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Labubu verliert seinen Zauber, die Aktie stürzt ab

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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31.08.2026
4 Min.

Vor einem Jahr waren die kleinen Monster mit den spitzen Ohren plötzlich überall. Heute lässt der Hype nach und auch die Pop-Mart-Aktie hat mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Was hinter dem Absturz steckt und warum manche Sammler trotzdem bleiben.

Labubu: Absturz nach großem Hype (Foto: shutterstock)

Ein Labubu für 15 Euro kaufen und ihn eine Woche später um 120 Euro weiterverkaufen: Das ging vor einem Jahr noch fast automatisch. An vielen Schultaschen baumeln die grinsenden Plüschmonster mit den spitzen Ohren bis heute. Und trotzdem ist die dazugehörige Aktie eine der größten Enttäuschungen an Asiens Börsen in diesem Jahr.

Am 25. August 2026 kostete eine Pop-Mart-Aktie an der Börse Hongkong 157,40 Hongkong-Dollar, umgerechnet knapp 18 Euro. Vom Rekordhoch bei umgerechnet rund 38 Euro im August 2025 sind das über 50 Prozent Verlust.

"Ich hab letztes Jahr angefangen, Labubus zu sammeln, weil die plötzlich überall auf TikTok waren", sagt Lia Chi chu wai (17), Schülerin an der Vienna First International in Wien, gegenüber campus & college. "Am Anfang war's halt schon cool, weil du nie genau weißt, welche Figur du aus der Box bekommst. Mittlerweile kauf ich aber deutlich weniger." Auch an ihrer Schule habe der Hype nachgelassen: "Ich hab das Gefühl, dass es nicht mehr ganz so extrem ist wie vor ein paar Monaten. Früher haben gefühlt alle geschaut, wo sie die nächste Figur herbekommen."

Was Pop Mart überhaupt macht

Pop Mart ist ein Spielzeugkonzern aus Peking, der seine Figuren fast ausschließlich in "Blind Boxes" verkauft, also in verschlossenen Verpackungen, bei denen erst beim Öffnen klar wird, welche Figur drin steckt. Dieses Überraschungsprinzip macht das Sammeln so süchtig machend. Die bekannteste Figur heißt Labubu, ein Monster mit Hasenohren und Zahnreihe, erfunden vom Künstler Kasing Lung.

Wachstum ja, aber nicht überall

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz um 23,8 Prozent auf 17,17 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 2,55 Milliarden Euro. Die Zahl klingt nach Boom, verteilt sich aber völlig ungleich. In China legte der Umsatz um 47,3 Prozent zu. Im restlichen Asien brach er dagegen um 9,7 Prozent ein, in Nord- und Südamerika sogar um 16,5 Prozent, wie CNBC berichtete.

Für Anleger ist das ein Warnsignal. Der Hype, der Labubu 2024 und 2025 rund um den Globus getragen hat, kühlt in jenen Märkten ab, in denen er am lautesten war.

Warum Analysten nervös bleiben

Schon im März 2026 war die Aktie an einem einzigen Tag um mehr als 20 Prozent eingebrochen, nachdem der Jahresbericht für 2025 zwar einen Gewinnsprung auf das Vierfache zeigte, gleichzeitig kürzte der Konzern die Dividendenquote von 35 auf 25 Prozent, wie ein Bericht von Sharecast News/Hargreaves Lansdown zeigte. Konzernchef Wang Ning versicherte damals laut diesem Bericht, das Wachstum hänge nicht allein an Labubu, und stellte für 2026 ein Umsatzplus von mindestens 20 Prozent in Aussicht.

Die Bank Citi sieht das inzwischen skeptischer. Sie rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Umsatzrückgang von 8 Prozent im Jahresvergleich und senkte ihr Kursziel auf 198 Hongkong-Dollar, wie CNBC berichtete. Als Gründe nennt die Bank Probleme bei Lagerhaltung, Lieferketten und dem Filialbetrieb im Ausland.

Schon im Herbst 2025 hatte JP Morgan die Aktie von "übergewichten" auf "neutral" herabgestuft. Die Bank verwies darauf: Die Aktie kostete zu diesem Zeitpunkt das 23-Fache des erwarteten Jahresgewinns, ein Wert mit kaum Raum für Enttäuschungen.

Und wie sieht das in Österreich aus?

In Wien gibt es mittlerweile eigene Anlaufstellen für Sammler, etwa den Shanghai Shop in der Landstraßer Hauptstraße 93. Ein Plüsch-Anhänger kostet dort im Schnitt rund 20 Euro, einzelne Blindbox-Sets sind auf Preisvergleichsseiten wie Geizhals auch für unter 60 Euro pro Set gelistet. Auf Willhaben werden dieselben Figuren teils zum Originalpreis angeboten, teils für ein Vielfaches, wenn es sich um seltene Editionen handelt.

"Wir merken schon, dass sich die Nachfrage verändert hat. Der große Ansturm ist etwas ruhiger geworden, aber von einem kompletten Ende des Hypes würde ich nicht sprechen", sagt Mijailo Markovic (39), Mitarbeiter in einem Wiener Sammelfiguren-Geschäft, gegenüber campus & college. Fälschungen bleiben dabei ein Dauerthema: "In der Szene werden die oft als Lafufu bezeichnet. Für Laien ist es teilweise gar nicht so einfach zu erkennen, ob eine Figur echt ist. Deshalb sollte man bei extrem günstigen Angeboten schon vorsichtig sein."

Reich wird man mit dem Weiterverkauf trotzdem selten. "Weiterverkauft hab ich ein paar, aber reich wird man damit jetzt nicht", sagt Lia. "Wenn du Glück hast, erwischst du eine seltene Figur und bekommst mehr dafür. Aber meistens zahlst du halt erstmal den normalen Preis und musst dann jemanden finden, der genau diese Figur haben will."

Was das für uns als Sammler und Anleger bedeutet

Ein Kuscheltier wird nicht automatisch zur sicheren Geldanlage, nur weil es auf dem Pausenhof gerade jede und jeder haben will. Der Kurs von Pop Mart zeigt das deutlich: Ein Unternehmen kann wachsen und trotzdem an der Börse abstürzen, wenn Anlegerinnen und Anleger vorher zu viel Wachstum eingepreist hatten.

Auch im Geschäft von Mijailo Markovic sortiert sich der Markt gerade neu: "Ich glaube, dass sich der Markt gerade ein bisschen normalisiert. Die Leute, die wirklich sammeln, bleiben wahrscheinlich dabei. Diejenigen, die nur wegen des TikTok-Hypes angefangen haben, kaufen jetzt eher weniger."



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