Chat GPT, Siri, Navigationssysteme und die Algorithmen von TikTok & Co.: Viele Menschen bemerken gar nicht, wann und wie viel Künstliche Intelligenz sie im Alltag verwenden. Der richtige Umgang mit KI ist jedoch sehr wichtig. Diesen vermittelt Gerhard, ein Informatiker aus Vorarlberg, regelmäßig in seinen Kursen.
„Der Effekt der KI kann dem eines Taschenrechners ähneln“
Kann Chat GPT mit einem Taschenrechner verglichen werden? Eigentlich nicht, doch in einem Punkt sind sie ähnlich: Man kann durch die Nutzung gewisse Fähigkeiten verlernen. Wer jede noch so einfache Rechnung mit dem Taschenrechner löst, verliert irgendwann etwas von seiner Rechenkompetenz.
„Der Effekt der KI kann einem Taschenrechner ähneln“, sagt Gerhard und verweist auf eine wissenschaftliche Studie. Zwei Gruppen mussten dieselben Aufgaben lösen: eine ausschließlich mit KI, die andere komplett ohne. Das Ergebnis war erstaunlich: Die KI-Gruppe aktivierte bestimmte Hirnareale kaum. Doch unser Gehirn braucht Training – ähnlich wie ein Muskel, der ohne Übung schwächer wird. Zu viel KI-Nutzung kann daher tatsächlich dazu führen, dass Fähigkeiten verloren gehen. „Immer zuerst selbst versuchen, eine Lösung zu finden“, rät Gerhard.
„In der Schule sollte KI ausschließlich für Recherche verwendet werden“
Seit Jahren wird diskutiert, wie KI in der Schule genutzt werden soll. Gerhard hat dazu eine klare Meinung: „Zuerst muss man unterscheiden zwischen der unterstützenden und der kreativen Verwendung.“
Unterstützend ist KI dann, wenn sie lediglich Zeit spart – zum Beispiel bei der Informationssuche. Egal ob jemand googelt oder Chat GPT fragt, der Lerneffekt ist derselbe. Für solche Aufgaben sei KI sinnvoll. „In der Schule sollte KI ausschließlich für Recherche verwendet werden“, betont Gerhard. Ganze Aufsätze oder Arbeitsblätter mit KI zu erzeugen, hält er für problematisch – auch weil die Fehlerquote bei Texten oder mathematischen Aufgaben weiterhin hoch ist. „In einem KI-Aufsatz sind meistens Fehler drinnen, und das Verbessern kostet am Ende mehr Zeit, als den Text selbst zu schreiben.“
Chat GPT & Co. auch künstlerisch begabt
Dann gibt es die kreative Verwendung der KI: also alles, was die KI selbst generiert – Bilder, Videos oder sogar Songs. Laut Gerhard ist KI hier ein „multifunktionales Werkzeug“. Damit etwas Gutes entsteht, muss man jedoch sehr genau beschreiben können, was man möchte. Das erfordert Kreativität vom Menschen. „Noch kann die KI deine Gedanken nicht lesen. Du musst genau erklären, was du willst“, sagt Gerhard. Die Möglichkeiten seien enorm: Mit KI könne heute jeder einen Song ganz nach den eigenen Vorstellungen erzeugen lassen.
„Die KI wird Arbeitsplätze ersetzen, aber auch neue schaffen“
„Die Fragen, die sich die Welt heute über KI stellt, sind vergleichbar mit denen, als der Computer neu war“, sagt Gerhard. Computer sind inzwischen alltäglich – und dasselbe werde mit KI passieren. „Künstliche Intelligenz wird in viele Bereiche der Berufswelt einziehen.“ Dass dabei Arbeitsplätze verschwinden, hält er für wahrscheinlich. Gleichzeitig würden aber auch neue entstehen.
Gerhard plädiert deshalb dafür, an allen Schulen grundlegende KI-Kenntnisse zu vermitteln: richtiges Prompten, das Erkennen von KI-Halluzinationen – also wenn Chatbots Unsinn erzählen – und den Umgang mit sogenannter Agentic AI, also KI-Systemen, die mehrere Arbeitsschritte selbstständig ausführen. Das werde in einigen Jahren in vielen Berufen wichtig sein. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wird KI einen Großteil der Arbeitsplätze ersetzen? „Nein“, sagt Gerhard, „aber Menschen, die KI verwenden, werden Menschen ohne KI-Kenntnisse ersetzen.“
Wann verwende ich KI in der Schule?
In meinem Chat-GPT-Suchverlauf finden sich viele kurze Rechercheaufgaben. Es geht einfach schneller, als im Internet zu suchen. Wenn ich ein Thema nicht gut verstehe, frage ich Chat GPT außerdem nach einer kurzen Erklärung. Komplett löse ich Aufgaben allerdings nicht mit KI – auch weil Chatbots bei Prüfungen nicht erlaubt sind.
Wie gehen meine Lehrer damit um?
Der Einsatz von KI wird von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich gehandhabt. Manche erlauben sie, andere nicht. Besonders Lehrer, bei denen wir Aufsätze schreiben müssen, sind eher dagegen – und das finde ich verständlich. Sonst würde wohl ein Großteil der Klasse Chat GPT dafür verwenden. In manchen Fächern darf ich jedoch kurze Informationen aus der KI holen oder sie nach Tipps fragen. Die einzige allgemeine Regel lautet: Keine KI bei Tests und Schularbeiten.
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