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Lehrer*innen bewerten: Ja oder Nein?

Warum dürfen Lehrerinnen uns bewerten, aber wir sie nicht? Ist das nicht unfair? Schülerinnen und Schüler bekommen Noten für ihre Leistungen und ihr Verhalten, können aber oft nicht ehrlich sagen, wie sie den Unterricht finden. Dabei wäre Feedback von Schülerinnen und Schülern auch für Lehrpersonen hilfreich. So könnten sie besser verstehen, was gut läuft und was man verbessern kann. Natürlich sollte das respektvoll geschehen.

 

Wie wäre es, wenn auf einmal wir die Lehrerinnen und Lehrer bewerten würden? (Foto: Shutterstock)

„Ihr müsst euch mehr anstrengen.“ Mit diesem Satz legt Herr Berger die Tests auf den Tisch. Montagmorgen, erste Stunde. Ich sitze müde auf meinem Platz in der ersten Reihe und starre auf mein Blatt. Neben mir seufzt jemand leise. Vorne spricht Herr Berger schon weiter, als wären die Noten nur Zahlen.

Wie immer schreiben wir mit, hören zu und melden uns nur, wenn Herr Berger uns aufruft. Einige in der Klasse freuen sich über ihre Ergebnisse. Andere schauen schnell weg und schieben den Test tief in die Schultasche. Ich spüre, wie die Stimmung im Raum schwer wird. Niemand sagt etwas.

Die Rolle der Lehrkräfte bei der Bewertung


Und plötzlich denke ich: Warum dürfen eigentlich nur Lehrkräfte bewerten? Die Lehrer entscheiden, wie gut wir lernen, wie wir mitarbeiten und ob wir unsere Aufgaben ordentlich machen. Aber Schülerinnen und Schüler dürfen fast nie ehrlich sagen, wie sich Unterricht für sie anfühlt. Ob sie etwas verstehen. Ob sie sich trauen, Fragen zu stellen. Ob der Unterricht motiviert oder einfach nur stresst.

Die Bedeutung von ehrlichem Feedback

Ist das gerecht? Lehrkräfte haben eine wichtige Aufgabe. Viele geben sich große Mühe und wollen, dass ihre Klassen etwas lernen. Aber auch Lehrer merken nicht immer, wie es den Schülerinnen und Schülern wirklich geht. Vielleicht merken manche gar nicht, dass sich niemand traut, Fragen zu stellen. Oder dass manche Kinder schon nach zehn Minuten den Anschluss verlieren. Vielleicht glauben sie, ihr Unterricht sei spannend, obwohl viele innerlich längst abschalten.

Vorteile von anonymem Feedback

Genau deshalb könnte ehrliches Feedback wichtig sein. Ich stelle mir vor, dass Schülerinnen und Schüler einmal im Monat anonym Rückmeldungen geben dürfen. Nicht, um Lehrkräfte fertigzumachen oder bloßzustellen. Sondern damit Unterricht besser wird. Schülerinnen und Schüler könnten sagen, was geholfen hat, wann sie sich ernst genommen gefühlt haben oder was im Unterricht schwer verständlich war.

Beispiele für Feedbacksysteme


Solche Ideen gibt es schon heute. In Österreich sorgte die App Lernsieg für große Diskussionen. Dort konnten Schülerinnen und Schüler ihre Lehrer anonym bewerten, zum Beispiel in Kategorien wie Fairness, Geduld oder Motivation. Viele fanden die Idee gut, weil Schülerinnen und Schüler dadurch endlich eine Stimme bekommen. Andere kritisierten die App, weil Bewertungen unfair oder beleidigend sein könnten.

Positive Erfahrungen mit Feedback an Schulen

Auch an manchen Schulen gibt es bereits anonyme Feedbackbögen für den Unterricht. Lehrkräfte fragen dort freiwillig nach, was gut läuft und was verbessert werden könnte. Viele Erfahrungen damit sind positiv: Schülerinnen und Schüler fühlen sich ernst genommen, und Lehrkräfte erhalten ehrliche Rückmeldungen, die ihnen helfen können. Lernen funktioniert am besten, wenn beide Seiten miteinander sprechen und sich gegenseitig respektieren.

Auswirkungen auf das Schulklima

Vielleicht würde sich dadurch sogar die Stimmung in vielen Klassen verändern. Schülerinnen und Schüler hätten das Gefühl, ihre Meinung sei wichtig. Lehrkräfte könnten ihren Unterricht besser an die Klasse anpassen. Schule wäre dann nicht nur ein Ort, an dem Lehrkräfte bewerten, sondern ein Ort, an dem alle gemeinsam lernen.

Und vielleicht würde Herr Berger am Ende der Stunde nicht nur sagen: „Ihr müsst euch mehr anstrengen.“ Vielleicht würde er auch fragen: „Was kann ich besser machen?“



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