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Klagenfurt statt Wien: Wie viele Zufälle passen in eine Kaserne?

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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01.10.2026
3 Min.

Für einen früheren Stellungstermin fuhr ich von Wien nach Klagenfurt. Dort waren auffallend viele andere Wiener. Auch zwei Freunde von mir hatten unabhängig voneinander ihre Stellung dort. Vor Ort wirkte meine lange Anreise weniger außergewöhnlich, als ich gedacht hatte.

Ich hielt meine Stellung in Klagenfurt für einen ungewöhnlichen Umweg, bis ich dort in meiner Gruppe sechs weitere Wiener traf. (Foto: Elias Pell)

„Gibt’s Leute aus Wien?“, fragt der Charge vom Tag. Es ist der 29. September 2026, mein erster Stellungstag in Klagenfurt. Den Satz höre ich mehrmals, als gehörte er hier zum Programm. Nach anderen Bundesländern höre ich ihn nicht fragen. Von den 40 Männern in meiner Gruppe kommen sieben aus Wien. Fast jeder Fünfte.

Simon, ein Freund von mir, hat einen Tag vor mir mit der Stellung begonnen. Auch in seiner Gruppe waren sieben Wiener. Alex aus meiner Klasse war bereits im Mai hier. Wir drei hatten unsere Termine aus ähnlichen Gründen vorgezogen und wurden unabhängig voneinander nach Klagenfurt geschickt.

„Ich hab nicht ganz verstanden, warum ich mich nicht einfach in Wien stellen konnte“, sagt Alex, 17. „Aber im Endeffekt bin ich eh zufrieden. In Klagenfurt war das sehr entspannt und ich war schnell fertig. Die Leute waren auch alle nett. Aus Wien hab ich da schon anderes gehört.“ Sein Bericht hatte mich vor der Fahrt beruhigt. In der Kaserne ging es mir ähnlich wie ihm: Der Aufenthalt war angenehm. Gewundert habe ich mich über den Ort.

Ein freier Termin in Klagenfurt

Ich hatte der Stellungskommission Wien eine Mail geschrieben und um einen früheren Termin gebeten. Für meinen Wunschtermin sei in Wien kein Platz, lautete die Antwort. Stattdessen könne ich am 29. und 30. September nach Klagenfurt kommen. Ich sagte zu und musste dafür schon am Vortag losfahren.

Eilig hatte ich es wegen der geplanten Verlängerung des Wehrdienstes. Am 27. Juli einigte sich die Bundesregierung auf sechs Monate Grundwehrdienst plus insgesamt drei Monate verpflichtende Truppen- und Milizübungen. Das Bundesheer strebt den 1. Jänner 2027 als Start an. Der Beschluss im Parlament fehlt noch. Ich wollte möglichst früh zur Stellung, weil ich hoffte, noch unter die bisherigen Regeln zu fallen.

Am 28. September saß ich dreieinhalb Stunden im Zug Richtung Kärnten. Vom Bahnhof brauchte ich mit dem Bus und zu Fuß noch knapp 20 Minuten bis zur Georg-Goëss-Kaserne. Dort bekam ich ein Bett und einen Spind; für die Mahlzeiten war gesorgt. Am ersten Stellungstag waren wenige Leute da, das Personal war freundlich. Der Aufenthalt selbst machte mir keine Probleme. Für einen Termin, den ich ursprünglich in Wien wollte, war ich allerdings fast vier Stunden unterwegs gewesen.

Die Unterkunft in der Kaserne und das Essen kosten mich nichts. Das gilt für das Bett, das mir das Heer bereitstellt: Ein selbst gebuchtes Hotel würde es nicht einfach bezahlen. Auch für die Fahrt gibt es laut Bundesportal Kostenersatz. Simon stört daran ohnehin nicht der Fahrpreis. „Ist schon komisch. Aber auch ein lustiger Zufall. Das einzige was mich stört ist, dass man lang hin- und zurückfahren muss“, sagt der 17-Jährige. Für jeden von uns bedeutet Klagenfurt allein rund sieben Stunden im Zug.

Warum Wiener in Kärnten zur Stellung gehen

Grundsätzlich ist für uns die Stellungskommission Wien zuständig. Das Wehrgesetz erlaubt aber einen anderen Stellungsort, wenn das Verfahren dadurch wesentlich einfacher oder schneller wird. Ein Wechsel kann auch auf Antrag erfolgen, sofern keine militärischen Gründe dagegensprechen. Mein Fall ist damit erklärt: Zum gewünschten Zeitpunkt war in Klagenfurt ein Platz frei.

Warum auch Simon und Alex gerade diesen Ort angeboten bekamen, weiß ich nicht. Kommissionen gibt es ebenso in St. Pölten, Linz und Graz. Ob dort an ihren Terminen Plätze frei waren, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, was wir drei unabhängig voneinander erlebt haben. Dazu kommen die sieben Wiener in meiner Gruppe und Simons Bericht von weiteren sieben am Vortag. Aus zwei Gruppen lässt sich keine Zahl für das ganze Jahr machen. Für mich sah Klagenfurt nach diesem ersten Morgen aber nicht mehr wie ein ungewöhnlicher Ausweichort aus.

Ob sich meine Eile überhaupt auszahlt, ist offen. Bei der Stellung wird zunächst meine Tauglichkeit festgestellt. Ein Einberufungsbefehl darf grundsätzlich erst sechs Monate danach ergehen, sofern ich einer kürzeren Frist nicht schriftlich zustimme. Welche Jahrgänge eine Reform erfassen würde, steht noch nicht fest. Mein Termin im September sichert mir die bisherige Dienstzeit also nicht.

Eine Ausnahme fühlt sich anders an, wenn sie einem am selben Ort sechsmal begegnet.



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