Wer heute Nachrichten liest, könnte leicht glauben, dass der Kampf gegen den Klimawandel bereits verloren ist. Fast täglich berichten Medien über neue Temperaturrekorde, Dürren oder Unwetter. Natürlich macht das Sorgen. Trotzdem halte ich es für einen Fehler, den Kopf in den Sand zu stecken. Denn die Wissenschaft sagt etwas anderes: Es ist ernst, aber es ist nicht zu spät.
Die Klimaforscherin Katharine Hayhoe bringt das meiner Meinung nach perfekt auf den Punkt. In einem Interview mit The Guardian sagte sie: „Fear is a short-term spur to action, but to make changes over the long term, we must have hope.“ („Angst kann kurzfristig zum Handeln bewegen. Für langfristige Veränderungen brauchen wir Hoffnung.“) Hoffnung bedeutet dabei nicht, die Probleme kleinzureden. Hoffnung bedeutet, daran zu glauben, dass unser Handeln einen Unterschied macht.
Hoffnung statt Resignation
Ein weiterer Gedanke von Hayhoe gefällt mir besonders. Ebenfalls im Guardian erklärte sie: „When you are taking action for climate, it’s for you. It’s for your family, it’s for everything you love.“ Klimaschutz ist also keine abstrakte Aufgabe für Politiker oder Wissenschaftler. Er schützt unsere Gesundheit, unsere Zukunft und die Orte, an denen wir leben.
Mich überzeugt außerdem, dass es bereits viele Entwicklungen gibt, die vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte. Erneuerbare Energien werden weltweit immer günstiger, Elektroautos sind längst keine Seltenheit mehr und viele Städte investieren in Radwege, öffentlichen Verkehr oder Begrünung. Unternehmen entwickeln klimafreundliche Technologien, die früher noch Zukunftsmusik waren. Vor allem junge Menschen setzen das Thema immer stärker auf die politische Agenda. All das zeigt: Veränderung ist möglich.
Jede Entscheidung zählt
Auch die Wissenschaft macht deutlich, dass jede Entscheidung zählt. Klimaforscher Michael Mann warnt davor, in eine Haltung des Aufgebens zu verfallen. Er betont, dass die Vorstellung, es sei ohnehin zu spät, Menschen vom Handeln abhält – obwohl die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindert werden können. Das finde ich besonders wichtig. Zwischen 1,8, 2 oder 3 Grad Erwärmung liegen enorme Unterschiede für Natur, Menschen und Wirtschaft. Jeder vermiedene Zehntelgrad bedeutet weniger Leid.
Natürlich reicht es nicht, wenn nur Einzelne ihren Müll trennen oder mit dem Fahrrad fahren. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln. Aber genau das passiert bereits vielerorts. Länder bauen Wind- und Solarkraft massiv aus, Unternehmen investieren Milliarden in klimafreundliche Technologien und Forschende entwickeln ständig neue Lösungen. Vor zwanzig Jahren waren viele dieser Entwicklungen kaum vorstellbar.
Jetzt kommt es auf uns an
Deshalb glaube ich, dass wir den Klimawandel noch in den Griff bekommen können. Nicht vollständig – einige Folgen spüren wir bereits heute. Aber wir können verhindern, dass er noch viel schlimmer wird. Aufgeben wäre die schlechteste aller Entscheidungen. Hoffnung allein löst das Problem nicht. Hoffnung gepaart mit Wissenschaft, Innovation und konsequentem Handeln kann es aber sehr wohl.
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