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Schule zwischen Stress und Pausen: So erleben wir den Alltag

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Volontärin · HLW Hollabrunn
18.11.2025
3 Min.

Es ist die neunte Stunde. Eigentlich kann niemand mehr richtig denken, und trotzdem geht der Unterricht weiter. Die fünfte Hand geht hoch: Schon wieder einer, der aufs Klo muss. Die Lehrer rast durch den Stoff, während wir nur noch darauf warten, dass der Schultag endlich vorbei ist. Kommt euch das bekannt vor?

Zu viel Lernen ist auch nicht gut. (Foto: geralt)

Der Schulalltag kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Nicht nur wegen der vielen Stunden, sondern auch wegen der Art, wie Unterricht gestaltet wird. Oft haben wir das Gefühl, dass Lehrer den Stoff einfach durchziehen, ohne zu merken, wie überfordert oder erschöpft manche von uns sind. Gleichzeitig entstehen in Pausen Situationen, die zeigen, dass auch außerhalb des Unterrichts nicht alles reibungslos läuft.

Gemeinsam haben wir deshalb darüber gesprochen, was uns stört, welche Situationen uns im Kopf geblieben sind und warum manche Regeln oder Abläufe für uns wenig Sinn ergeben. In diesem Text wollen wir diese Punkte offen ansprechen und zeigen, wie sich unser Schulalltag anfühlt, aus der Sicht von Schülerinnen, die jeden Tag mittendrin sind.

Lehrer verändern sich nun mal. Oder haben sie Angst, wir würden die Matura nicht schaffen?

Seit wir in der vorletzten Klasse dieser Schule angekommen sind, haben sich die Lehrer:innen stark verändert. Es gibt viel mehr Aufgaben, bei denen wir uns alles selbst beibringen müssen, ohne dass wir von den Lehrern dabei wirklich Unterstützung bekommen. Sie sitzen meist nur da, beantworten vielleicht hier und da eine Frage, aber die Verantwortung liegt bei uns, zu verstehen, zu wissen und zu können, was wir erarbeiten und letztendlich in Schularbeiten oder Tests wiedergeben sollen.

Viel trauriger ist, dass manche Lehrer immer noch denken, wir könnten nichts, obwohl wir nächstes Jahr maturieren. Sie erklären Aufgaben zu oft oder unterrichten Inhalte, die wir schon in der Volksschule gelernt haben. Eine Mitschülerin meinte, dass viele Lehrpersonen zu schnell und autoritär unterrichten und man kaum Zeit hat, den Stoff wirklich zu verstehen.

Ist der Unterricht in der Oberstufe wirklich so großartig, wie alle sagen?

Viele Lehrer merken wahrscheinlich gar nicht, wenn der Unterricht unpassend gestaltet ist. Es wäre hilfreich, wenn sie öfter nach Feedback fragen würden. Durch anonyme Rückmeldungen könnten mehr Schüler:innen ihre Meinung äußern. So könnten Lehrpersonen den Unterricht besser und passender gestalten.

Wenn mehr auf die Bedürfnisse der Schüler eingegangen wird, zum Beispiel wenn im Unterricht nachgefragt wird, ob die Lehrperson etwas langsamer erklären könnte, ist das zwar kurzfristig hilfreich, aber oft nur für fünf bis zehn Minuten. Danach wirkt es eher kontraproduktiv. Meine Mitschülerin hat außerdem kritisiert, dass wir oft Aufgaben erledigen müssen, die von den Lehrern gar nicht kontrolliert werden. Entweder übernehmen wir die Kontrolle selbst, oder es wird nur überprüft, ob die Aufgabe überhaupt erledigt wurde.

Kann es jemals DIE ideale Lehrperson geben?

Wenn ich meinen Lehrer selbst designen könnte, nicht vom Aussehen, sondern wie er unterrichtet, würde ich (je nach Fach) einen Mix aus autoritärem Vortrag, gemeinsamem Durchgehen der Aufgaben und eigenen Aufträgen wählen. Zum Beispiel in Mathe könnte das für viele sehr hilfreich sein.

Das Benoten sollte ebenfalls fair sein: Wer kräftig mitarbeitet und sich Mühe gibt, sollte Pluspunkte erhalten. Minuspunkte sollten nicht allein für eine falsche Antwort vergeben werden. Bei Prüfungen ist das schwieriger: In Mathe ist eine Antwort entweder richtig oder falsch. In Sprachen könnte man aber Punkte vergeben, wenn mindestens die Hälfte eines Wortes oder einer Phrase richtig ist, so handhabt es zumindest unsere Englischlehrerin.

Wurden Pausen bei der Stundenplanerstellung vernachlässigt?

Um halb elf die erste richtige Pause zu haben, nachdem alle schon mehrere Stunden wach sind und drei Unterrichtsstunden hinter sich haben, ist etwas spät, oder? Auch wenn Lehrer ein paar Minuten brauchen, um vom einen Klassenzimmer ins andere zu wechseln, ist das für uns keine echte Pause. Auf die Toilette gehen oder Wasser auffüllen passiert häufig, aber ohne Pause muss das während des Unterrichts geschehen – und oft dürfen wir nicht, weil „dafür ja die Pausen da sind“.

Wenn wir einen Tag mit elf Stunden haben, also von 08:00 bis 17 Uhr 25, haben wir in den ersten sechs Stunden nur 15 Minuten Pause, obwohl rechtlich dreißig Minuten vorgesehen sind. Unsere Mittagspause ist fünfzig Minuten lang, aber im Nachmittagsunterricht gibt es dann keine Pause mehr. Eine Mitschülerin meinte, dass sie diese Pausenaufteilung nicht gut findet. Nicht nur, um Wasser zu trinken oder auf die Toilette zu gehen, sondern auch, um kurz etwas zu essen oder sich zu entspannen.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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