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Kinder sind keine Rettungspläne für Bauernhöfe

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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28.09.2026
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ZUKUNFT CHECK: Andreas ist 17 und wünscht sich, dass die Arbeit am Land wieder attraktiver wird. Gleichzeitig müssen Bauern wegen der Dürre schon im Sommer Futter verfüttern, das für den Winter gedacht war. Was bedeutet es für junge Menschen, einen solchen Betrieb zu übernehmen? Und was geht verloren, wenn sie Nein sagen?

Die Wiese wird weiter gemäht, doch der Stall steht leer: Warum sollen ausgerechnet Bauernkinder diesen Hof retten? (Foto: Elias Pell)

„Ich finde es schade, dass so viele kleine Höfe jeden Tag zumachen müssen“, sagt Andreas. „Das Arbeiten am Land muss wirklich wieder attraktiver gemacht werden.“

Andreas ist ein langjähriger Freund von mir und besucht seit drei Jahren eine Försterschule in Vorarlberg. Er will, dass junge Menschen eine Zukunft in der Arbeit am Land sehen. Ich auch. Doch was soll an einer Hofübernahme attraktiv sein, wenn schon die nächste Futterernte ungewiss ist?

Der im September veröffentlichte Grüne Bericht 2026 beschreibt höhere bäuerliche Einkommen für 2025. Gleichzeitig zeigt er, wie die Dürre die Betriebe 2026 trifft. Hinter diesen Jahreszahlen stehen Höfe, auf denen Kühe auch dann Futter brauchen, wenn auf den Wiesen kaum etwas nachwächst.

Was übernimmt man mit einem Hof?

Auf dem Hof von Milchbauer Rudolf Buchner in Traisen standen im August rund 70 Kühe. Beim ersten Mähen seiner Wiesen fiel im Frühjahr bis zur Hälfte des üblichen Futters aus. Seit Juni hatte er kein weiteres Gras einbringen können. Bereits im August musste Buchner an seine Wintervorräte. Zusätzliches Futter würde ihn nach seiner Schätzung 40.000 bis 50.000 Euro kosten. Im Futtertrog landete damit, was er für die kalten Monate vorgesehen hatte.

Buchner war kein Einzelfall. Wegen des Futtermangels verkauften Betriebe Kühe früher, damit Futter für die übrigen Tiere blieb. Laut Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf und ARGE Rind kamen in einigen Augustwochen rund dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung wie üblich. Das zusätzliche Angebot drückte die Preise. Im Stall blieb ein Platz leer, und der Verkauf brachte weniger Geld.

Das erklärt nicht, warum jeder einzelne Hof aufgegeben wird. Es zeigt aber, welches Risiko jemand übernimmt, der einen Betrieb weiterführen soll. Der Grüne Bericht meldet für 2025 im Durchschnitt 18 Prozent höhere Einkommen als im Vorjahr. Für 2026 erwartet er wieder einen Rückgang. Ein Plus im Durchschnitt bezahlt Buchners Futterrechnung nicht.

Wie groß die Veränderung ist, zeigt Statistik Austria: 2023 gab es knapp 10.000 landwirtschaftliche Betriebe weniger als 2020, rechnerisch rund neun pro Tag. Die Zahl nennt keine Gründe für das Aufhören. Trotzdem fragen wir oft zuerst die Kinder: Warum übernehmt ihr nicht? Ich halte das für ungerecht. Wer einen Hof übernimmt, bekommt Tiere, Maschinen, Rechnungen und Arbeit an Wochenenden. Ein Kind vom Bauernhof darf sich trotzdem einen anderen Beruf wünschen.

Das Feld bleibt. Was fehlt?

Wenn eine Familie den Hof nicht weiterführt, kann sie die Wiesen an einen anderen Betrieb verpachten: Sie behält das Land, jemand anderer bezahlt für die Nutzung und mäht das Gras. Laut Statistik Austria waren 2023 insgesamt 43 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche gepachtet. Die Wiese kann also weiter eine Ernte bringen, während am ursprünglichen Hof kein Melkgerät mehr läuft.

Ein größerer Betrieb kann das Land gut bewirtschaften. Was mich stört, ist der Verlust einer eigenen Entscheidung: Ob aus der Milch Käse für den Verkauf am Hof wird oder ob jemand die Tierhaltung verändern will, kann dieser Hof nun nicht mehr selbst bestimmen. Mit jedem verschwundenen Betrieb gibt es einen Ort weniger, an dem jemand eine solche Idee umsetzen kann.

Matteo, 17, den ich vom Fußball kenne, sagt: „Meine Eltern achten beim Einkauf auf Regionalität, Bio-Anbau und kaufen gerne von Kleinbauern. Wenns geht sogar persönlich.“ Er wünscht sich, dass sich mehr Menschen für Landwirtschaft interessieren. Seine Eltern zeigen, wie Kundinnen und Kunden einen kleinen Hof unterstützen können. Aber ein Betrieb braucht Einnahmen, die auch Futter, Arbeit und Investitionen bezahlen. Einzelne bewusste Einkäufe können das nicht allein sichern.

Ein anderer Name am Hoftor

In Waidhofen an der Ybbs haben Herta und Eduard Sonnleitner sechs Kinder. Keines wollte ihren Schafhof übernehmen. Der Stall blieb trotzdem nicht leer: 2025 fanden sie Menschen außerhalb der Familie, die den Betrieb weiterführen. Heute wohnen frühere und neue Hofleute zusammen, Eduard hilft noch mit. Die Übergabe dauerte Jahre, berichtet der ORF. Das Nein der Kinder musste nicht das Ende des Hofs sein.

Damit das öfter gelingt, müssen Hofbesitzer und Interessierte früh zusammenfinden. Neue Betreiber brauchen Zugang zu Land, Beratung und Geld für den Start. Sie brauchen auch Freiheit für eigene Ideen. In einer österreichischen Befragung von 606 Hofübernehmenden spielten Veränderungen in der Tierhaltung und der Verkauf eigener Produkte eine wichtige Rolle.

Das Dürrehilfspaket kann jetzt Kosten abfedern. Auf Dauer brauchen Betriebe bezahlbare Absicherungen gegen Ernteausfälle und faire Preise für ihre Produkte. Praktika auf Höfen, im Wald und in Fischereibetrieben können uns zeigen, was diese Arbeit bietet. Wer sich danach für sie entscheidet, soll eine Zukunft darin sehen können.

Wenn ein Hof nur durch das schlechte Gewissen eines Kindes überlebt, haben wir versagt.




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