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Kinder kaufen Engerdydrinks: Muss das denn sein?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
07.08.2026
5 Min.

In Österreich darf jedes Kind eine Dose Energydrink kaufen. Ein Alterslimit gibt es nicht. In vielen anderen Ländern schon. Eine einzige halbe Dose kann mehr Koffein enthalten, als wir am Tag trinken sollten. Jetzt wird auch bei uns über ein Verbot für Kinder diskutiert.

In Österreich darf jedes Kind eine Dose Energydrink kaufen - anders als in vielen Nachbarländern. (Foto: shutterstock)

Halb sieben in der Früh, an der Bushaltestelle vor der Schule. Leon Auer, 18, reißt im Gehen eine Dose Monster auf, der Rucksack rutscht ihm dabei von der Schulter. Zwei Schlucke, dann steckt er die Dose weg und wartet auf den Bus. Neben ihm steht Sophie Reiter, 17, mit ihrer Wasserflasche, sie schüttelt kurz den Kopf: „Ich bekomme davon ziemlich schnell Herzklopfen und kann am Abend schlechter einschlafen." Auch ich greife oft zur Dose - wenn ich nach der Schule müde bin und noch ins Gym muss, oder vor einer längeren Autofahrt, bei der ich wach bleiben muss. An unserer Haltestelle fällt das niemandem auf, jeden Morgen stehen ein paar Dosen zwischen den Rucksäcken. Leon und Sophie sind Schulkollegen vom Sacré Coeur Wien.

„Fast jeden Tag. Meistens eine Dose Monster, manchmal auch Red Bull", erzählt Leon weiter. Er merkt aber selbst, wo für ihn die Grenze liegt: „Wenn ich zwei Dosen an einem Tag trinke, merke ich schon, dass ich unruhiger werde." Sophie hält sich lieber zurück, sie lässt es meistens gleich sein. Bei der Frage nach einem Verbot sind sich die beiden trotzdem einig: Ein Limit für Kinder finden beide sinnvoll, eine Altersgrenze bei 16 Jahren halten beide für passend. „Mit zwölf oder dreizehn braucht man so etwas wirklich nicht", sagt Reiter.

Ein Testkauf sorgt für Aufsehen

Wie wenig Österreich Kinder davor schützt, zeigt ein Fall, der erst vor wenigen Wochen bekannt wurde. Die Organisation Foodwatch schickte drei Testkäuferinnen und Testkäufer im Alter von acht, elf und 14 Jahren in McDonald's-Filialen in Wien und Umgebung, um dort den seit April erhältlichen „Tropical Energy Refresher" zu bestellen. Das Ergebnis war in allen Filialen gleich: Alle drei Kinder bekamen den Energydrink anstandslos, ohne Ausweiskontrolle, ohne Nachfrage zum Alter und ohne Hinweis auf den erhöhten Koffeingehalt, wie foodwatch in einer Aussendung berichtet. „Dass ein achtjähriges Kind bei McDonald's problemlos einen Energydrink mit mehr Koffein als eine Dose Red Bull bekommt, ohne dass irgendjemand nachfragt, zeigt: Wenn es um die Gesundheit von Kindern geht, dürfen wir uns nicht auf Konzerne verlassen", sagt Miriam Maurer, Campaignerin bei Foodwatch Österreich.

Was steckt eigentlich drin?

Ein Energydrink ist ein süßes Getränk mit viel Koffein, dem Stoff, der auch im Kaffee wach macht. Dazu kommt eine Menge Zucker und oft weitere Stoffe wie Taurin oder Guarana. Der Zucker ist dabei kein Zufall: Er sorgt dafür, dass man das bittere Koffein kaum schmeckt, und trinkt so schneller mehr, als einem bewusst ist. Laut foodwatch enthält eine handelsübliche Halbliter-Dose bereits mehr Koffein, als ein normalgewichtiger Zwölfjähriger an einem Tag zu sich nehmen sollte.

Eine Schule zieht die Grenze

Wie sehr das Thema aufregt, zeigt eine Schule in Oberösterreich, deren Fall 2025 bundesweit für Diskussionen sorgte. Die Mittelschule Eferding Nord hatte Energydrinks bereits 2022 auf dem Schulgelände verboten, nachdem Eltern sich über den Konsum mancher Kinder beschwert hatten. „Uns fällt natürlich auf, wenn Kinder vor der Schule mehrere Energydrinks trinken", sagt Direktorin Christine Obermayr. Für manche sei es sogar zu einer Art Wettbewerb geworden, wer die meisten Dosen aushält. Öffentlich wurde die Sache erst, als eine Mutter den Elternbrief der Schule an die „Kronen Zeitung" weiterleitete. Damit war die Debatte über ein landesweites Verbot neu entfacht.

Was Ärztinnen und Ärzte sagen

Auch Medizinerinnen und Mediziner warnen seit Jahren. Zu viel Koffein kann bei jungen Menschen zu Unruhe, Nervosität, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Magen-Darm-Problemen und schlechtem Schlaf führen, in selteneren Fällen werden auch Herzrhythmusstörungen und erhöhter Blutdruck damit in Verbindung gebracht. „Sie sind jedenfalls in keinster Weise empfehlenswert", sagt Holger Förster, Kinderarzt in Salzburg und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Jugend- und Sportmedizin bei der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. Besonders riskant werde es, wenn Energydrinks beim Sport oder gemeinsam mit Alkohol getrunken werden, warnt auch foodwatch: Dann bestehe der Verdacht, dass es zu Krampfanfällen oder Nierenversagen kommen kann. Eine deutsche Studie fand zwar bei 97 untersuchten Jugendlichen keine Schäden am Herzen, ob das aber auch bei jahrelangem starkem Konsum so bleibt, ist bislang nicht erforscht.

Andere Länder sind schon weiter

In vielen europäischen Ländern dürfen Energydrinks längst nicht mehr an Kinder verkauft werden. In Polen, Rumänien, Lettland, Litauen, Bulgarien und Ungarn gilt bereits ein gesetzliches Mindestalter von 18 Jahren, in Norwegen liegt die Grenze bei 16 Jahren. Wer dort als Jugendlicher an der Supermarktkasse eine Dose kaufen will, wird zurückgewiesen, so wie es bei Alkohol oder Zigaretten längst selbstverständlich ist. Auch Großbritannien arbeitet derzeit an einem ähnlichen Gesetz, das den Verkauf an unter 16-Jährige verbieten soll. In Österreich gibt es dagegen bis heute kein einziges Limit. Verkauft werden darf an jeden, egal wie jung. Vorgeschrieben ist nur ein kleiner Hinweis auf der Dose: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen." Diesen Satz überliest aber fast jeder.

Warum bei uns nichts passiert

Foodwatch sammelt seit Mai 2024 Unterschriften für eine gesetzliche Altersgrenze, knapp 9.000 Menschen haben mittlerweile unterschrieben, Ziel sind 10.000. „Wir sehen im Supermarkt regelmäßig Kinder, die sich Energydrinks kaufen", sagt Maurer. Das Gesundheitsministerium teilte zuletzt mit, man sei sich der gesundheitlichen Risiken bewusst, insbesondere in Verbindung mit Sport und Alkohol, ein bundesweites Verkaufsverbot sei aber derzeit nicht geplant. Denkbar wäre höchstens ein Verbot an Schulen, doch diese Entscheidung liege beim Bildungsministerium.

Ein Problem ist dazu die Werbung: Bekannte Influencer zeigen sich gern mit Energydrinks oder bringen eigene Marken heraus, es sind jene Leute, denen viele von uns täglich zuschauen. Der frühere Gesundheitsminister Johannes Rauch hatte sich bereits 2024 für ein Mindestalter von 18 Jahren ausgesprochen, seither ist von Seiten der Politik allerdings wenig weiter passiert.

Zurück an die Bushaltestelle

Als der Bus heute Früh einfährt, steckt Leon seine leere Dose achtlos in den Rucksack, Sophie steigt mit ihrer Wasserflasche ein. Zwei Schüler, zwei völlig unterschiedliche Morgen, dieselbe Haltestelle. Solange niemand eine Grenze zieht, bleibt es jedem selbst überlassen, wo diese Grenze für ihn liegt, so wie bei mir vor dem Fahren oder nach dem Training im Fitnessstudio. Für mich als Achtzehnjährigen mag das eine vertretbare Entscheidung sein. Nur: Wie soll ein Achtjähriger diese Grenze überhaupt kennen, wenn ihm die Dose an der Supermarktkasse einfach über den Tresen gereicht wird, ohne dass irgendjemand nachfragt?




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