Der Blick aus dem Zug
Ich sitze im Zug zwischen zwei kleinen Orten in Vorarlberg. Ein paar Sitze weiter vorne sitzt eine Gruppe Schüler. Sie lachen laut, reden durcheinander und regen sich über die Schule auf. Irgendwie wirkt alles leicht und selbstverständlich.
Ein Stück weiter sitzt eine ältere Frau mit einem Einkaufskorb. Sie schaut erst aus dem Fenster, dann kurz zu den Schülern. Sie lächelt leicht und schüttelt den Kopf. Und in dem Moment frage ich mich, woran sie denkt. Vielleicht erinnert sie sich an früher.
Ich bemerke plötzlich, dass ich genau das Gleiche denke.
Ein kurzer Moment auf dem Bergweg
Beim Wandern gehe ich an jemandem vorbei. Wir sagen beide „Grüß Gott“, fast gleichzeitig. Mein Gruß kommt ein bisschen zu spät, und sofort denke ich darüber nach, ob das jetzt komisch war. Ich gehe weiter, aber irgendwie beschäftigt mich dieser Mini-Moment länger, als er sollte. Ich drehe mich sogar noch einmal kurz um, obwohl es keinen Grund gibt.
Dann frage ich mich, warum mir so etwas überhaupt wichtig ist. Es war nur ein Wort. Und trotzdem fühlt es sich an, als hätte es mehr Bedeutung gehabt, einfach, weil es zwischen zwei fremden Menschen passiert ist.
Der Duft vor der Bäckerei
Ich stehe vor einer Bäckerei in der Schlange. Es ist ruhig, alle warten einfach. Ich denke eigentlich an nichts Besonderes.
Dann kommt jemand mit einer warmen Papiertüte heraus. Sofort rieche ich frisches Brot. Dieser Geruch trifft mich irgendwie unerwartet. Für einen kurzen Moment denke ich an früher, an Sonntage, an Zuhause, an dieses Gefühl von Wärme.
Ich merke, dass ich kurz auf die Tüte starre, genau wie ein paar andere auch. Niemand sagt etwas, aber irgendwie haben wir alle denselben Gedanken.
Und dann ist der Moment wieder vorbei. Ich schaue nach vorne. Aber dieses kurze Gefühl bleibt noch ein bisschen.
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