„Lunch in my city“: So wird unser Mittagessen zum TikTok-Trend

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
27.08.2026
4 Min.

Fünf Wörter verwandeln die Restaurantwahl in eine Challenge: TikTok-Nutzer suchen nach „Lunch in my city“ und ergänzen den Namen ihrer Stadt. Dann besuchen sie den ersten vorgeschlagenen Ort und filmen ihre Reaktion. Seit dem 19. August ist das Format auch in Wien sichtbar.

Fünf Wörter entscheiden gerade darüber, wo TikTok-Nutzer in Wien zu Mittag essen, und wir haben ausprobiert, wohin uns der neue Trend führt. (Foto: künstliche Intelligenz)

Simon, 17, öffnet TikTok und tippt „Lunch in my city Wien“ in die Suche. Ganz oben erscheint das Full Metal Bistro im zweiten Bezirk. Ich gebe dieselben fünf Wörter auf meinem Handy ein und bekomme genau dasselbe Sandwichlokal vorgeschlagen.

Im Juli entwickelte sich diese Suche auf TikTok zu einem eigenen Videoformat. Die US-amerikanische Studierendenplattform Spoon University berichtete am 20. Juli 2026 über den Trend. Eines der dort vorgestellten Videos erhielt mehr als 200.000 Likes.

Am 19. August 2026 veröffentlichte der Food-Kanal Vienna Würstelstand eine „Vienna Edition“. Damit wurde der Trend auch in Wien konkret nachgespielt. Ende August führen unsere sechs Suchen bereits zu vier Wiener Lokalen. Das Format spielt hier jetzt eine Rolle, weil Nutzer nicht nur Restaurantvideos ansehen: Sie machen den ersten Treffer zum Ziel ihres Mittagessens und produzieren daraus den nächsten Beitrag.

„Solche Trends sind teilweise ganz hilfreich, um neue gute Restaurants zu entdecken“, sagt Alex, 17, aus meiner Klasse. Er hat dadurch bereits den einen oder anderen Food-Spot gefunden.

Eine Suche wird zur Spielregel

Hinter „Lunch in my city“ steckt keine eigene TikTok-Funktion. Die Regel haben Nutzer selbst entwickelt. Sie schreiben die vier englischen Wörter und ihre Stadt in die Suchleiste, zum Beispiel „Lunch in my city London“ oder „Lunch in my city Wien“.

TikTok zeigt daraufhin keine klassische Liste mit Restaurants, Adressen und Bewertungen. Die Plattform ordnet Videos, die zur Suchanfrage passen. Der erste Clip, in dem ein Lokal vorkommt, bestimmt das Ziel.

Neu ist nicht, dass TikTok Restaurants zeigt. Neu ist die Spielregel: Die Nutzer vergleichen keine Vorschläge, sondern folgen dem ersten Treffer und machen daraus ein neues Video.

Sie filmen den Weg zum Restaurant, ihre Bestellung und den ersten Bissen. Anschließend nennen oder markieren sie den Food-Spot. Dadurch entsteht unter demselben Suchbegriff immer mehr Inhalt. Wer den Trend als Nächstes ausprobiert, stößt auf diese Videos und produziert selbst eines. So wächst das Format mit jedem neuen Beitrag weiter.

Für die Teilnahme braucht es kein Rezept, keine Tanzschritte und keine besondere Ausrüstung. Die Regel lässt sich in jeder Stadt wiederholen. Aus der alltäglichen Frage „Wo essen wir heute?“ wird ein Spiel mit unbekanntem Ausgang.

Warum nicht alle dasselbe Lokal sehen

Selbst mit denselben Suchbegriffen steht nicht auf jedem Handy dasselbe Video an erster Stelle. TikTok erklärt in seinen Informationen über das Empfehlungssystem, dass die Übereinstimmung mit der Suchanfrage und die bisherige Nutzung eines Kontos die Reihenfolge beeinflussen. Dazu gehören frühere Suchanfragen und angesehene Videos.

Der Stadtname grenzt den Ort ein. Welche Küche, Entfernung oder Preisklasse jemand bevorzugt, steht in den fünf Wörtern jedoch nicht. Die Reihenfolge kann deshalb von Konto zu Konto unterschiedlich aussehen. Genau diese unbekannte Antwort macht die Suche für den Trend interessant.

Das zeigt sich bei Diego besonders deutlich. Auf seinem ersten Konto erscheint die Pasta Bar, auf seinem zweiten die Neue Hoheit. Beide Male sucht er nach „Lunch in my city Wien“.

So sieht der Trend bei uns aus

Für unseren Versuch verwenden Simon, Diego, Maxi, Felix und ich sechs persönliche TikTok-Konten. Wir öffnen die normale Suche und notieren jeweils den ersten Restauranttreffer.

Simon und ich erhalten das Full Metal Bistro in der Hollandstraße. Diego und mein ehemaliger Mitschüler Felix landen bei der Pasta Bar am Urban-Loritz-Platz. Maxi, 17, aus meiner Parallelklasse, bekommt die Amici Pizzeria im 18. Bezirk vorgeschlagen. Auf Diegos zweitem Konto erscheint die Neue Hoheit in der Innenstadt.

Obwohl Simon regelmäßig Food-Videos auf seiner For-You-Page sieht, kannte er das Full Metal Bistro bisher nicht. Er wohnt auch nicht in der Leopoldstadt.

„Ich finde Tipps aus sozialen Medien hilfreich. Man kann sich aber nie sicher sein, ob das Essen wirklich so gut ist oder ob Creator freiwillig dafür werben“, sagt Diego, 18.

Erhalten Creator Geld, ein kostenloses Essen oder andere Vorteile, muss der kommerzielle Charakter erkennbar sein. TikTok stellt dafür Hinweise wie „Paid partnership“ oder „Commercial content“ bereit. Auch die Wirtschaftskammer Österreich erklärt, dass Werbung klar gekennzeichnet werden muss.

Auch Alex betrachtet Restaurantvideos mit etwas Abstand: „Meistens sehen die Lokale auf dem Handy besser aus, als sie dann in Wirklichkeit sind. Am liebsten hole ich mir Restaurantvorschläge von Verwandten und Freunden.“

Bei „Lunch in my city“ geht es nicht darum, das nachweislich beste Restaurant zu finden. Der erste Treffer verwandelt eine gewöhnliche Entscheidung in ein Videoformat, das sich in jeder Stadt wiederholen lässt.

Heute folgen wir dem ersten Treffer, morgen wird unser eigenes Video zum ersten Treffer für jemand anderen.


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