Als Jonas Keller mit 17 Jahren endgültig die Schule verlassen musste, galt er für viele als hoffnungsloser Fall. Zwei Mal sitzengeblieben, schlechte Noten, keine Motivation – das Urteil der Lehrer war eindeutig. „Er passt nicht ins System“, hieß es damals. Während seine Mitschüler Pläne für Abitur und Studium schmiedeten, stand Jonas scheinbar vor einem Scherbenhaufen.
Doch was die Schule nicht erkannte: Jonas war kein fauler Schüler, sondern ein praktischer Denker. Er verstand die Welt nicht durch Bücher, sondern durch das Tun. Während seine Klassenkameraden Formeln paukten, zerlegte er alte Haushaltsgeräte, baute Motoren wieder zusammen und erfand kleine Hilfsgeräte für seine Nachbarn. Seine Neugier war groß, aber sie fand im Klassenzimmer keinen Platz.
Zeit der Suche
Nach dem Schulabbruch begann für ihn eine Zeit der Orientierungslosigkeit. Verschiedene Jobs, viele Zweifel, aber auch erste Erfolge: Ein kleiner Reparaturservice, den er zunächst nur nebenbei für Bekannte anbot, sprach sich herum. Jonas wurde für seine Fähigkeit bekannt, mit wenigen Mitteln kreative technische Lösungen zu finden. Ein lokaler Handwerksmeister wurde auf ihn aufmerksam und bot ihm eine Ausbildung zum Mechatroniker an. Diese Chance nutzte Jonas, und zum ersten Mal fühlte er sich am richtigen Ort.
Gespür für Energiesysteme
Während der Ausbildung entwickelte er ein Gespür für moderne Energiesysteme und innovative Speichertechniken. Aus einer Idee, die er in einer Werkstatt notdürftig auf eine Holzplatte montierte, entstand nach und nach ein Prototyp für ein energieeffizientes Mikronetz, das private Haushalte unabhängiger vom Stromnetz machen sollte. Nach einigen Rückschlägen gelang ihm die Gründung eines Start-ups, das heute zu den erfolgreichsten Anbietern von modularen Energiesystemen in Europa gehört.
Jonas Keller beschäftigt inzwischen mehr als 300 Mitarbeitende, hält mehrere Patente und arbeitet mit internationalen Forschungsteams zusammen. Schulen besucht er bis heute regelmäßig – allerdings nicht als Schüler, sondern als Gastredner. „Ich war nicht schlecht in der Schule“, sagt er oft. „Ich war nur falsch bewertet.“
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