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Tumorerkennung: Was früher dreißig Minuten dauerte, erledigt die KI in nur zehn Sekunden

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Volontärin · College Rookie Team
19.02.2026
4 Min.

In der Krebsforschung wird künstliche Intelligenz zunehmend zum Lebensretter: Ein neues System der MedUni Wien namens FastGlioma erkennt Tumorzellen in Sekundenschnelle, direkt während der Operation.

Die künstliche Intelligenz hilft, Turmorreste zu erkennen und zu beseitigen. (Foto: sasint/pixabay)

Der Fortschritt in der Medizin ist rasant: Ein neues KI-System der MedUniWien zur Echtzeit-Tumorerkennung namens FastGlioma ermöglicht Chirurgen noch während der Operation innerhalb von Sekunden festzustellen, ob das Tumorgewebe vollständig entfernt wurde.

Während eine herkömmliche Untersuchung im Labor etwa dreißig Minuten dauert, liefert das System Ergebnisse in rund zehn Sekunden. Nach der Studie laut dem Fachjournal Nature zeigte das System eine Genauigkeit von durchschnittlich 92 Prozent bei der Identifizierung von Tumorresten.

Pioneere

Georg Widhalm gehört weltweit zu den ersten, die dieses System im klinischen Alltag testen. Seit 2020 wurden an der MedUni Wien bereits über 500 Operationen mit Unterstützung dieser KI-Technologie durchgeführt. Das System basiert auf einem lichtbasierten Verfahren. Es wird mit Deep-Learning-Algorithmen kombiniert, um mikroskopische Gewebestrukturen ohne Einfärbung sofort einzuordnen.

Aufgrund des Erfolgs bei Hirntumoren wird das Modell aktuell angepasst, um auch bei anderen Eingriffen, wie in der Lungen- oder Brustkrebschirurgie, eingesetzt zu werden.Das Ziel der MedUniWien ist es, die KI standardmäßig in robotergestützte Chirurgie zu integrieren, um Schnittränder in Echtzeit auf dem Monitor des Chirurgen zu markieren. 

Die Rolle der KI bei der Erkennung und Behandlung von Tumoren

In der Krebsforschung ist die künstliche Intelligenz ein wahrer Helfer und Begleiter. Durch die KI wurden schon viele Tumore, die für das menschliche Auge fast unfassbar erscheinen. Aktuell wird sie als massiver Beschleuniger für Diagnose und personalisierte Therapien angesehen. Sie ermöglicht es, riesige Datenmengen zu analysieren, die für das menschliche Auge oder herkömmliche Statistik zu schwer zum Erkennen sind.

Aktuell kann sogar ein KI-System der MedUni Wien Tumorzellen in Sekundenschnelle identifizieren. In kürzester Zeit ermöglicht KI in der Strahlentherapie Erstellung von modernen Bestrahlungsplänen. Dadurch wird oft das gesunde Gewebe besser geschützt und nicht ruiniert. Die künstliche Intelligenz hilft dabei verborgene Krebsarten zu entschlüsseln. Das sorgt dafür, dass das Krebsrisiko verringert wird.

Seit wann wird die KI in der Krebsforschung eingesetzt?

Der Einsatz von KI in der Krebsforschung ist kein plötzliches Ereignis. Sondern es ist eine Entwicklung, die sich über Jahrzehnte hinweg beschleunigt hat. Die allgemeine KI-Forschung startete in den 1956.In den 70er Jahren fanden die ersten medizinischen Anwendungen mit Expertensystemen statt. Die ersten Anwendungen halfen bei der Diagnose von Infektionen und entwickelten Fortschritte bei der Onkologie.

Der Durchbruch geschah rund um das neue Jahrzehnt 2010.An diesem Zeitpunkt gab es dank der künstlichen Intelligenz eine große Entwicklung bei computergestützter Diagnose. Seitdem können Algorithmen Tumore in MRT- oder CT-Daten oft präziser erkennen als qualifizierte Ärzte.

Seit 2020 ist die KI in der Krebsforschung mittlerweile ein fester Bestandteil moderner Forschung geworden. Bestimmte Projekte wie das Cancer Scout, welches seit 2020 Existenz besitzt, nutzen die KI um personalisierte Behandlungen auf Basis genetischer Daten zu entwickeln. In den letzten zwei Jahren wurden Systeme eingeführt, die Tumorzellen in Sekundenschnelle identifizieren oder Krebsrisiken sogar Jahre im Voraus vorhersagen können.

Erfinder der KI in der Krebsforschung

Da diese Forschung mehrere Jahrzehnte geprägt hat, gibt es keinen einzelnen Erfinder. Es ist das Ergebnis einer Evolution aus Informatik und Medizin, bei der verschiedene Pioniere entscheidende Bausteine geliefert haben.

John McCarthy und Marvin Minsky waren die Pioniere der KI in den 1950ern. Ohne sie würde die KI, wie wir sie heute kennen wahrscheinlich gar nicht existieren.Sie organisierten einen legendären Workshop, indem sie die Geburtsstunde der KI als eigenständiges Forschungsfeld ankündigten.

Dieser Workshop hieß Dartmouth Summer Research Project on Artficial Intelligence und fand im Sommer 1956 am Dartmouth College in New Hampshire statt. In ihrem Antrag für die Konferenz verwendeten sie erstmals offiziell den Begriff Künstliche Intelligenz. Ihr Ziel war es Maschinen zu bauen, die Probleme lösen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern bilden.

Edward Shortliffe war der Pionier der medizinischen Expertensysteme in den frühen 70ern und 80ern.Er entwickelte an der Stanford University das System MYCIN. Es war eines der ersten KI-Programme, das zur Diagnose von Krankheiten und zur Empfehlung von Therapien eingesetzt wurde. Gleichzeitig legte er den Grundstein für klinische Entscheidungssysteme in der Krebsforschung.

Krebsforschung im Jahr 2026

Die Krebsforschung hat im Jahr 2026 die Schwelle von der Datenanalyse zur direkten operativen Steuerung überschritten. Das KI-System,,FastGlioma“ von der MedUniWien ist das anschaulichste Beispiel für diese Entwicklung, dass die chirurgische Präzision revolutioniert. Noch dazu kommt, dass ein neues Doktoratsprogramm, namens CONGLIOMERATE, im Januar 2026 startete. Hier werden Experten ausgebildet, die KI-Modelle direkt für die klinische Anwendung an der MedUni Wien weiterentwickeln.

Ein weiterer Meilenstein ist die funktionelle Präzisionsmedizin, insbesondere bei kindlicher Leukämie. Eine KI an der MedUniWien testet über 100 Wirkstoffkombinationen an einer kleinen Zellprobe. Innerhalb von nur ein bis zwei Tagen liefert das System eine exakte Vorhersage, welches Medikament beim individuellen Patienten wirkt.

Seit August 2025 ist die MedUni Wien Vorreiter bei der Nutzung von Owkin K. Dieser KI-Copilot fungiert wie ein hochspezialisiertes ChatGPT für Onkologen. Er verknüpft genetische Daten, digitale Pathologie-Bilder und klinische Verläufe von tausenden Patienten, um für komplexe in Echtzeit die optimale Therapiestrategie vorzuschlagen.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die medizinische Universität Wien.

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