Wir sitzen zu zweit vor unserer Schaltung und versuchen herauszufinden, warum die Lampe nicht leuchtet. Wir stecken Kabel um, überprüfen die Verbindungen und probieren verschiedene Möglichkeiten aus. Dabei hatten wir vorher lange darüber gesprochen, wie Strom funktioniert und was bei den verschiedenen Schaltungen passiert. Trotzdem war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich klar, was genau dahintersteckt. Nach einigen Versuchen funktioniert es plötzlich. Die Lampe leuchtet und wir wissen, was wir verändert haben. Genau in diesem Moment hat es bei mir Klick gemacht. Ich hatte nicht durch eine weitere Erklärung verstanden, wie die Schaltung funktioniert, sondern dadurch, dass ich selbst ausprobiert und den Fehler gefunden hatte. An dieses Erfolgserlebnis erinnere ich mich heute noch besser als an die Theorie davor.
Theorie ist wichtig, aber nicht genug!
Genau deshalb würde ich mir wünschen, dass Schule mehr darauf setzt, Dinge selbst auszuprobieren, statt uns stundenlang mit Theorie zu beschäftigen. Natürlich gehört Theorie zum Lernen dazu. Sie ist schließlich die Grundlage dafür, dass man praktische Aufgaben überhaupt lösen kann. Aber gerade wenn man den ganzen Tag nur Formeln, Definitionen und Erklärungen bekommt, bleibt bei vielen irgendwann nicht mehr viel hängen. Bei mir war es oft so, dass ich etwas für eine Prüfung auswendig gelernt habe, es danach aber kaum noch anwenden konnte.
Viel besser funktioniert es für mich, wenn wir den Stoff direkt in der Praxis ausprobieren dürfen. Gerade bei technischen Themen merkt man schnell, ob man etwas wirklich verstanden hat oder nur die richtige Antwort auswendig kennt. Beim Arbeiten mit der Schaltung musste ich selbst überlegen, welcher Fehler vorliegen könnte. Durch jeden falschen Versuch habe ich wieder etwas dazugelernt. Als es schließlich funktioniert hat, konnte ich die Theorie mit dem verbinden, was ich gerade selbst gemacht hatte.
Mehr Aufgaben, bei denen man selbst etwas herausfindet!
Deshalb würde ich mir mehr praktische Aufgaben, Experimente und Projekte wünschen, bei denen man das Gelernte direkt anwenden muss. Das könnte auch in anderen Fächern funktionieren. Im Mathematikunterricht könnte man beispielsweise eine Rechnung mit einer realen Situation verbinden, statt nur zehn ähnliche Beispiele aus dem Buch zu lösen. Im Informatikunterricht könnte man nach einer kurzen Erklärung selbst ein kleines Programm entwickeln und dabei herausfinden, welche Teile der Theorie man dafür braucht.
Auch bei solchen Aufgaben darf ruhig einmal etwas nicht funktionieren. Gerade aus Fehlern lernt man oft am meisten. Wenn man selbst herausfinden muss, warum etwas nicht klappt, beschäftigt man sich viel intensiver mit dem Stoff, als wenn man nur die richtige Lösung abschreibt. Das würde den Unterricht für mich nicht nur interessanter machen, sondern auch dafür sorgen, dass das Gelernte länger im Kopf bleibt.
Gemeinsam kommt man oft weiter!
Auch Teamarbeit könnte meiner Meinung nach häufiger eingesetzt werden. Bei gemeinsamen Projekten haben wir erlebt, dass man oft schneller zu einer Lösung kommt, wenn mehrere Personen an einer Aufgabe arbeiten. Einer übernimmt beispielsweise einen Teil der Aufgabe, während jemand anderes einen anderen Bereich bearbeitet. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man gemeinsam überlegen, woran es liegt, und sich gegenseitig die eigenen Ideen erklären.
Gerade bei praktischen Aufgaben bietet sich das an. Bei einer Schaltung könnte beispielsweise eine Person den Aufbau übernehmen, während eine andere die Verbindungen überprüft und nach möglichen Fehlern sucht. Am Ende muss trotzdem jeder verstehen, warum die Lösung funktioniert. So lernt man nicht nur den eigentlichen Stoff, sondern auch, wie man gemeinsam Probleme löst und Verantwortung für einen Teil einer Aufgabe übernimmt.
Nicht weniger lernen, sondern anders!
Für mich wäre Schule deshalb deutlich sinnvoller, wenn Theorie und Praxis stärker miteinander verbunden wären. Ich möchte nicht weniger lernen, sondern das Gelernte öfter selbst anwenden können. Denn manchmal braucht es keine weitere Stunde voller Erklärungen, sondern einfach ein Kabel, ein paar Versuche und den Moment, in dem plötzlich die Lampe leuchtet. Dann merkt man selbst, dass man es verstanden hat.
Kommentare