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Mehr als Stoff: Mode und der Weg zur Selbstbestimmung der Frau

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Volontärin · Kollegium Aloisianum
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11.02.2026
4 Min.

Jeans, Miniröcke oder Hosenanzüge wirken heute selbstverständlich. Doch hinter jedem dieser Kleidungsstücke steckt ein Kampf um Freiheit. Mode war für Frauen nie nur Stil, sondern ein Spiegel von Verboten, Erwartungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung.

Wer die Geschichten hinter den Kleidungsstücken kennt, erkennt den Wandel von Mode und Selbstbestimmung. (Foto: Alexas_Fotos/pixabay)

Frauenrechte sind heute für viele selbstverständlich. Doch lange Zeit durften Frauen nicht wählen, nicht studieren und nicht frei entscheiden, wie sie leben wollten. Weniger offensichtlich, aber genauso bedeutend, war ihre eingeschränkte Freiheit durch Kleidung. Mode war nie nur schön oder praktisch, sie spiegelte Machtverhältnisse wider und zeigte, wie viel Selbstbestimmung Frauen in einer Gesellschaft hatten.

Heute ist es für Frauen in Österreich völlig normal, Jeans zu tragen. Früher wäre das undenkbar gewesen. Kleidung unterlag strengen gesellschaftlichen Regeln, die vorgaben, wie eine „richtige Frau“ auszusehen hatte. Diese Regeln schränkten Frauen nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrer Bewegungsfreiheit und ihrem Alltag ein.

Neue Frauenbilder

Bis ins 19. Jahrhundert trugen Frauen meist schwere, enge und pompöse Kleider. Korsetts formten den Körper und machten selbst einfache Bewegungen anstrengend. Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Rolle der Frau grundlegend. Während viele Männer an der Front waren, übernahmen Frauen ihre Aufgaben in der Öffentlichkeit und im Berufsleben. Die Mode passte sich an: Kleidung war nunschlichter, funktionaler und bequemer. Frauen brauchten Bewegungsfreiheit und sie forderten sie sich auch über ihre Kleidung ein.

Ein früher Wendepunkt zeigte sich bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert. Frauen begannen als Sekretärinnen zu arbeiten und Sport zu treiben. Für unterschiedliche Sportarten, unter anderem Ausritte oder Radfahrten, trugen sie erstmals praktischere Kleidung. Diese neuen Outfits waren bald Symbole des Kampfes für Gleichberechtigung, weil sie Frauen aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen ließen.

Zur gleichen Zeit kämpften in Großbritannien die sogenannten Suffragetten, selbst organisierte Feministinnengruppen, für das Frauenwahlrecht. Sie nutzten Mode bewusst als politisches Zeichen. Ihre Farben Weiß, Lila und Grün standen für Reinheit, Hoffnung und Würde. Damit wollten sie dem damaligen Vorurteil entgegenwirken, Feministinnen seien unweiblich oder unattraktiv.

Bedeutung der Freiheit

Diese Forderung nach Freiheit zeigte sich wenig später auch in der Mode. 1906 revolutionierte der Modedesigner Paul Poiret das Frauenbild mit dem Kleid La Vague. Es verzichtete auf Korsett und enge Taille und fiel locker vom Oberkörper bis zum Boden. Zum ersten Mal stand nicht die Formung des Körpers, sondern das Wohlbefinden der Trägerin im Mittelpunkt. Dennoch blieb das Tragen von Hosen für Frauen lange umstritten. Erst ab den 1910er-Jahren setzten sich von Poiret inspirierte Hosen langsam in der Damenmode durch.

In den 1920er-Jahren entstand das Bild der „neuen Frau“. Viele Frauen schnitten sich die Haare kurz, trugen Bobs und bevorzugten einen sportlicheren Stil. Die Modedesignerin Coco Chanel prägte diese Zeit mit bequemer, schlichter Kleidung. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg verloren Frauen viele ihrer neu gewonnenen Freiheiten wieder. Enge Shapewear, hohe Absätze und rote Lippen waren erneut dasIdeal, für viele Frauen ein Zeichen von Unterdrückung statt Selbstbestimmung.

In den 1960er-Jahren brachte die britische Designerin Mary Quant den Minirock auf die Laufstege. Er war das Symbol der sexuellen Revolution, die auch durch die Debatte rund um die Antibabypille geprägt war. Mode wandelte sich zum Ausdruck von Freiheit und Individualität. Gleichzeitig kritisierten Feministinnen die starke Fokussierung auf das Aussehen von Frauen. Die Schriftstellerin Simone de Beauvoir sagte 1960 in einem Interview, Kleidung spiele für sie kaum eine Rolle, da sie sich auf wichtigere Dinge konzentriere.

In den 1970er-Jahren änderte sich der feministische Zugang zur Mode erneut. Frauen trugen nun maskulinere, professionellere Kleidung. Der Begriff Power Dressing entstand und stand für Selbstbewusstsein, Kompetenz und Autorität. Schulterpolster, klare Schnitte und Anzüge sollten Frauen im Berufsleben stärken. Gleichzeitig gab es Diskussionen darüber, ob bestimmte Kleidungsstücke einschränkend oder befreiend seien. Die Designerin Diane von Fürstenberg vereinte 1974 beides mit ihrem Wickelkleid: Es war bequem, feminin und gab Frauen Bewegungsfreiheit.

Wie sehr sich Mode und Freiheit verändert haben, zeigt sich auch in meinem persönlichen Umfeld. Wie meine Großmuttermir erzählte, durfte sie als junge Frau viele Kleidungsstücke nicht ohne negative Reaktion tragen. Meine Mutter erlebte Mode bereits freier, aber immer noch mit klaren Erwartungen. Eine Freundin von mir hingegen sagt, sie trägt, was sich für sie richtig anfühlt, egal ob feminin, sportlich oder etwas ganz anderes.

Neue Vielfalt

Auch heute zeigt Mode diese Vielfalt. Frauen können sich bewusst für oder gegen bestimmte Stile entscheiden. Die österreichische Designerin Marina Hoermanseder steht genau dafür. Mit ihren von der Orthopädie inspirierten Korsetts will sie Mut, Individualität und Selbstliebe vermitteln. Internationale Stars wie Lady Gaga oder Rihanna tragen ihre Designs. Sie zeigen, Mode muss nicht einschränken, sondern kann empowern.

Abschließend lässt sich sagen, Mode war nie nur ästhetisch, sondern spiegelte immer auch gesellschaftliche Entwicklungen wider. Was wir tragen, erzählt von Freiheit, Gleichberechtigung und dem Weg dorthin. Doch bleibt eine Frage offen: Ist das, was wir heute tragen, wirklich nur Stoff oder sagt unsere Kleidung bis heute mehr über uns und unsere Gesellschaft aus, als wir denken?



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