Der Zukunftsdruck beginnt nicht erst mit der Matura oder dem Schulabschluss, sondern schon nach der Volksschule. Bereits in diesem Alter entscheidet sich, ob ein Kind ins Gymnasium oder in die Mittelschule geht. In vielen Fällen treffen diese Entscheidung nicht die Kinder selbst, sondern die Eltern. Oft wird ihnen erklärt, welcher Weg „besser“, „sicherer“ oder „angesehener“ ist.
Ein Kind mit neun oder zehn Jahren kann kaum einschätzen, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf sein späteres Leben hat. Es übernimmt die Meinung der Erwachsenen, nicht aus Überzeugung, sondern aus Vertrauen.
Ein Entscheidungspunkt jagt den nächsten
Nach dieser ersten Auswahl folgt die nächste. Bleibt man im Gymnasium oder wechselt man? Welche Schule besucht man nach der Mittelschule? Dann stellt sich die Frage, ob man die Schule weitermacht oder eine Lehre beginnt.
Doch selbst damit ist es nicht getan. Wer in der Schule bleibt, muss sich später entscheiden, ob er arbeiten oder studieren möchte. Wenn es ein Studium wird, stellt sich die nächste Frage: welches? Diese Entscheidungen folgen in kurzer Zeit aufeinander, ohne dass man wirklich die Möglichkeit hat, sich selbst kennenzulernen oder verschiedene Wege auszuprobieren.
Nur wenige wissen schon als Kind oder Jugendlicher genau, was sie einmal werden wollen. Die meisten tasten sich heran, oft über mehrere Anläufe.
Druck von außen und Angst vor der falschen Entscheidung
Viele Jugendliche wechseln ihren Weg. Sie wechseln die Schule, brechen eine Ausbildung ab oder ändern ihr Studium. Das wird oft als Scheitern oder Zeitverlust gesehen. In Wahrheit ist es meist ein Zeichen dafür, dass man reflektiert und merkt, was nicht passt.
Zusätzlich wirkt der Druck von außen. Eltern, Verwandte, Lehrer und Mitschüler haben Erwartungen und Meinungen. Ständige Vergleiche verstärken die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Wer mit 18 noch nicht genau weiß, was er machen will, fühlt sich schnell unzureichend, obwohl das eigentlich der Normalzustand ist.
Umwege sollten nicht als Schwäche gesehen werden, sondern als Teil der Orientierung. Nicht jeder Weg ist gerade, und nicht jede Entscheidung muss endgültig sein. Zukunft lässt sich nicht früh festlegen und das ist völlig normal!
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