter Sender kann sein Budget nicht hauptsächlich für Fußball und andere Großereignisse ausgeben. Er muss auch Nachrichten, Kultur, Bildung, Unterhaltung und regionale Inhalte anbieten. Gerade Programme, die private Sender aus wirtschaftlichen Gründen kaum produzieren, gehören zu seinem Auftrag.
Mehr Sport sollte deshalb nicht automatisch bedeuten, bei Information oder Kultur zu kürzen. Der ORF kann vorhandene Rechte besser für junge Nutzerinnen und Nutzer aufbereiten. Ein übertragenes Spiel liefert Material für Analysen, kurze Videos, Erklärstücke und Porträts. Dabei sollten auch Frauen-, Nachwuchs- und weniger beachtete Sportarten sichtbar werden.
Ab 18 kann der ORF-Beitrag für den eigenen Hauptwohnsitz relevant werden. Spätestens dann stellt sich noch stärker die Frage, welchen persönlichen Wert das Angebot hat. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss nicht jeden Geschmack rund um die Uhr erfüllen. Er sollte uns aber gute Gründe liefern, seine Angebote freiwillig zu nutzen.
Für mich ist dieser Grund der Sport. Wenn das Zukunftsforum ernsthaft herausfinden will, wie der ORF Jugendliche erreicht, sollte es bei solchen konkreten Interessen beginnen. Mehr aktueller und digital gut aufbereiteter Sport würde mich öfter zum ORF bringen. Dann wäre „Jugend“ nicht nur der Name einer Arbeitsgruppe, sondern im Programm tatsächlich zu erkennen.
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