In der Straßenbahn sitzt eine ältere Dame am Fenster. Sie trägt einen beigen Mantel, ihre grauen Haare sitzen ordentlich. Auf ihrem Schoß steht eine große Einkaufstasche, die oben ein wenig offen ist. Bei jeder kleinen Kurve hebt sie die Tasche ein Stück an, nur ganz leicht, und setzt sie dann wieder ab.
Ihre Hände halten die Henkel die ganze Zeit fest geschlossen. Selbst wenn die Bahn ruhig fährt, lockert sie den Griff nicht. Ihr Blick geht immer wieder kurz nach unten zur Tasche, als müsste sie sich vergewissern, dass noch alles da ist. Ich schaue ihr zu und frage mich, warum sie so fest daran hält. Es wirkt, als sichert sie nicht nur die Tasche, sondern etwas darin, oder vielleicht etwas, das gar nicht sichtbar ist.
Wenn die Unsicherheit einsetzt
Vor einer Bäckerei steht eine junge Frau allein vor der Auslage. Sie trägt eine dunkle Jacke, die Haare bindet sie zu einem lockeren Zopf. Durch die Glasscheibe schaut sie auf die Reihen von Gebäck, beugt sich leicht nach vorne und liest die kleinen Schilder. Ihr Blick wandert immer wieder hin und her. Sie bleibt bei einem Teilchen hängen, schaut dann doch wieder zu einem anderen.
Hat sie sich eigentlich schon entschieden? warum wägt sie trotzdem noch einmal alles ab. Ihre Lippen bewegen sich leicht, als würde sie die Bestellung im Kopf durchgehen. Als sie schließlich an der Reihe ist, zögert sie kurz, bevor sie bestellt. Ich merke, wie vertraut mir das vorkommt, dieses kurze Zweifeln, selbst bei kleinen Entscheidungen.
Alltägliche Momente voller Bedeutung
Auf einem offenen Platz geht ein Mann zügig vorwärts. Er trägt eine dunkle Jacke und schaut geradeaus, als hätte er ein Ziel. Während er geht, greift er kurz in seine Tasche, zieht die Hand wieder heraus und geht weiter. Ein paar Schritte später bleibt er plötzlich stehen. Er dreht sich um, schaut auf den Boden und geht ein Stück zurück. Dann bückt er sich und hebt etwas Kleines auf, das er vorher verloren hat. Ich habe nicht gesehen, wie es heruntergefallen ist. Aber er hat es gemerkt. Und ich frage mich, wie oft solche Situationen passieren. Wir spüren erst, dass etwas fehlt, wenn es schon weg ist.
Alle drei Situationen wirken klein. Fast unbedeutend. Und trotzdem bleiben sie nach. Die Frau, die festhält. Die junge Frau, die zögert. Der Mann, der plötzlich merkt, dass etwas fehlt. Vielleicht geht es in allen Momenten um dasselbe, nämlich darum, nichts zu verlieren. Keine Dinge, keine Entscheidungen, kein Gefühl von Kontrolle. Und vielleicht zeigen genau diese kleinen Szenen, wie sehr Menschen versuchen, alles festzuhalten, auch dann, wenn nicht genau klar ist, was eigentlich wichtig ist.
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