Wenn wir uns nicht ernst nehmen
An diesem Abend, an dem ich mir vorgenommen hatte, früher schlafen zu gehen, lief es wie so oft: Ich lag im Bett, wollte „nur noch kurz“ aufs Handy schauen, und plötzlich war über eine Stunde vergangen. Ein Video führte zum nächsten, dann noch schnell die Nachrichten checken, ehe ich mich versah, war es wieder viel später als geplant. Am nächsten Morgen war ich müde und dachte erneut, dass ich es heute anders machen würde.
Mir ist aufgefallen, dass ich damit nicht allein bin. In Gesprächen höre ich oft ähnliche Sätze: „Heute gehe ich echt früher schlafen“ oder „Ich sollte weniger am Handy sein.“ Und trotzdem passiert am Ende genau das Gegenteil. Es ist fast so, als würden wir uns selbst nicht ganz ernst nehmen, obwohl wir genau wissen, was besser wäre.
Das Wetter entscheidet mit, wie wir uns fühlen
Eines Morgens blickte ich aus dem Fenster. Es war grau, regnerisch und irgendwie düster. Ohne dass etwas Besonderes passiert wäre, hatte ich sofort weniger Motivation aufzustehen. Alles fühlte sich anstrengender an als sonst.
Ein paar Tage später war es ganz anders: Die Sonne schien, der Himmel war klar, und plötzlich hatte ich mehr Energie. Ich war motivierter, wollte rausgehen und etwas unternehmen. Dabei hatte sich an meinem Alltag eigentlich nichts verändert, nur das Wetter.
Interessant finde ich, dass viele Menschen sagen, das Wetter hätte keinen Einfluss auf sie. Doch wenn wir genauer hinsehen, merken wir schnell, dass es doch eine große Rolle spielt. Wir hören Sätze wie: „Bei dem Wetter hat man ja zu nichts Lust“ oder „Heute ist so ein schöner Tag, da muss man raus.“ Es passiert ganz automatisch, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken.
Gespräche an der Supermarktkassa
Eigentlich eine ganz normale Situation an einer Kassa im Supermarkt: Leute warteten, legten ihre Einkäufe aufs Band. Doch während ich dort stand, bekam ich die Gespräche um mich herum mit, und plötzlich ging es überall um dasselbe Thema: die teuren Spritpreise.
Hinter mir beschwerte sich jemand darüber, wie teuer das Tanken geworden ist. Vor mir sagte eine Person zur Kassiererin, dass sie sich das bald gar nicht mehr leisten könne. Sogar zwei Leute, die sich scheinbar gar nicht kannten, kamen kurz ins Gespräch darüber.
Was mich daran fasziniert hat: Es wirkte fast wie ein automatisches Gesprächsthema. So wie wir früher vielleicht über das Wetter gesprochen haben, reden wir jetzt über Spritpreise. Oft geht es dabei gar nicht darum, eine Lösung zu finden, sondern den eigenen Frust zu teilen und zu merken, dass es anderen genauso geht.
Diese Beobachtungen zeigen mir, dass der Alltag aus vielen kleinen Momenten besteht, die leicht übersehen werden, ob es die eigenen Vorsätze sind, die wir nicht einhalten, die Stimmung, die vom Wetter beeinflusst wird, oder Gespräche, die sich zufällig ergeben. Wenn wir uns die Zeit nehmen, genauer hinzusehen, merken wir, dass gerade diese Kleinigkeiten oft am meisten über uns und unser Leben aussagen.
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