Kurz nach sieben Uhr morgens füllten sich die Messehallen in Wien, Innsbruck, Graz und Linz mit tausenden jungen Menschen, viele von ihnen übernächtigt vor Aufregung. Am 3. Juli 2026 fand zeitgleich an allen vier Standorten der MedAT statt, der zentrale Aufnahmetest für ein Medizin- oder Zahnmedizinstudium in Österreich. Rund fünf Stunden lang mussten die Teilnehmenden naturwissenschaftliches Wissen, Textverständnis, kognitive Fähigkeiten und sozial-emotionale Kompetenzen unter Beweis stellen, mit nur einer 60-minütigen Mittagspause dazwischen.
Ein Test, der ganze Städte füllt
Wer am Testtag durch die Messe Innsbruck ging, sah lange Schlangen vor den Einlasskontrollen und Studierende, die sich in letzter Minute Formeln einprägten. In Innsbruck traten 2.630 Bewerberinnen und Bewerber an, in Graz waren es 2.321, an der Fakultät der JKU Linz 1.724. Österreichweit summierte sich die Zahl der Antretenden laut den Universitäten auf 13.248, deutlich weniger als die 16.880 Personen, die sich im März überhaupt angemeldet hatten. Wien meldete mit 8.235 Anmeldungen erneut den größten Andrang, davon 7.214 für Humanmedizin und 1.021 für Zahnmedizin. Insgesamt stehen österreichweit 1.950 Studienplätze zur Verfügung, 50 mehr als im Vorjahr, verteilt auf 784 in Wien, 430 in Innsbruck, 406 in Graz und 330 in Linz.
Wenn Vorbereitung zur Kostenfrage wird
Bereits im Februar, kurz vor Öffnung der Anmeldephase, hatte die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft die Aufstockung der Studienplätze als zu gering kritisiert. „Auch 50 Studienplätze mehr reichen nicht aus, wenn weiterhin tausende Bewerberinnen und Bewerber abgewiesen werden müssen“, sagt Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz. Dieser Satz verdeutlicht, dass selbst eine Erhöhung der Platzzahl an der grundsätzlichen Konkurrenzsituation kaum etwas ändert, wenn gleichzeitig die Zahl der Antretenden Jahr für Jahr im fünfstelligen Bereich bleibt.
Wienerroither verweist zudem auf ein strukturelles Problem: „Wer sich teure Vorbereitungskurse leisten kann, hat deutlich bessere Chancen auf einen Platz als jene, die sich alleine durchschlagen müssen. Damit entscheiden finanzielle und zeitliche Ressourcen weiterhin über den Zugang zum Medizinstudium.“ Tatsächlich bieten zahlreiche private Anbieter kostenpflichtige Vorbereitungskurse und Testsimulationen an, deren Preise oft mehrere Hundert Euro betragen, während die reguläre Testgebühr für den MedAT selbst bei 110 Euro liegt.
Ein sozialer Filter statt neutraler Test
Noch deutlicher fällt die Kritik einer weiteren ÖH-Vertreterin aus. „Der MedAT ist kein neutraler Leistungstest, sondern ein sozialer Filter. Bildung darf nicht davon abhängen, wie viel Geld oder Zeit jemand in Vorbereitung investieren kann“, sagt Viktoria Kudrna, ebenfalls aus dem ÖH-Vorsitz. Dieser Satz verdeutlicht die Position der Studierendenvertretung, wonach nicht allein fachliche Eignung, sondern auch die familiäre Ausgangslage über den Studienplatz entscheidet. Die ÖH fordert deshalb einen deutlichen Ausbau der Studienplätze sowie eine kritische Evaluierung des gesamten Auswahlverfahrens, anstatt Gesundheitspolitik dem Sparzwang unterzuordnen.
Wer am Ende einen Platz bekommt
Anders als bei einem klassischen Notenschnitt zählt beim MedAT ausschließlich das relative Abschneiden im Vergleich zu allen anderen Antretenden am jeweiligen Standort. In Wien mussten Testteilnehmende zuletzt zu den besten 9,5 Prozent gehören, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. Für Humanmedizin gilt zusätzlich eine Quotenregelung: 75 Prozent der Plätze gehen an Bewerberinnen und Bewerber mit österreichischer Matura, 20 Prozent werden zwischen ihnen und EU-Bürgerinnen und -Bürgern vergeben, die restlichen 5 Prozent stehen allen Quoten offen. Für Zahnmedizin entscheidet dagegen ausschließlich die Rangliste ohne jede Quote. Die Ergebnisse werden erfahrungsgemäß ab Beginn der 32. Kalenderwoche veröffentlicht, üblicherweise Anfang August, wobei die einzelnen Universitäten ihre Listen nicht immer zeitgleich freischalten.
Warten auf ein Ergebnis, das über Jahre entscheidet
Für die mehr als 13.000 Menschen, die am 3. Juli in den Messehallen saßen, beginnt nun eine mehrwöchige Wartezeit. Wer es unter die Bestplatzierten schafft, hat den Grundstein für ein Medizin- oder Zahnmedizinstudium ohne Studiengebühren gelegt, wer knapp darunter landet, kann auf das Nachrückverfahren hoffen, wenn zugelassene Bewerberinnen und Bewerber ihren Platz nicht annehmen. Für alle anderen bleibt oft nur der erneute Antritt im kommenden Jahr, ein Auslandsstudium oder ein völlig anderer Weg. Ob sich an der grundsätzlichen Struktur des Verfahrens etwas ändert, hängt nun davon ab, wie die Bundesregierung auf die anhaltende Kritik der Studierendenvertretung reagiert.
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