Je mehr ich erledigen muss, desto weniger schaffe ich: Wenn selbst die schönen Dinge zu viel werden

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Volontärin · BRG Kufstein
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29.06.2026
2 Min.

Ich dachte immer, dass mich nur schlechte Tage aus der Bahn werfen können. Bis ich gemerkt habe, dass manchmal genau die schönsten Tage dazu führen, dass plötzlich gar nichts mehr geht.

Ich liebe es, wie auf diesem Foto Volleyball zu spielen, aber es kann auch alles zu viel werden. Nicht nur an den schlechten Tagen, auch an den guten. (Foto: Privat)

Es war schon spät, als ich nach Hause kam - wie jeden Mittwochabend. Meine Haare waren noch voller Sand vom Beachvolleyball spielen, meine Tasche halb offen, überall lagen meine Klamotten, mein nasser Bikini und mein Ball. Eigentlich war es ein richtig guter Tag gewesen. Ich war mit Freunden draußen, war schwimmen, habe Sport gemacht – genau das, was ich liebe.

Doch als ich die Haustür hinter mir schloss, wartete plötzlich alles auf einmal auf mich. Ich musste noch duschen. Meine Jause für den nächsten Schultag vorbereiten. Spanischvokabeln lernen. Sachen zusammenpacken. Und gleichzeitig hatte ich mir fest vorgenommen, heute endlich früh schlafen zu gehen da ich jeden Tag in der Schule fast einschlafe. Als ich realisierte was ich heute noch alles vorhatte hörte ich plötzlich das Rauschen in meinen Ohren wie ich es oft höre wenn ich unter Stress stehe. Ich stand einfach nur in der Küche. Starrte auf mein Joghurt, welches ich eigentlich vorbereiten wollte. Und auf einmal liefen mir die Tränen übers Gesicht. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert war. Sondern weil einfach alles gleichzeitig zu viel geworden war.

Zu viel von etwas Gutem

Das hat mich überrascht. Eigentlich ging es mir doch gut. Die letzten Tage waren voll mit Dingen, die mich glücklich machen. Ich war fast jeden Nachmittag draußen, habe Freunde getroffen, war schwimmen oder beim Sport. Ich brauche das. Bewegung macht meinen Kopf frei. Menschen geben mir Energie. Aber ich habe beobachtet, dass selbst schöne Dinge irgendwann kippen können. Nicht, weil sie schlecht sind. Sondern weil sie Zeit kosten. Und Schlaf. Und irgendwann stapeln sich die kleinen Aufgaben zu einem riesigen Berg.

Wenn Stress alles stoppt

Das Verrückte ist: Je mehr ich erledigen muss, desto weniger schaffe ich. Ich nehme mir vor, jetzt endlich anzufangen. Aber stattdessen sitze ich einfach nur da. Ich denke an alles gleichzeitig und mache am Ende... nichts. Früher dachte ich immer, Faulheit wäre der Grund. Heute glaube ich, dass es Überforderung ist. Vielleicht funktioniert unser Kopf manchmal wie ein Handy. Solange genug Akku da ist, laufen zehn Apps gleichzeitig problemlos. Aber wenn der Akkustand auf fünf Prozent sinkt, hängt plötzlich alles – obwohl sich eigentlich nichts verändert hat.

Meine Beobachtung

Ich habe gemerkt, dass ich ein Mensch bin, der viel braucht: Bewegung, Freunde, Erlebnisse. Davon tanke ich Energie.

Aber ich habe auch gemerkt, dass genau diese Dinge mich irgendwann überrollen können, wenn ich vergesse, Pausen zu machen und genug zu schlafen. Seit diesem Abend frage ich mich manchmal nicht mehr nur: „Was möchte ich heute alles machen?“ Sondern auch: „Habe ich überhaupt noch genug Energie dafür?“ Denn manchmal ist nicht der volle Kalender das Problem. Sondern dass man erst merkt, wie leer man selbst geworden ist, wenn plötzlich die Tränen kommen.




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