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Mehr KI, weniger Latein: Das bringt uns nicht weiter

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Volontär · Bundesgymnasium Vöcklabruck
30.04.2026
3 Min.

Der neue „Plan Zukunft“ von Bildungsminister Christoph Wiederkehr soll die Schule moderner machen: mehr Informatik, mehr KI, weniger klassische Fächer. Doch viele Schüler sind skeptisch. Wird die Schule dadurch wirklich besser, oder verlieren wir dabei wichtige Grundlagen?

Cicero: Sollten wir weniger Schriften des antiken Gelehrten übersetzen und dafür mehr über KI lernen? Bildungsminister Wiederkehr übersieht da einige wesentliche Punkte. (Foto: iStock - Credit: skynesher)

„Also… Künstliche Intelligenz… das sind Programme, die selbst lernen“, erklärt mein Informatiklehrer und schaut dabei auf seinen Bildschirm, als hätte er den Satz dort abgelesen.

Ein paar in der Klasse lachen. Einer flüstert: „Der hat doch noch nie ChatGPT und Co. benutzt!“ Ich denke mir nur: Perfekt. Genau so stellen wir uns also die Schule der Zukunft vor.

Was genau plant der Bildungsminister?

Viele haben es bereits mitbekommen: Ganz Österreich diskutiert derzeit über den Bildungsminister. Um sich jedoch eine eigene, sachliche Meinung bilden zu können, muss man verstehen, was Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) eigentlich plant. Am 22. April stellte er seinen sogenannten „Plan Zukunft“ vor. Was genau steht darin?

Für die AHS-Oberstufe lässt sich das so zusammenfassen: Wiederkehr möchte die „Skills des 21. Jahrhunderts“ stärker in die Schule bringen. Informatik soll mehr Wochenstunden erhalten und um Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) erweitert werden. Diese Inhalte können entweder als eigenes Fach oder im Informatikunterricht vermittelt werden – die Entscheidung liegt bei den einzelnen Schulen.

Außerdem plant er ein neues Fach „Demokratie und Medien“, das teilweise auch in bestehende Fächer integriert werden kann. Konkrete Lehrpläne für diese Änderungen ab dem Schuljahr 2027/28 gibt es derzeit noch nicht. Um Platz für die neuen Inhalte zu schaffen, sollen bestehende Fächer angepasst werden. Etwa könnten der Lateinunterricht von zwölf auf zehn Stunden reduziert werden. Auch die zweite lebenden Fremdsprache könnte betroffen sein. Trotz dieser Änderungen bleibt die Gesamtstundenzahl unverändert.

Ist diese Reform wirklich ein Schritt nach vorne?

Ich wage zu hinterfragen, dass diese Reform uns Jugendliche in die richtigen Wege leitet. Denn ja, es mag erstmal toll klingen: weniger Caesar und Cicero übersetzen, dafür mehr Deeptalks mit ChatGPT & Co. Und das in der Schule. Dabei beweist eine im April veröffentlichte britisch-amerikanische Studie, die Microsoft in Auftrag gegeben hat, genau das Gegenteil.

Bereits 10 Minuten mit einem KI-Chatbot können unsere eigene Denkleistung massiv vermindern. Hingegen wird dem Lateinunterricht eine bis dato wissenschaftlich noch nicht nachgewiesene positive Wirkung auf das Analytische Denken nachgesagt. Zweifelsfrei beweist wurde allerdings: Lateinlernende erweitern ihr Vokabular und ihre Grammatikkenntnisse in ihrer Muttersprache.

Ironie der Reform

Und, wo wir schon bei Latein sind: Auch das Wort (Bildungs-)Minister kommt vom Lateinischen. Genauer von minister, -ri m., was so viel wie Diener bedeutet. Das könnte man jetzt als Diener des Volkes interpretieren. Und nein, ich glaube nicht, dass Herr Wiederkehr dem jugendlichen Volk dient, in dem er seine Denkleistung vermindert.

Weniger Sprachen, weniger Europa- und das von den NEOS

Ein weiterer Widerspruch für den Minister einer stark proeuropäischen Partei ist meiner Meinung nach die Stundenkürzung der Zweiten Lebenden Fremdsprache in den Realgymnasien. Denn was steht mehr für Europas Vielfalt als die zahlreichen Sprachen? Außerdem bezweifle ich, dass es an Österreichs Schulen genügend qualifizierte Lehrer*innen für ein KI-Fach gibt. Denn zumindest an meiner Schule haben wir nur ein paar wenige alte Informatiklehrer, die zwar JavaScript fließend beherrschen, aber noch nie von KI gehört haben. Geschweige denn sie jemals benutzt haben.

Noch ein neues Fach – wirklich?

Aber genug zur Latein/KI-Reform. Christoph Wiederkehr möchte zusätzlich das neue Fach „Demokratie und Medien“ einführen. Die Inhalte, die aus dem Namen zu schließen sind, waren bis jetzt Teil von GSPB (Geschichte und Politische Bildung). Und ich finde nicht, dass ein eigenes Fach dafür nötig ist. Weil das Thema nicht besonders groß ist und es sicher nicht im Sinne von uns Schülern ist, ein weiteres Fach mit Wiederholungen oder Tests einzuführen.





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