Ich war schon bei mehreren Fridays-for-Future-Demos. Zwischen den vielen Menschen, Schildern und Reden ist mir dabei immer wieder eine Frage durch den Kopf gegangen: Bringt das wirklich etwas?
Auf der Straße zu stehen und für Klimaschutz zu demonstrieren, fühlt sich erst einmal nach einer ziemlich kleinen Sache an. Während Politikerinnen und Politiker über Gesetze entscheiden und Unternehmen Milliarden investieren, steht man selbst mit einem Schild in der Hand da.
Trotzdem sind solche Demonstrationen für mich mehr als nur ein Nachmittag mit Freunden. Sie zeigen, dass viele Menschen das Thema nicht einfach vergessen wollen.
1,5 Grad sind plötzlich nicht mehr weit weg
Lange hat sich die Zahl 1,5 Grad wie ein fernes Ziel angehört. Gemeint ist die Erwärmung der Erde im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. Inzwischen ist dieses Ziel viel schwieriger zu erreichen.
Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen könnte die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert bei den derzeitigen politischen Maßnahmen um etwa 2,8 Grad steigen. Selbst wenn alle derzeitigen Klimaversprechen vollständig umgesetzt würden, läge die Erwärmung laut UNEP noch bei etwa 2,3 bis 2,5 Grad.
Das klingt nach ein paar Grad. Für das Klima sind diese Unterschiede aber enorm. Mit jedem zusätzlichen Grad steigen die Risiken durch Hitze, Dürren, Überschwemmungen und andere Folgen der Erderwärmung.
Das Klima lässt sich nicht einfach zurückdrehen
Vielleicht ist deshalb schon die Frage falsch gestellt. Wir können das Klima nicht einfach „retten“ und danach wieder zum Zustand von früher zurückkehren.
Was wir beeinflussen können, ist die weitere Erwärmung.
Dafür müssen weltweit deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Es geht also um Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft. Gleichzeitig muss sich die Gesellschaft an Veränderungen anpassen, die bereits stattfinden.
In Europa sind die Folgen längst spürbar. Die Europäische Umweltagentur bezeichnet Europa als den sich am schnellsten erwärmenden Kontinent. Hitze, Dürren und Überschwemmungen werden in vielen Regionen häufiger und intensiver.
Was kann überhaupt noch helfen?
Die gute Nachricht ist: Es gibt Möglichkeiten, Emissionen stark zu reduzieren. Erneuerbare Energien können fossile Energieträger ersetzen, Gebäude können weniger Energie verbrauchen und Verkehr kann stärker elektrifiziert werden. Gleichzeitig braucht es Veränderungen in der Industrie und bei der Produktion von Lebensmitteln.
Das Problem ist nicht, dass wir keine Lösungen kennen.
Das Problem ist, wie schnell und wie groß diese Veränderungen umgesetzt werden.
Der UNEP-Bericht zeigt, wie groß die Lücke noch ist: Um mit einem Pfad für 1,5 Grad vereinbar zu sein, müssten die weltweiten Emissionen bis 2035 gegenüber 2019 um etwa 55 Prozent sinken.
Und was bringt mein Verhalten?
Bei Klimaschutz landet man schnell bei der Frage, was jede einzelne Person tun kann. Weniger fliegen, weniger wegwerfen, Energie sparen, öfter öffentliche Verkehrsmittel benutzen.
Solche Entscheidungen können einen Beitrag leisten. Aber die größten Veränderungen passieren nicht nur beim Einkauf oder im eigenen Haushalt. Auch Unternehmen, Städte und Staaten entscheiden darüber, welche Energie wir nutzen, wie Wohnungen gebaut werden oder wie Verkehr funktioniert.
Deshalb finde ich es schwierig, die Verantwortung nur einzelnen Menschen zuzuschieben. Wenn eine klimafreundliche Möglichkeit teuer oder kaum verfügbar ist, kann nicht jeder einfach darauf umsteigen.
Vielleicht geht es um eine andere Frage
Wenn mich jemand fragt, ob wir das Klima noch retten können, würde ich deshalb nicht einfach mit Ja oder Nein antworten.
Wir können die bereits entstandene Erwärmung nicht ungeschehen machen. Aber wir können noch beeinflussen, wie viel wärmer die Erde wird und wie gut wir mit den Folgen umgehen.
Wenn ich an die Fridays-for-Future-Demos zurückdenke, bleibt deshalb vor allem eine Frage hängen: Was passiert nach der Demo?
Ein Nachmittag mit einem Schild verändert das Klima nicht. Aber er kann zeigen, dass Menschen Veränderung fordern. Entscheidend ist, was daraus folgt.
Die Frage ist also vielleicht nicht nur, ob wir das Klima retten.
Sondern wie viel wir noch verhindern können.
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