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„Man merkt plötzlich, dass ein großer Abschnitt endet“

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Volontärin · BRG 4
15.05.2026
5 Min.

Die Matura gilt für viele Schüler als eine der stressigsten Phasen der Schulzeit. Zwischen Lernplänen, Prüfungsdruck und Zukunftsentscheidungen versuchen viele, einen klaren Kopf zu bewahren. Ich habe mit meinem Cousin Lukas gesprochen, der heuer an einer HTL maturiert. Er erzählt ehrlich, wie er mit Stress umgeht, welche Ängste ihn beschäftigen und warum die Matura nicht nur anstrengend, sondern auch emotional ist.

 

Mein Cousin Lukas während der Vorbereitung auf seine Matura. Trotz Stress versucht er, motiviert und konzentriert zu bleiben. (Foto: Privat)

Lukas ist achtzehn Jahre alt und besucht eine HTL. Wir kennen uns schon unser ganzes Leben lang, deshalb war das Gespräch locker, ehrlich und gleichzeitig sehr interessant. Ich wollte von ihm wissen, wie er mit dem Druck rund um die Matura umgeht, wie viel er wirklich lernt und ob die Matura tatsächlich so schlimm ist, wie viele behaupten. Außerdem haben mich auch persönliche Dinge interessiert – zum Beispiel, ob er manchmal Angst vor dem Scheitern hat, wie sich sein Alltag verändert hat und worauf er sich nach der Schule am meisten freut. Während des Gesprächs hatte ich das Gefühl, dass viele Schüler wahrscheinlich ähnliche Gedanken und Sorgen haben wie Lukas.

Wann hast du angefangen, für die Matura zu lernen?

Ich habe mir lange eingeredet, dass ich noch genug Zeit habe. Wirklich ernst wurde es erst ungefähr drei Monate vor der Matura. Davor habe ich zwar im Unterricht aufgepasst und manchmal Zusammenfassungen geschrieben, aber intensiv gelernt habe ich erst später. Mittlerweile lerne ich fast jeden Tag zwischen drei und fünf Stunden. An Wochenenden manchmal sogar länger. Aber ich finde, dass die Qualität wichtiger ist als die Zeit. Sechs Stunden müde lernen bringt weniger als zwei konzentrierte Stunden. Am Anfang war es schwierig, überhaupt einen Rhythmus zu finden, weil man oft nicht weiß, wo man anfangen soll.

Wo lernst du am liebsten?

Am liebsten lerne ich zuhause in meinem Zimmer, weil ich dort meine Ruhe habe. Manchmal treffe ich mich aber auch mit Freunden in der Bibliothek, weil ich dort weniger vom Handy abgelenkt werde. Musik höre ich beim Lernen fast nie, außer vielleicht bei Geschichte. Für Mathematik oder technische Fächer brauche ich komplette Ruhe. Einen fixen Lernplan habe ich zwar versucht zu machen, aber ich halte mich nicht immer daran. Meistens entscheide ich spontan, welches Fach gerade am dringendsten ist. Trotzdem schreibe ich mir kleine Ziele auf, damit ich nicht komplett den Überblick verliere.

Wie hoch ist dein Stresslevel im Moment?

Das ist unterschiedlich. An manchen Tagen fühle ich mich motiviert und organisiert, an anderen komplett überfordert. Besonders stressig finde ich den Gedanken, dass die Matura irgendwie über die Zukunft entscheidet. Obwohl viele sagen, dass eine schlechte Note nicht das Ende der Welt ist, spüre ich trotzdem Druck. Früher habe ich oft spontan etwas mit Freunden unternommen, jetzt sage ich viele Treffen ab, weil ich lernen muss. Vor wichtigen Tests liege ich manchmal lange wach und denke darüber nach, was noch alles zu tun ist. Manchmal stresst mich auch einfach die Menge an Stoff, weil man das Gefühl hat, nie wirklich fertig zu sein.

Hast du manchmal Angst zu scheitern?

Ja, vor allem habe ich Angst, andere zu enttäuschen. Kurz vor wichtigen Prüfungen denke ich schon darüber nach, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Gleichzeitig versuche ich mir aber selbst zu sagen, dass eine einzelne Prüfung nicht über mein ganzes Leben entscheidet. Außerdem hilft es, mit Freunden darüber zu reden, weil fast alle ähnliche Sorgen haben. Viele tun zwar nach außen entspannt, aber eigentlich machen sich fast alle Gedanken darüber.

Wie reagierst du, wenn du merkst, dass dir alles zu viel wird?

Dann versuche ich meistens, kurz Abstand zu bekommen. Früher habe ich oft einfach weitergelernt, obwohl ich schon komplett müde war. Mittlerweile weiß ich, dass das nichts bringt. Wenn ich merke, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren kann, gehe ich laufen, höre Musik oder treffe mich kurz mit Freunden. Danach kann ich meistens wieder besser lernen. Manchmal hilft es auch, einfach früher schlafen zu gehen und am nächsten Tag weiterzumachen.

Welches Fach macht dir am meisten Probleme?

Mathematik. Vor allem komplizierte Funktionen und längere Aufgaben stressen mich extrem. Wenn ich gar nicht weiterkomme, schaue ich Videos im Internet an oder frage Klassenkollegen um Hilfe. Oft erklärt ein Freund etwas einfacher als ein Lehrer. Lerngruppen finde ich generell sehr hilfreich, weil jeder andere Stärken hat. Außerdem beruhigt es mich zu sehen, dass andere auch nicht alles sofort verstehen.

Was würdest du heute in deiner Schulzeit anders machen?

Ich würde wahrscheinlich regelmäßiger lernen und nicht alles so lange aufschieben. Früher war ich viel entspannter und habe oft geglaubt, dass sich Prüfungen schon irgendwie lösen werden. Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, früher anzufangen. Trotzdem hatte meine Schulzeit auch viele schöne Momente und ich werde meine Klasse sicher vermissen. Vor allem die gemeinsamen Ausflüge und die Zeit in den Pausen werde ich wahrscheinlich später vermissen.

Ist die Matura so, wie du sie dir vorgestellt hast?

Einerseits habe ich sie mir schlimmer vorgestellt, andererseits ist sie anstrengender, als ich erwartet habe. Viele Lehrer machen Druck, motivieren uns aber gleichzeitig auch. Überraschend finde ich, wie emotional das letzte Schuljahr eigentlich ist. Man merkt plötzlich, dass ein großer Abschnitt endet und sich danach vieles verändert. Manche Freunde ziehen weg, andere beginnen sofort zu arbeiten. Dieses Gefühl zwischen Vorfreude und Unsicherheit beschäftigt mich fast mehr als die Prüfungen selbst. Man denkt plötzlich viel mehr darüber nach, wie es später weitergehen soll.

Hast du das Gefühl, dass Schule genug auf die Matura vorbereitet?

Teilweise schon, aber teilweise auch nicht. Fachlich lernen wir natürlich viel, aber mit dem Stress umzugehen muss jeder irgendwie selbst lernen. Ich glaube, viele unterschätzen am Anfang, wie viel Organisation dahintersteckt. Gleichzeitig finde ich aber, dass manche Lehrer wirklich versuchen, uns gut vorzubereiten und uns zu motivieren.

Worauf freust du dich nach der Matura am meisten?

Ich freue mich darauf, endlich wieder mehr Freizeit zu haben und nicht ständig an Prüfungen denken zu müssen. Gleichzeitig bin ich gespannt auf den nächsten Lebensabschnitt. Ich überlege noch, ob ich studieren oder zuerst arbeiten möchte. Am schönsten finde ich den Gedanken, nach der Matura mehr selbst entscheiden zu können. Außerdem freue ich mich darauf, endlich wieder Dinge machen zu können, ohne sofort ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich eigentlich lernen sollte.

Welche Tipps hast du für zukünftige Maturanten?„Man sollte nicht alles bis zum Schluss aufschieben. Kleine Wiederholungen während des Jahres helfen später extrem. Außerdem sollte man sich Pausen gönnen und nicht glauben, jede freie Minute lernen zu müssen. Ich finde es auch wichtig, weiterhin Sport zu machen oder Zeit mit Freunden zu verbringen. Sonst dreht sich irgendwann alles nur noch um Stress und Noten. Und man sollte Fragen stellen, auch wenn es unangenehm ist. Viele tun so, als würden sie alles verstehen, obwohl das gar nicht stimmt.

Was motiviert dich, wenn es schwierig wird?

Mich motiviert vor allem das Ziel, endlich fertig zu sein und etwas Neues zu beginnen. Außerdem denke ich oft daran, wie stolz meine Familie sein wird, wenn ich die Matura schaffe. Meine Eltern unterstützen mich sehr und erinnern mich daran, dass nicht perfekte Noten wichtig sind, sondern dass ich mein Bestes gebe. Wenn ich eine schlechte Phase habe, gehe ich laufen oder spiele Fußball mit Freunden, damit ich den Kopf freibekomme. Das hilft mir meistens mehr, als stundenlang gestresst weiterzulernen.


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