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Manchmal sind wir selbst, unsere eigenen Gesprächspartner

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Volontärin · BG / BRG Schwechat
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01.09.2026
2 Min.

„Nein, die brauche ich doch nicht.“ Die Frau vor dem Regal hält eine Packung Taschentücher in der Hand, schaut sie kurz an und stellt sie wieder zurück. Dann nimmt sie die nächste. „Das ist besser.“ Sie ist allein. Zumindest sieht es so aus. Ich warte einen Moment, ob noch jemand antwortet. Niemand tut es.

 

Vor allem ältere Menschen sprechen im Supermarkt ihre Gedanken laut aus, das fällt unserem Autor auf. (Foto: Pexels)

Es gibt Menschen, die führen Gespräche, ohne dass überhaupt jemand mit ihnen spricht. Während meiner Arbeit im Einzelhandel ist mir das zum ersten Mal richtig aufgefallen. Vor allem ältere Kundinnen und Kunden reden manchmal leise vor sich hin. Erst dachte ich, sie würden mit jemandem neben ihnen sprechen. Aber da war niemand. Oftmals habe ich mich gefragt, ob ihnen bewusst ist, dass andere sie hören können oder sie das einfach unbewusst tun.

Die Verwirrung war groß

Anfänglich dachte ich oft, die Person telefoniert, redet mit jemandem Anderen, der einen Gang weiter steht oder spricht sogar mich an und braucht bei etwas Hilfe. Dem war nicht so. Viele Menschen, oft ältere Damen oder Herren, einfach bei einem Regal und redeten mit sich selbst. Seitdem ist mir das immer wieder aufgefallen. Menschen, die leise vor sich hin reden. Sie redeten meist nicht laut genug, wie bei einem richtigen Gespräch, aber schon so, dass man es gut und deutlich verstehen konnte.

Ein Gespräch ohne eine Antwort zu erwarten

Meistens ging es um ganz banale Dinge. „Wo war das jetzt noch einmal?“ – „Das ist aber teuer.“ – „Nein, das nehme ich nicht.“ Manchmal waren es nur einzelne Wörter, manchmal ganze Sätze. Danach gingen die Menschen einfach weiter, als wäre überhaupt nichts passiert oder grüßten mich noch freundlich, als sie mich dann doch wahrgenommen haben.  

Merkwürdige daran ist eigentlich nicht, dass sie mit sich selbst reden. Gedanken laut auszusprechen ist wahrscheinlich gar nicht so ungewöhnlich. Merkwürdig wirkt es nur, weil wir normalerweise erwarten, dass zu einem Gespräch zwei Menschen gehören. Wenn jemand sagt: „Das ist aber teuer“, warten wir automatisch darauf, dass jemand antwortet. Wenn niemand da ist, fragen wir uns kurz, mit wem diese Person eigentlich spricht.

Machen wir es auch und es fällt uns einfach weniger stark auf?

Und ich persönlich führe auch Gespräche mit mir selbst. Wir alle wahrscheinlich. Jedoch passiert das Ganze bei mir eher in Gedanken. Ich hätte mich noch nie dabei erwischt, wie ich etwas, was ich nur zu mir selbst sagen wollte, laut vor Anderen ausgesprochen hätte. Wir überlegen, treffen Entscheidungen oder kommentieren etwas. Vielleicht sagen manche Menschen diese Gedanken einfach laut. Vielleicht bemerken sie das gar nicht und es passiert unbewusst. Vielleicht ist es ihnen auch einfach egal. Oder vielleicht machen sie es, um weniger zu vergessen.

Seit mir das aufgefallen ist, achte ich jedenfalls viel öfter darauf. Und jedes Mal, wenn irgendwo jemand leise vor sich hin murmelt, frage ich mich kurz: Ist das gerade ein Gespräch mit jemand anderem – oder einfach nur mit sich selbst? Sind wir viel öfter unsere eigenen Gesprächspartner, als wir denken? Und wahrscheinlich ist auch genau das wichtig, um bei uns bleiben zu können und Gedanken besser sortieren zu können.

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