Maturantin Luisa gesteht: "Ich hatte schlaflose Nächte und habe wenig gegessen."

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09.05.2026
4 Min.

Wie schlimme ist die Matura wirklich? Ich habe die Maturantin Luisa Doppelreiter befragt, die zurzeit an der Handelsakademie 1 Klagenfurt maturiert.

Maturantin Luisa Doppelreiter freut sich, wenn sie es geschafft hat! (Foto: Eigenes Foto)

Kurz vor der Matura wird aus „ich fang bald an“ ziemlich schnell „ich lerne durchgehend“. Bei Luisa hat genau diese Phase alles geprägt: lange Lerntage, wenig Schlaf und ein ständiger Druck, der nie ganz verschwunden ist. Trotzdem erzählt sie auch von kleinen Dingen, die ihr geholfen haben, zwischendurch nicht komplett unterzugehen.

Wann hast du mit dem Lernen für die Matura begonnen?

Ich habe ungefähr ein bis zwei Wochen vor der ersten Matura angefangen zu lernen. Am Anfang waren es aber nur ein bis zwei Stunden pro Tag. So richtig begonnen habe ich ungefähr vier Tage vor der ersten Matura, das war die betriebswirtschaftliche Fachklausur. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann wirklich intensiv gelernt.

Wie sah dein Lernalltag in dieser intensiven Phase aus?

Am Anfang waren es noch ein bis zwei Stunden am Tag. In den letzten vier Tagen vor der Prüfung bin ich dann aber schon um 8 Uhr aufgestanden und teilweise bis 2 Uhr nachts gesessen. Ich habe zwar Pausen gemacht, aber keine langen. Es war sehr intensiv. Gleichzeitig habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich jetzt noch durchbeißen muss und es sich danach auszahlt. Auch der Gedanke, dass ich mich danach mit dem Fach nie wieder beschäftigen muss, hat mich motiviert.

Wo hast du am liebsten gelernt?

Ich kann mich gar nicht für nur einen Ort entscheiden. Am liebsten war ich am Schreibtisch oder auf der Terrasse. Draußen zu lernen hat mir gut gefallen, aber ich habe eine starke Pollenallergie, deshalb ging das nicht immer.

Mein Schreibtisch steht direkt beim Fenster, das war dann meine Alternative. Ich habe das Fenster oft gekippt und die Geräusche von draußen, also Vögel oder Autos, haben mir irgendwie geholfen, nicht komplett im Stress zu versinken.

Hattest du einen festen Lernplan?

Am Anfang schon. Ich habe mit kleineren Themen begonnen, weil ich gedacht habe, dass ich dadurch schneller vorankomme. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass die großen Themen noch offen sind und dann ist das Ganze ein bisschen chaotisch geworden.

Danach habe ich nicht mehr streng nach Plan gelernt, sondern priorisiert. Also vor allem die Themen, die wahrscheinlich zur Matura kommen.

Wie hast du den Stress erlebt?

So einen Stress kannte ich vorher nicht. Er war nicht nur in einzelnen Momenten da, sondern eigentlich immer. Beim Aufstehen, beim Einschlafen und sogar zwischendurch. Mein Stresslevel war definitiv über zehn von zehn. Ich bin sehr emotional und genau deshalb hat mich diese Zeit auch ziemlich belastet.

Wie stark hat die Matura deinen Alltag beeinflusst?

Sehr stark. Ich hatte schlaflose Nächte, habe wenig gegessen und mich selbst ziemlich vernachlässigt. Selbst wenn meine Eltern da waren, hatte ich das Gefühl, ich muss eigentlich lernen. Es gab auch Nächte, in denen ich Albträume hatte und weinend aufgewacht bin. Ich war so im Lernmodus, dass ich teilweise sogar gemeinsame Zeit mit meiner Familie abgesagt habe.

Welches Fach war für dich am schwierigsten?

Am meisten Sorgen hat mir die betriebswirtschaftliche Fachklausur gemacht. Das ist eine Mischung aus Betriebswirtschaft und Rechnungswesen. Das waren nie meine stärksten Fächer und ich bin immer nur knapp durchgekommen.

Außerdem hatte ich dort keine 30-Prozent-Regelung, deshalb war der Respekt davor besonders groß.

Was hast du gemacht, wenn du nicht mehr weiterwusstest?

Wenn gar nichts mehr ging, habe ich zuerst geweint. Danach habe ich mir meine Kuscheltierhasen geholt, das hat mir irgendwie geholfen.

Sehr wichtig waren aber auch mein Freund und meine Mama. Sie haben mich beruhigt und mir wieder Halt gegeben. Eine Umarmung und ein paar Worte haben oft schon gereicht, um wieder weiterzumachen.

Wie war die Prüfung selbst im Vergleich zur Erwartung?

Ich habe sie mir schlimmer vorgestellt. Als es dann wirklich so weit war, war die Atmosphäre sogar entspannter als gedacht. Der Stress war im Moment der Prüfung plötzlich weniger da.

Was würdest du zukünftigen Maturantinnen und Maturanten mitgeben?

Früh anfangen und sich auf die wichtigsten Themen konzentrieren. Außerdem alles notieren, was Lehrerinnen und Lehrer wiederholen, weil das meistens wichtig ist.

Aber das Wichtigste ist: Die eigene Gesundheit nicht vergessen. Die mentale Belastung ist genauso wichtig wie der Notendurchschnitt.

Was hat dich in dieser Zeit am meisten motiviert?

Mein Freund und meine Mama. Und der Gedanke, dass diese Phase irgendwann vorbei ist und ich danach viele neue Möglichkeiten habe. Auch dass ich dieses Fach nur mehr einmal lernen muss, hat geholfen.

Wie war der Moment nach der Prüfung?

Zuerst erzähle ich alles meiner Familie und meinem Freund. Danach brauche ich Ruhe. Ich dusche kalt, ziehe mir etwas Bequemes an und lege mich mit meinen Kuscheltierhasen ins Bett.

Dann schaue ich ein YouTube-Video, einfach um abzuschalten. Nach diesen intensiven Tagen fühlt sich genau das wie die größte Belohnung an.

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