Der Bus ist wie immer voll. Es ist morgens, alle sind müde, manche starren aufs Handy, andere schauen einfach nur ins Leere, und irgendjemand riecht zu stark nach Parfüm. Ich stehe im Gang und halte mich an der Stange fest, weil kein Platz mehr frei ist. Draußen regnet es, grauer Nieselregen, die Fenster sind beschlagen, und ich sehe mein eigenes Spiegelbild darin.
An der nächsten Haltestelle steigt plötzlich Herr Krüger ein. Unser Lehrer. Ich brauche kurz, um zu checken, dass er es wirklich ist, weil er keine Tasche dabeihat und keinen Anzug trägt. Nur einen Mantel und einen Kaffeebecher. Es ist komisch, ihn hier zu sehen. Als würde etwas nicht stimmen.
Der Bus fährt los und bremst direkt wieder stark. Jemand stößt mich an, ich stolpere nach vorne, und dann passiert es: Herr Krügers Kaffee kippt um. Alles landet auf seinem Mantel. Für einen Moment sagt keiner etwas. Dann lacht jemand leise.
Mir wird heiß. Ich weiß nicht mal warum, ich habe ja nichts gemacht. Herr Krüger schaut auf den Fleck und seufzt. Ich denke, jetzt wird er gleich sauer. Aber stattdessen lacht er kurz und sagt nur: „Super Start in den Tag.“
Ich krame in meiner Tasche und gebe ihm ein Taschentuch. Er nimmt es und sagt „Danke“. Einfach so. Nicht wie ein Lehrer, eher wie ein normaler Mensch.
Als er aussteigt, denke ich noch darüber nach. In der Schule später ist er irgendwie anders. Ruhiger. Und ich auch. Ich melde mich sogar einmal.
Vielleicht sind Lehrer im Unterricht streng, weil sie es sein müssen. Und vielleicht haben sie auch einfach schlechte Morgen. Seitdem sehe ich Herrn Krüger nicht mehr nur als Lehrer, sondern als jemanden, dem auch mal der Kaffee auskippt.
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