Zwei Kinder spielen mit Bausteinen, ein drittes möchte mitspielen, einem vierten, kleineren, fällt ein Puzzleteil aus der Hand. Gleichzeitig kommt ein Elternpaar mit seiner Tochter herein und braucht Unterstützung bei ihrer Eingewöhnung in den Kindergarten. All das erzeugt einen Lärm von bis zu hundert Dezibel, in etwa so laut wie ein Presslufthammer auf einer Baustelle.
Hört sich anstrengend an, ist aber der Alltag von 27.418 Elementarpädagog*innen im Jahr 2023 sowie von Tausenden Assistenzkräften.
Was im Kindergarten wirklich geleistet wird
Unumstritten ist der Beruf der Elementarpädagog*innen, oder umgangssprachlich der Kindergärtner*innen, notwendig für berufstätige Eltern. Sie selbst und ihre Kinder profitieren davon. Denn hinter der Kinderbetreuung steckt viel mehr als reine Aufsicht. Die Pädagog*innen bereiten Bildungsangebote wie Werkarbeiten, Klanggeschichten, Sachgespräche und vieles mehr vor. Mit solchen Angeboten gehen sie individuell auf die Kinder und deren Schwächen und Stärken ein.
Dazu kommt Beobachtungsarbeit, deren Auswertung samt den folgenden Elterngesprächen, Vorbereitung von Festen und so weiter. Dennoch erfahren viele Elementarpädagog*innen immer noch Abwertung von außerhalb.
Fachkräftemangel als direkte Folge fehlender Wertschätzung
Wenn die Wertschätzung schwindet, schwindet auch die Anzahl der Fachkräfte in den Betreuungseinrichtungen, wie auch der Artikel „Kindergärten gehen die Fachkräfte aus“ des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) betont. Eine Studie des öibf und der Universität Klagenfurt, erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), macht die bundesweiten Rahmenbedingungen und den Personalbedarf im Bereich der Elementarpädagogik deutlich. Demnach fehlen auch mit verbesserter Strukturqualität bis zum Jahr 2030 voraussichtlich rund 20.200 qualifizierte Fachkräfte. Was machen wir, wenn der Fachkräftemangel weiterwächst?
Warum Pädagog*innen mehr Sichtbarkeit fordern
Um das zu verhindern, versuchen Alexandra, langjährige Pädagogin in einem Kindergarten in Wels, und Konstanze, seit September als Elementarpädagogin in einem Linzer Kindergarten tätig, Außenstehenden den Job näherzubringen. „Abwertung meines Berufs habe ich sogar schon im Bekanntenkreis erfahren, weil viele nicht wissen, dass wir nicht nur dasitzen und den Kindern beim Spielen zuschauen“, erzählte mir Alexandra bei einem Gespräch während meines Praktikums bei ihr. Ähnlich Konstanze: „Oft fehlt die Transparenz in unserem Beruf. Wie sollen andere wissen, was wir machen, wenn die Medien immer nur das Bild der Kaffee trinkenden Basteltante zeigen?“
Gegen Ende unseres Gesprächs ergänzte Konstanze: „Der Beruf ist zwar psychisch und physisch anstrengend, kräftezehrend und ohne genügend Wertschätzung unmöglich ein Leben lang durchzuhalten, dennoch arbeiten wir mit den wertvollsten Geschöpfen unserer Erde: den Kindern. Allein ihretwegen wäre es unfair, nicht weiter für bessere Bezahlung und für kleinere Gruppen zu kämpfen.“
Ich habe einmal ein Gedicht zum Thema geschrieben, das ich an dieser Stelle mehr Leser*innen zugänglich machen möchte. Vielleicht kann es unsere Situation besser verdeutlichen als manche wissenschaftliche Analyse.
Denn in Geduld, Verständnis, Spiel und Sinn, steckt so viel Bedeutung drin.
Vom ersten Mal bis zum „Ich kann’s!“ begleitest du den Lebenstanz.
Jeden Tag 25 Kindern Sicherheit geben, sie hegen und sie pflegen.
Ein Pflaster, ein Trost, ein offenes Ohr, und hundert Mal „Warum?“ davor.
Du gibst Struktur, wo Chaos wohnt, hältst fest, wo’s wackelt, trägst, wo’s lohnt.
Mit ihnen falten Kante auf Kante und dann nennen dich die anderen wieder nur eine Basteltante.
Doch oft sieht keiner, was du trägst, wie viel Geduld in dir du hegst.
Elementarpädagogik – kein leichtes Stück, doch voller Wärme und voller Glück.
Dein Tun ist leise, doch von Gewicht – du schenkst der Zukunft ihr Gesicht.
(Gedicht von Hannah Buchholz)
Kommentare
Auch die poetische Herangehensweise durch ein Gedicht zeigt einen kreativen Umgang mit dem vielschichtigen Thema.