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Wenn Männer Frauen aus MINT-Berufen vertreiben

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Volontärin · HTL Steyr
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11.02.2026
5 Min.

Die Frau in der Technik – exotisch und falsch am Platz. Auf das Aussehen reduziert und aufgrund biologischer Merkmale als „schwach“ abgetan, müssen sich Frauen in der Technik gegen die männliche Masse behaupten. Trotz andauernder Diskriminierung in Ausbildung und Beruf gibt es Ingenieurinnen, die uns inspirieren. Ob eine HTL-Schülerin oder eine Frau aus der Wirtschaft – wir alle kämpfen für eines: Toleranz und Zusammenhalt!

Ingenieurinnen: Frauen in der Technik sind oft mit Vorurteilen konfrontiert. (Foto: ThisisEngineering/unsplash)

„Für eine Frau machen Sie das gar nicht schlecht.“ Das ist eine Aussage, mit der ich und viele andere Mädchen und Frauen häufig konfrontiert sind. Die Frau in der Technik gilt als etwas Außergewöhnliches und Neues, obwohl wir schon jahrzehntelang für die Gleichstellung im Alltag und im Beruf kämpfen. Die Diskriminierung von Frauen in der Technik erschwert nicht nur die Arbeit, sondern behindert auch den Einstieg von jungen Frauen in technische Lehrberufe und Schulen und verhindert unzählige weibliche Ideen und Herangehensweisen, die für die Technik deshalb verloren gehen.

Als Mädchen in einer HTL

Meine Erfahrungen als Frau in der Technik sind leider nicht durchwegs positiv. Ich war und bin immer noch sowohl in der HTL als auch während meiner Berufspraktika mit Diskriminierung und geschlechtsspezifischer verbaler Gewalt konfrontiert. Männliche Kollegen machen nicht nur herabwürdigende Kommentare, die sich auf mein Aussehen oder meinen Körper beziehen, sie stellen auch mein Können immer wieder infrage.

Ich erinnere mich an viele Situationen, die ich während meiner Laufbahn in der HTL erleben musste und in denen Mitschüler mich verbal beleidigt und degradiert haben. Sie fingen oft Diskussionen an, in denen ich mich für mein Dasein rechtfertigen muss. Dadurch begann ich an mir selbst zu zweifeln. Leider waren die Lehrkräfte keine große Hilfe, sie schauten und schauen oft weg.

Ähnlich erging es einer Schülerin, die Anfang ihres zweiten Schuljahres an der HTL aufgrund von Angriffen verschiedener Art , von persönlichen Beleidigungen über frei erfundene Gerüchte bis hin zur Verständnislosigkeit des Jahrgangsvorstandes , keinen Ausweg mehr sah. Mehrere Male meldete sie ihre Beschwerden bei Lehrkräften, aber erst als sie den Schulwechsel fixierte, zeigte die Direktion Aufmerksamkeit , leider zu spät.

Die Abwertung der Frau ist ein gesellschaftlich festgefahrenes Konstrukt, welches in den Köpfen der Männer tief verankert ist. Jede Generation gibt diese Einstellung an die nächste weiter. Gerade an Schulen, an denen der Mädchenanteil niedrig ist, sind Lehrkräfte bezüglich der Situation der Schülerinnen häufig nicht aufmerksam genug. Es kann allerdings keine strukturelle Veränderung stattfinden, solange die Verantwortlichen den Mädchen nicht zuhören. Der Slogan „Frauen in die Technik“ kann die herrschenden Verhältnisse nicht von heute auf morgen ausgleichen. Nur die Frauen selbst können jene Akteurinnen sein, die sich aus den patriarchalen Strukturen befreien.

Das (angeblich) schwächere Geschlecht

Die systematische Diskriminierung der Frau hat ihren Ursprung im Patriarchat. Verbale Gewalt geschieht häufig in männerdominierten Arbeitsumfeldern. Männer betrachten Frauen als ihnen untergeordnet. Kollegen sagen uns oft, wir seien zu emotional oder durch unseren „biologischen Nachteil“ eingeschränkt, der weibliche Körper sei eine schlechtere Version des männlichen.

Ein wichtiger Punkt ist auch der Gender-Pay-Gap, der Unterschied der Bezahlung von Männern und Frauen. Es gibt den unbereinigten und den bereinigten Pay-Gap, wobei zweiterer Faktoren wie Berufswahl und Bildungsabschluss einbezieht.

Die subjektive Wahrnehmung des Mannes betrachtet die Lohnlücke als gerechtfertigt. Frauen würden zum Beispiel in Bereichen wie der Baubranche nicht dieselbe körperliche Arbeit leisten können wie Männer. Allein diese Argumentation zeigt, wie sehr wir für Gleichberechtigung kämpfen müssen. Das erfordert in Zukunft auch eine stärkere Präsenz von Gewerkschafterinnen und Betriebsrätinnen.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit , ein Wunschtraum

Die Frau in Österreich verdient durchschnittlich 18,7 Prozent weniger als der Mann, vor allem in der von Männern dominierten, besser bezahlten Technikbranche. Die 18,7 Prozent beziehen sich auf den Bruttostundenverdienst, wobei der geschlechtsspezifische Lohnunterschied gemessen auf den Bruttojahresverdienst noch höher ist. Frauen sind hauptsächlich im Gesundheits- und Sozialbereich tätig, der wesentlich schlechter bezahlt ist.

Als Frau in der Wirtschaft

Laut der Lehrlingsstatistik der WKO 2023 ist der Anteil der weiblichen Lehrlinge in technischen Berufen im Laufe der vergangenen 20 Jahre um etwa sechs Prozent gestiegen, allerdings sind nur knapp zehn Prozent der gerade Auszubildenden in den Bereichen Elektronik und Maschinenbau Mädchen. Die steigende Nachfrage in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) angesichts der Digitalisierung und der Automatisierung ist der Hauptgrund für dieses Ergebnis.

Laut einem Artikel der Tageszeitung „Der Standard“ vom 27. September 2025 orientieren sich jedoch 70 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen im MINT-Bereich wieder beruflich um. Als Grund nennen die befragten Aussteigerinnen häufig die fehlenden Weiterentwicklungs- und Karrieremöglichkeiten, wobei 35 Prozent die geschlechterspezifische Ungleichbehandlung nennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für höhere Studien Wien und der L&R Sozialforschung, dem Institut für Sozialforschung Wien.

Vom mathematisch interessierten Mädchen zur Ingenieurin

Eine Frau, die sich aus Überzeugung dazu entschieden hat, im technischen Bereich zu arbeiten, ist die Diplomingenieurin Fatima Zahirovic, die nach langjähriger Erfahrung in der Wirtschaft als Professorin an der HTL Steyr Elektrotechnik, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie Hardwareentwicklung unterrichtet. Angesichts ihres Interesses für Mathematik beschloss sie als Jugendliche, eine technische Schule in ihrem Heimatland Bosnien zu absolvieren.

Aufgrund des Jugoslawienkriegs flüchtete sie mit ihrer Familie nach Österreich und studierte dort Elektrotechnik und Mechatronik, danach arbeitete sie für mehrere Jahre als Entwicklungsingenieurin. Trotz Diskriminierung überwiegen ihre positiven Erfahrungen in der Industrie. Als Mutter von zwei kleinen Kindern hätte sie aber ohne die Hilfe ihrer Mutter nicht Vollzeit arbeiten und sich beruflich entwickeln können, betont die Diplomingenieurin.

Jungen Mädchen, die sich für einen technischen Beruf interessieren, sagt Frau Zahirovic: „Wir sind genauso gut, wenn nicht besser. Wir haben nur Angst.“

We can do it

Mein Appell an jede Frau und jedes Mädchen lautet, solidarisch mit allen Geschlechtsgenossinnen zu sein. Wir können das Patriarchat nicht überwinden, wenn wir nicht über unsere eigenen Schatten springen und unsere Mitstreiterinnen nicht als Feindinnen, sondern als Weggefährtinnen zu verstehen lernen.

Der Wettkampf zwischen Frauen ist nichts weiter als ein von Männern erschaffenes Konzept, um uns kleinzuhalten. Es liegt an uns, gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen, egal ob sie uns selbst oder anderen widerfahren, nur so ist eine Befreiung aus diesem System möglich. Eine Frau zu sein, darf kein Makel sein und keine Scham erzeugen. Zusammen können wir stärker sein als jedes System dieser Welt.




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