Zwei Fruchtgummis statt eines Shakers: So einfach werden Kreatin-Gummis inzwischen in Onlineshops und auf Social Media verkauft. Die bunten Würfel sollen gut schmecken, in jede Schultasche passen und trotzdem beim Training helfen. Jordan Glenn, wissenschaftlicher Leiter der Supplement-Plattform SuppCo, sagte 2025 gegenüber dem Magazin „WIRED“ über den Kreatin-Trend: „It’s really having a moment right now.“
Doch bei einem Nahrungsergänzungsmittel zählt nicht, wie fruchtig es schmeckt. Entscheidend ist, ob die versprochene Menge Wirkstoff tatsächlich enthalten ist. Genau daran gab es zuletzt Zweifel.
Vier von sechs Produkten fielen durch
SuppCo kaufte 2025 sechs in den USA beliebte Kreatin-Gummis und ließ sie in einem unabhängigen, akkreditierten Labor untersuchen. Vier Produkte enthielten laut dem veröffentlichten Test fast kein oder gar kein nachweisbares Kreatin. Bei einem Produkt standen fünf Gramm pro Portion auf dem Etikett. Gemessen wurden laut „WIRED“ nur 0,005 Gramm.
Ein weiterer Test, den der US-Hersteller NOW Foods in Auftrag gab, untersuchte zwölf Marken. Fünf davon erreichten die versprochene Kreatinmenge nicht. Bei den auffälligen Produkten fanden die Tester außerdem Hinweise darauf, dass ein Teil des Kreatins bereits zu Kreatinin abgebaut worden war.
Diese Ergebnisse klingen heftig, müssen aber richtig eingeordnet werden. Es waren Stichproben von Produkten aus dem US-Markt, keine wissenschaftlichen Studien über alle Kreatin-Gummis. Die Tests beweisen deshalb weder, dass jedes Gummi schlecht ist, noch dass Produkte in Österreich dieselben Mängel haben. Sie zeigen aber ein Problem, das Käufer von außen kaum erkennen können.
Warum Pulver einfacher ist
Kreatin ist kein geheimnisvoller Laborstoff. Der Körper bildet es selbst und speichert einen großen Teil davon in den Muskeln. Dort hilft es, bei kurzen und intensiven Belastungen schnell Energie bereitzustellen, etwa bei Sprints oder schweren Kraftübungen. Für Kreatin-Monohydrat als Pulver ist die Wirkung bei Erwachsenen gut untersucht.
In trockener Pulverform bleibt Kreatin lange stabil. Ein Gummi enthält dagegen Wasser, Säuren, Aromen und weitere Zutaten. In einer solchen Mischung kann Kreatin mit der Zeit leichter abgebaut werden. Auch Herstellung, Temperatur und Lagerung spielen eine Rolle. Ein Kreatin-Gummi kann grundsätzlich funktionieren. Die süße Form macht ein zuverlässiges Produkt aber schwieriger herzustellen.
Eine Dose ist kein Medikament
In Österreich gelten Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit müssen sie vor dem Verkauf nicht zugelassen, registriert oder angemeldet werden. Das bedeutet nicht, dass Hersteller alles dürfen: Sie sind für Sicherheit und korrekte Kennzeichnung verantwortlich, und Behörden können Produkte kontrollieren. Trotzdem durchläuft eine Dose Kreatin-Gummis nicht dasselbe Zulassungsverfahren wie ein Medikament.
Gerade bei Angeboten aus unbekannten Onlineshops sollte deshalb nicht nur die Sternebewertung entscheiden. Wichtiger sind eine vollständige Zutatenliste, eine klare Mengenangabe pro Tagesportion, ein erreichbarer Hersteller und ein nachvollziehbarer Laborbericht zur konkreten Charge. Ein allgemeines Werbesiegel auf der Website sagt weniger aus als ein Prüfbericht, der Produktname, Chargennummer und Messwerte nennt.
Für Jugendliche bleibt eine offene Frage
Bei Erwachsenen gehört Kreatin zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln im Sport. Für Kinder und Jugendliche ist die Datenlage jedoch deutlich kleiner. Gesundheitsexperten raten Minderjährigen deshalb von einer Einnahme ohne ärztliche Empfehlung ab. Wer noch im Wachstum ist, sollte ein Fitnessprodukt nicht deshalb für harmlos halten, weil es wie Naschzeug aussieht.
Kreatin-Gummis lösen vor allem ein Komfortproblem: Sie sind süß, handlich und brauchen keinen Shaker. Ob sie auch das Trainingsversprechen erfüllen, entscheidet aber nicht ihre Farbe. Die wichtigste Frage steht nicht vorne in der Werbung, sondern versteckt sich hinter dem Etikett: Ist wirklich drin, was draufsteht?
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