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Kaugummis und ein schnarchender Gast: Meine Oma war alles andere als eine brave Schülerin

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Volontär · BRG Bruck an der Leitha
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03.09.2026
3 Min.

Ein schattiger Garten in Baden, der Duft reifer Äpfel und Erinnerungen an eine Schulzeit vor mehr als 70 Jahren: Meine 80-jährige Oma Gertrude erzählt von ihren Volksschuljahren Anfang der 1950er-Jahre. Damals herrschten strenge Regeln und harte Disziplin. Doch die Kinder wussten sich zu helfen. Drei Anekdoten zeigen, wie sie gemeinsam immer wieder Wege fanden, die Regeln für einen Moment zu umgehen.

Zeitreise im Badener Garten (Foto: Bild privat)

„Wer heute glaubt, wir wären damals alle wie die Orgelpfeifen stumm in den Bänken gesessen, kennt unsere Klasse nicht“, steigt Gertrude direkt ins Thema ein. Sie klaubt ein Stück Fallobst aus dem Gras, setzt sich auf die hölzerne Gartenbank und wischt sich die Erde von den Händen.

Anfang der 1950er-Jahre herrschte in der Volksschule Baden zwar die eiserne Hand des Lehrers, doch die Kinder wussten genau, wo dessen blinde Flecken lagen. Und so fanden sie immer wieder Wege, die strengen Regeln für einen kurzen Moment zu umgehen.

Der Tauschhandel auf der Mädchentoilette

„Amerikanischer Kaugummi war für uns wie Gold. Wir hatten ja nix“, zieht Gertrude die Augenbrauen hoch. Das Sackerl mit getrockneten Zwetschken, das ihre Mutter ihr in die Schultasche gesteckt hatte, wurde deshalb zur harten Währung. In der großen Pause wechselte auf der Schultoilette eine Dörrzwetschke gegen einen klebrigen Streifen Kaugummi den Besitzer.

Als die Lehrerin kurz darauf durch die Bankreihen marschierte und den künstlichen Süßgeruch im Klassenzimmer bemerkte, durchsuchte sie wütend die Schultaschen der Buben.

„Wir Mädchen blickten völlig unschuldig drein und hatten den Kaugummi fest an den Gaumen gepresst. Wer auch nur einmal gekaut hätte, wäre geliefert gewesen“, erzählt Gertrude grinsend.

Doch nicht immer ging es nur darum, etwas heimlich zu tauschen. Manchmal landeten die Streiche sogar direkt im Klassenzimmer und wurden dabei unfreiwillig ziemlich auffällig.

Der schnarchende Gast unter der letzten Bank

An einem verregneten Herbsttag folgte ein streunender Dorfhund den Kindern bis zum Schulhaus. Statt ihn im Regen stehen zu lassen, schmuggelten die Buben den durchnässten Hund vor Unterrichtsbeginn ins Klassenzimmer und versteckten ihn unter den abgelegten Mänteln in der letzten Reihe. Damit das Tier ruhig blieb, opferten die Kinder ihre halbe Jause.

Das Manöver glückte zunächst fantastisch, bis der gesättigte Hund mitten in einem Stillarbeitstest tief einschlief und laut vernehmlich zu schnarchen begann.

„Der Lehrer fuhr auf und schimpfte den dicken Franzl in der letzten Reihe aus, er solle gefälligst wach bleiben“, schmunzelt Gertrude. „Franzl beteuerte seine Unschuld, bis plötzlich eine feuchte Hundeschnauze unter den Mänteln hervorguckte. Der Lehrer war so perplex, dass er den Hund höchstpersönlich mit einem Stück Wurst vor die Tür lockte, ohne eine Strafe zu verteilen.“

Die Kinder hatten damit einmal mehr Glück gehabt. Doch der wohl ausgeklügeltste Trick der Klasse spielte sich an einem besonders heißen Freitagnachmittag ab.

Der Trick mit dem langen Zeigestock

Im Sommer 1952 drohte an einem drückend heißen Freitagnachmittag eine gefürchtete Abprüfung im Kopfrechnen. An der Wand über der Tafel hing eine große mechanische Schuluhr. Als der Lehrer sich für eine schwierige Rechenaufgabe zur Tafel drehte, nutzte ein Mitschüler aus der ersten Reihe die Chance: Mit der Spitze des hölzernen Zeigestocks hakte er lautlos am Minutenzeiger ein und drehte die Uhr exakt fünf Minuten vor.

„Der Lehrer drehte sich um, blickte an die Wand, stöhnte über die verflossene Zeit und beendete den Unterricht vorzeitig“, erinnert sich Gertrude. „Wir haben lautlos unsere Hefte ins Sackerl geschoben und sind wie auf Schienen aus dem Haus gelaufen. Draußen vor dem Schultor haben wir dann erst jubeln dürfen.“

Was nach sieben Jahrzehnten bleibt

War es die Strenge des Systems, die die Klasse damals zusammenhielt? Gertrude schüttelt entschlossen den Kopf, während sie zum Kompostkübel hinübergeht.

„Nein, nicht die Strenge an sich“, stellt sie klar. „Es war die Komplizenschaft. Wenn einer was angestellt hat, hielten vierzig Kinder dicht. Das hat uns zusammengeschweißt.“

Sie wendet sich wieder dem Garten zu. Die Diktate und Rechenaufgaben von 1951 sind längst vergessen. Geblieben sind die Geschichten und die Erinnerung an jene Momente, in denen die Kinder für einen Augenblick schlauer waren als die Erwachsenen. Und genau dann leuchten Gertrudes Augen noch heute.

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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

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