Ich scrolle durch mein Handy, bleibe bei einem Video hängen und sehe ein Gesicht, das fast schon unnatürlich perfekt wirkt. Darunter stehen Kommentare, die jedes Detail bewerten: Kiefer, Nase, Haut, Augen, Wangenknochen. Für einen kurzen Moment fühlt es sich nicht mehr so an, als würde ich einfach nur ein Video anschauen. Es fühlt sich eher so an, als würde plötzlich auch mein eigenes Gesicht mitbewertet werden. Genau an diesem Punkt beginnt für mich das Problem mit Looksmaxing.
Wer Clavicular überhaupt ist
Wenn wir uns mit Looksmaxing beschäftigen, taucht ein Name besonders oft auf: Clavicular. So nennt sich der amerikanische Influencer Braden Peters, der online vor allem mit extremen Inhalten rund um Aussehen, Selbstoptimierung und Provokation bekannt geworden ist. Gerade deshalb finde ich es wichtig, ihn kurz einzuordnen. Er zeigt nicht einfach nur Fitness, Hautpflege oder Stylingtipps, sondern verkörpert eine sehr radikale Version dieses Trends.
Wenn ich das Wort Looksmaxing höre, denke ich ehrlich gesagt nicht zuerst an Selbstbewusstsein, sondern eher an Druck. Natürlich ist es komplett normal, auf sich zu achten. Sich gut anzuziehen, Sport zu machen, auf Hautpflege zu achten oder etwas am eigenen Stil zu verändern, ist für mich nichts Negatives. Im Gegenteil: Wenn man sich dadurch wohler fühlt, kann das sogar etwas Gutes sein. Ich kenne das selbst. Ein Outfit sitzt besser als gedacht, die Haare fallen gut, nach dem Sport fühlt sich alles leichter an. Daran ist nichts falsch. Aber sobald aus normaler Pflege ein ständiges Optimieren wird, kippt es für mich.
Warum mich Influencer wie Clavicular eher abschrecken
Bei Influencern wie Clavicular merken wir, wie extrem dieser Trend werden kann. In Berichten über ihn wird beschrieben, dass sein Content stark mit radikaler Selbstveränderung, Schockmomenten und einer sehr harten Online-Sprache verbunden ist. Auf mich wirkt das nicht motivierend oder inspirierend, sondern eher bedrückend. Es wirkt fast so, als wäre das eigene Gesicht ein Projekt, an dem ständig weitergearbeitet werden muss. Als müsste jeder kleine Makel gefunden, bewertet und verbessert werden. Für mich hat das wenig mit echtem Selbstbewusstsein zu tun. Es wirkt eher so, als würde Unsicherheit in eine übertriebene Internetfigur gepackt werden.
Besonders stark finde ich die Aussage der Psychologin Dr. Candice O’Neil. Sie sagt: “These measures of beauty move us further away from psychological acceptance and towards something unattainable.” Genau so sehe ich das auch. Dieser Satz trifft für mich den Kern des Problems, weil solche Schönheitsideale einen immer weiter von einem gesunden Blick auf sich selbst entfernen. Man ist dann nicht einfach okay, sondern hat ständig das Gefühl, noch nicht zu reichen.
In meiner Klasse spielt das kaum eine Rolle
In meiner Klasse spielt dieses Thema ehrlich gesagt keine wirkliche Rolle. Natürlich reden Jugendliche allgemein über Aussehen, Kleidung, Haare oder Fitness. Das ist ja normal. Vielleicht sagt jemand, dass die Haare heute nicht sitzen, dass ein Outfit gut aussieht oder dass man wieder ins Gym gehen sollte. Aber dieses extreme Denken rund um perfekte Gesichtsformen, Ratings oder solche Online-Begriffe kommt bei uns eigentlich nicht vor. Zumindest nehme ich es so wahr. Vielleicht taucht einmal ein Video dazu auf oder der Begriff fällt irgendwo, aber wirklich Gesprächsthema ist es nicht. Das ist auch beruhigend, weil solche Trends schnell Unsicherheit auslösen können.
Trotzdem ist gut vorstellbar, wie schnell solche Inhalte wirken. Ein Video wird aus Interesse angeschaut, dann folgt das nächste und plötzlich entstehen Vergleiche. Ist das Gesicht symmetrisch genug? Sieht der Kiefer gut aus? Müsste mehr Sport gemacht werden? Solche Gedanken können sich einschleichen, auch ohne dass vorher Unzufriedenheit da war. Genau das wirkt problematisch.
Ich sehe Looksmaxing insgesamt deutlich kritischer als positiv. Die harmlose Seite, also Hygiene, Sport oder ein besserer Stil, ist völlig okay. Das machen die meisten Menschen sowieso. Kritisch wird es dort, wo das Gefühl entsteht, der eigene Wert hänge von äußeren Merkmalen ab oder davon, wie nah ein Internetideal erreicht wird. Dann geht es nicht mehr um Wohlbefinden, sondern nur noch um Vergleich. Und dieser Vergleich hört online nie auf.
Welche Folgen das für Jugendliche haben kann
Gerade für Jugendliche kann das ziemlich belastend werden. In diesem Alter ist die Frage nach dem eigenen Aussehen ohnehin ständig präsent. Wenn dann noch Inhalte dazukommen, die permanent Optimierung vermitteln, kann das schnell auf die Psyche gehen. Unsicherheit, Selbstzweifel und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper können dadurch verstärkt werden. Manche beginnen, sich ständig zu vergleichen oder ihr eigenes Gesicht immer wieder zu kontrollieren. Fachleute warnen genau vor dieser Entwicklung, weil solche Schönheitsmaßstäbe immer schwerer erreichbar wirken.
Am Ende ist genau das für mich das Unangenehmste an Looksmaxing: Der Trend verkauft Selbstverbesserung, aber oft bleibt das Gefühl zurück, nicht gut genug zu sein. Und eigentlich ist es schon widersprüchlich, dass etwas, das mehr Selbstbewusstsein verspricht, bei vielen das Gegenteil auslösen kann.
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