Mehr als Folien und Frontalunterricht: Was Schule endlich verändern sollte

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TOP 25 Autorin
Volontärin · BRG Kufstein
20.08.2026
4 Min.

Ein neues Schuljahr, das alte Klassenzimmer. Die Folie ist seit fünf Minuten auf der Tafel. Drei Stichpunkte stehen darauf. Einer nach dem anderen wandert ins Heft. Neben mir wird gegähnt, irgendwo hört man leises Flüstern und Kichern. Vorne wird weitergeredet. Obwohl, wenn ich genauer drüber nachdenke, wäre das sogar ein ziemlich interessantes Thema, um das es hier gerade geht. Warum ist trotzdem alles so langweilig?

Ich will lernen, aber anders. (Foto: Liv Biasi-Bosin)

Gerade jetzt, kurz vor dem neuen Schuljahr, wird in Österreich wieder viel über die Zukunft der Schule gesprochen. Neue Fächer zu Medien, Demokratie und künstlicher Intelligenz kommen auf die Oberstufen zu. Die Frage ist deshalb ziemlich spannend: Wie soll Schule Jugendliche auf eine Welt vorbereiten, die sich ständig verändert, wenn sich der Unterricht selbst oft so vertraut anfühlt wie vor zehn oder zwanzig Jahren?

Ich glaube, viele Schülerinnen und Schüler hätten viel mehr Lust auf Lernen, als man ihnen manchmal zutraut. Das Problem beginnt oft dort, wo Lernen mit einer PowerPoint, einem Arbeitsblatt und 50 Minuten Stillsitzen gleichgesetzt wird.

Wenn der Kopf einfach abschaltet

Ich kenne Stunden, in denen ich mich wirklich für das Thema interessiere und trotzdem irgendwann auf die Uhr schaue. Der Lehrer erklärt, wir schreiben mit, danach kommt die nächste Folie. Am Schluss ist das Heft voll und der Kopf irgendwie leer. Dabei könnte dieselbe Stunde ganz anders aussehen.

In Geschichte könnte man statt einer ganzen Stunde über einen historischen Konflikt zu reden, verschiedene Rollen verteilen und die Klasse eine Situation selbst durchspielen lassen. In Biologie könnte man zuerst eine Vermutung aufstellen und danach herausfinden, ob sie stimmt. In Deutsch könnte man über einen Text diskutieren, bevor man zehn Merkmale davon ins Heft schreibt.

Das klingt erst einmal simpel. Eigentlich steckt darin aber eine ziemlich wichtige Idee: Lernen darf sich auch nach etwas anfühlen, das man selbst erlebt.

Ich will mehr ausprobieren

Eine Veränderung würde ich mir besonders wünschen: mehr Unterricht, bei dem Schüler zuerst selbst etwas tun. Wir bekommen oft eine Aufgabe, bei der schon klar ist, welchen Weg wir gehen sollen. Viel spannender wäre es, eine Frage zu bekommen und selbst herausfinden zu müssen, wie man zur Lösung kommt.

Das könnte sogar in Mathe funktionieren. Man bekommt ein Problem, diskutiert zu zweit darüber, probiert verschiedene Lösungswege aus und vergleicht danach die Ergebnisse. Wer einen Fehler macht, hat trotzdem etwas herausgefunden. Wer eine gute Idee hat, kann sie der Klasse erklären. So würde man neben dem Stoff auch lernen, wie man Probleme löst. Und genau diese Fähigkeit wird später ständig gebraucht.

Ein bisschen mehr echtes Leben

Es gibt Dinge, über die ich in der Schule gerne mehr lernen würde, obwohl sie in keinem klassischen Schulbuchkapitel besonders herausstechend auftauchen. Wie funktioniert ein Mietvertrag? Was muss ich bei einem ersten Gehalt wissen? Wie erkenne ich einen seriösen Vertrag? Wie schreibe ich eine Bewerbung, die tatsächlich nach mir klingt? Was mache ich, wenn ich online auf eine Information stoße und keine Ahnung habe, ob sie stimmt?

Finanzbildung und Alltagswissen werden auch von Schülervertretungen schon länger gefordert. Viele meinen, Jugendliche gingen teilweise aus der Schule, ohne zu wissen, „wie man einen Mietvertrag zum Beispiel abschließt“.

Gerade weil jetzt ohnehin neue Inhalte rund um Medien, Demokratie und KI geplant sind, wäre das ein guter Moment, Schule noch stärker mit dem Leben außerhalb des Klassenzimmers zu verbinden.

Der Stundenplan kennt keine schlechten Tage

Noch etwas fällt mir im Schulalltag auf: Der Stundenplan weiß eigentlich wenig darüber, wie voll unser Kopf gerade ist.

Am Montag steht eine Schularbeit an, am Dienstag ein Referat, am Mittwoch eine Präsentation und am Donnerstag noch ein Test. Jeder einzelne Termin wirkt für sich machbar. Zusammen fühlt sich die Woche plötzlich wie ein Dauerlauf an.

Bei der Diskussion über die Schule der Zukunft in Vorarlberg (Juni 2026) war dieser Druck ebenfalls ein Thema. Rund 350 Schülerinnen und Schüler diskutierten dort über die Zukunft der Schule, mentale Gesundheit und Stress.

Vielleicht würde schon ein gemeinsamer Klassenkalender helfen, in dem alle großen Tests und Abgaben eingetragen werden. So könnten Lehrer sehen, was in derselben Woche bereits ansteht, und Schülerinnen hätten einen besseren Überblick.

Das wäre keine riesige Bildungsrevolution. Es wäre einfach ein bisschen Rücksicht auf das echte Leben.

Und dann wäre da noch die Schule selbst

Manchmal geht es sogar um Dinge, die mit dem Unterricht auf den ersten Blick gar nichts zu tun haben.

Ein Klassenzimmer mit schlechtem Licht, stickiger Luft und 25 Menschen, die seit Stunden sitzen, macht Lernen schwer. Gerade im vergangenen Sommer wurde die Hitze in Österreichs Schulen zum großen Thema. Die Regierung kündigte daraufhin neue Möglichkeiten für Schulen an, bei hohen Temperaturen Maßnahmen zu setzen.

Vielleicht braucht Schule deshalb auch Räume, die sich verändern können: Gruppenarbeit an einem Tisch, Diskussion im Kreis, ruhiges Arbeiten alleine, kurze Bewegungspausen zwischendurch.

Lernen muss schließlich nicht immer bedeuten, dass alle 50 Minuten auf demselben Sessel sitzen.

Vielleicht steckt die größte Veränderung in einer kleinen Frage

Ich wünsche mir keine Schule, in der jeder Unterricht wie ein aufregendes Event aussieht. Manchmal muss man auch einfach zuhören, üben und etwas auswendig lernen. Ich wünsche mir aber eine Schule, in der man merkt, dass Lernen mehr sein kann als das Füllen eines Heftes. Denn wenn ich morgen wieder vor einer Tafel sitze und eine neue PowerPoint-Folie erscheint, würde ich mir vor allem eine Frage wünschen: „Was können wir heute damit machen?“











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