Der verschämte Blick nach unten
Letzte Woche fuhr ich mit der U-Bahn, ich war auf dem Weg nach Hause und ziemlich eng zwischen zwei Leuten eingeklemmt. Neben mir saß ein Mann im Anzug, vielleicht Anfang 40, und scrollte durch sein Handy. Sein Daumen bewegte sich schnell, fast automatisch, aber alle paar Sekunden blieb er kurz stehen, als würde er überlegen, ob das gerade überhaupt interessant ist.
Direkt gegenüber von ihm stand eine Frau mit Kopfhörern, die plötzlich auch ihr Handy herausnahm, obwohl sie vorher einfach nur ins Leere geschaut hatte. Für einen kurzen Moment haben sich ihre Blicke getroffen, wirklich nur eine Sekunde, und beide haben sofort wieder nach unten geschaut. Ich habe gemerkt, dass ich genau in diesem Moment auch den Drang hatte, mein Handy rauszuholen, obwohl ich nichts nachschauen wollte. Es war irgendwie unangenehm, einfach nur dazustehen und nichts zu tun.
"Ich melde mich später"
Ich war am Abend in meinem Zimmer und habe eine Nachricht bekommen: „Ich melde mich später.“ Ich habe kurz überlegt, ob ich darauf noch etwas antworten soll, habe es dann aber einfach so stehen lassen. Eine Stunde später habe ich wieder aufs Handy geschaut, dann nochmal nach zwei Stunden, obwohl ich eigentlich wusste, dass wahrscheinlich nichts mehr kommen wird.
Am nächsten Morgen war immer noch keine Antwort da. Als ich die Person später wieder gesehen habe, haben wir ganz normal geredet, als wäre diese Nachricht nie geschrieben worden. Mir ist aufgefallen, wie selbstverständlich man solche kleinen „Versprechen“ einfach ignoriert, ohne dass es jemand anspricht und wie ich selbst trotzdem kurz darauf gewartet habe.
Alltagsstress
Ich war in der Früh schon spät dran und habe hektisch meine Sachen zusammengesucht. Meinen Schlüssel hatte ich „nur kurz“ auf den Tisch gelegt, während ich meine Jacke gesucht habe. Als ich gehen wollte, war er plötzlich weg. Ich habe erst ruhig gesucht, dann immer schneller und ungeduldiger, habe Taschen ausgeleert, unter Sachen geschaut, sogar im Bad, obwohl ich wusste, dass ich dort gar nicht war. Mit jeder Minute wurde ich nervöser, und ich habe gemerkt, wie ich immer unkonzentrierter suche. Am Ende lag der Schlüssel genau dort, wo ich ihn hingelegt hatte, nur halb unter einem Blatt Papier. In dem Moment war ich kurz erleichtert, aber auch ein bisschen genervt von mir selbst. Es ist mir nicht zum ersten Mal passiert, dass ich Dinge verliere, wenn ich sie „nur kurz irgendwo hinlege“.
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