Vor kurzem hat das österreichische Parlament ein Verbot des Tragens eines Kopftuches für Schülerinnen bis zur achten Schulstufe, also bis zum 14. Lebensjahr, beschlossen. Das Gesetz gilt an allen öffentlichen sowie privaten Schulen in ganz Österreich. Ich kenne persönlich keine Schülerin, die ein Kopftuch trägt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir uns ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzten sollten.
Was will der Staat mit einem Kopftuchverbot überhaupt bezwecken? Das offizielle Ziel des Gesetzes ist es, junge Mädchen vor möglichem Zwang zu schützen und ihre Freiheit zu fördern. Für mich klingt das auf den ersten Blick sinnvoll. Niemand sollte aus religiösen, kulturellen oder familiären Gründen sich gezwungen fühlen, bestimmte Kleidung zu tragen. Aber ist ein generelles Verbot der richtige Weg?
Gegenteilige Effekte
Viele muslimische Mädchen und Frauen berichten, dass sie freiwillig ein Kopftuch tragen. Entweder als Teil ihrer Identität oder als Überzeugung zum Glauben. Viele davon entschieden sich schon bewusst in jungen Jahren dafür. Das neue Verbot nimmt ihnen diese Entscheidung allerdings ab. Dadurch entzieht ihnen das Gesetz die Freiheit, die es doch eigentlich schützen sollte.
Natürlich gibt es auch Fälle, in denen junge Mädchen wirklich gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Aber dafür ist ein generelles Verbot nicht unbedingt die Lösung. Stattdessen sollten Schulen diese Schülerinnen individuell unterstützen, stärken und aufklären und nicht über alle Köpfe hinweg entscheiden.
Gleichberechtigung oder Einschränkung?
Mit der neuen Regelung soll auch die Chancengleichheit für alle Mädchen in Österreich entstehen. Ich kann dieses Ziel zwar verstehen, aber erreicht man das wirklich, indem man jungen Mädchen die Auslebung ihrer Religion verbietet? In meinen Augen wäre es sinnvoller, die Sichtweise der Gesellschaft zu ändern, sodass Mädchen und Frauen mit Kopftuch die gleichen Möglichkeiten gegeben sind. Denn Chancengleichheit bedeutet für mich, dass alle Menschen dieselben Chancen haben. Unabhängig vom Aussehen, der Herkunft, der Religion oder eben der Kleidung. Und dies können wir eben nur erreichen, wenn wir anfangen, keine Unterschiede mehr zu machen.
Außerdem betrifft das Verbot nur das Kopftuch und keine anderen religiösen Symbole, weder bei Jungen noch bei Mädchen anderer Glaubensrichtungen. Warum macht der Staat also gerade das muslimische Kopftuch zum Problem? Zudem erwähnen die Gesetzgeber im neuen Kopftuchverbot ausdrücklich, dass es sich um das Tragen eines islamischen Kopftuches handelt. Was allerdings viele vergessen: Auch im Christentum war es ursprünglich Tradition, ein Kopftuch zu tragen. Wäre dies dann noch erlaubt? Falls ja, bedeutet das neue Verbot für mich, dass der Staat islamische Mädchen nicht „schützen“ will, sondern ihnen stattdessen die Freiheit entzieht.
Freiheit bedeutet nicht, dass der Staat uns vorschreibt, was wir müssen, sondern, dass wir selbst entscheiden können. Auch unter 14.
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