Studieren an öffentlichen Universitäten könnte für viele künftig deutlich teurer werden. Die NEOS wollen den Studienbeitrag für Studierende aus Österreich und anderen EU- beziehungsweise EWR-Staaten nach dem Toleranzsemester von derzeit 363,36 Euro auf 708,50 Euro pro Semester erhöhen.
Für Studierende aus Drittstaaten soll der Beitrag von 726,72 Euro auf 2.500 Euro steigen. Wer innerhalb der vorgesehenen Studienzeit inklusive Toleranzsemester bleibt, zahlt an öffentlichen Universitäten grundsätzlich keinen Studienbeitrag.
Genau diese Erhöhung begründen die NEOS unter anderem damit, dass die Studienbeiträge seit ihrer Einführung im Jahr 2001 nicht mehr angepasst wurden. Die Erhöhung auf rund 700 Euro entspreche ungefähr einer Inflationsanpassung.
Für Studierende aus Drittstaaten wäre die Veränderung größer. Ihr Beitrag soll von derzeit 726,72 Euro auf 2.500 Euro pro Semester steigen. Gleichzeitig wollen die NEOS diesen Studierenden einen leichteren Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt ermöglichen.
Warum wollen die NEOS das?
Die NEOS verbinden die Gebührenfrage mit einer größeren Reform der Hochschulen. Ihrer Ansicht nach braucht Österreich effizientere Strukturen, eine bessere Betreuung und einen verlässlichen Zugang zu Lehrveranstaltungen.
Die Partei verweist dabei auf die Studiendauer: Nach ihren Angaben schließen derzeit nur 21 Prozent der Bachelorstudierenden ihr Studium innerhalb der Regelzeit ab. Im OECD-Schnitt sind es 43 Prozent.
Deshalb soll auch die Mindeststudienleistung steigen. Derzeit müssen Studierende an Universitäten grundsätzlich mindestens 16 ECTS-Punkte pro Studienjahr schaffen, um weiter studieren zu können. Die NEOS wollen diese Vorgabe zumindest verdoppeln. Gleichzeitig sollen Betreuung und Zugang zu Kursen verbessert werden.
Gebühren erst nach dem Studium?
Die geplante Erhöhung soll nach dem Willen der NEOS allerdings nicht das langfristige Modell bleiben. Die Partei schlägt zusätzlich eine Arbeitsgruppe für allgemeine nachgelagerte Studienbeiträge vor.
Bei diesem Modell würden Studierende die Kosten für ihr Studium zunächst nicht selbst bezahlen. Der Staat würde die Beiträge vorfinanzieren. Erst nach dem Studium und ab einer bestimmten Einkommensgrenze würden die Kosten über einen längeren Zeitraum zurückgezahlt. Ein solches Modell vertreten die NEOS bereits seit mehreren Jahren.
Damit soll laut NEOS verhindert werden, dass die Kosten eines Studiums schon während der Ausbildung zu einer finanziellen Hürde werden. Gleichzeitig sollen Hochschulen zusätzliche Einnahmen erhalten.
Kritik von der ÖH
Der Vorschlag sorgt auch für Kritik. Die Österreichische Hochschüler*innenschaft (ÖH) wandte sich gegen die Pläne und kritisierte, dass höhere Studiengebühren und strengere Studienvorgaben im Zuge der Debatte über die Hochschulfinanzierung wieder auf den Tisch kommen.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der ohnehin über die Finanzierung der österreichischen Universitäten gestritten wird. Die Universitätenkonferenz befürchtet Einsparungen in den kommenden Jahren. Gleichzeitig hat Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner den Universitäten ein moderates Plus bei der Finanzierung in Aussicht gestellt.
Für Studierende stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie viel soll ein Studium künftig kosten und wer soll diese Kosten tragen?
Noch ist diese Frage offen. Die NEOS haben ihre Vorstellungen für die Hochschulstrategie vorgelegt. Jetzt beginnen die Verhandlungen darüber, welche dieser Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden.
Kommentare