Wirtschaft International Meinung

Immer zahlen, nie besitzen

Profile Image
40
1
TOP 50 Autor
Volontär · Bundesrealgymnasium Schopenhauerstraße 18
1 Kommentar
30.08.2026
2 Min.

In der heutigen digitalen Welt tauschen wir unbemerkt echtes Eigentum gegen bloße Nutzungsrechte ein. Was bequem klingt, bedeutet oft dauerhafte Abhängigkeit ohne bleibenden Gegenwert.

Kaufen statt immer nur streamen? Die Zeit dafür scheint vorbei zu sein. (Foto: Image by yousafbhutta from Pixabay)

Ok also... stell dir mal vor, du kommst von der Schule nach Hause und setzt dich aufs Sofa. Du machst den Fernseher an, gehst auf Netflix und schaust dir die neueste Folge deiner Lieblingsserie an. Während der Abspann läuft, scrollst du durch dein Handy und willst ChatGPT fragen, welcher Schauspieler nochmal die Hauptrolle gespielt hat. Du hast dir von einem Anbieter wie Grover ein neues iPhone 17 Pro gemietet, nur zum Testen. Später am Abend entscheidest du dich, etwas auf Steam zu zocken, einfach ein paar Level zu Ende zu spielen. Ein ganz gewöhnlicher Abend, oder?

Wo ist eigentlich das Eigentum geblieben?

Für uns ist es mittlerweile normal, dass wir immer weniger besitzen, auch wenn wir es nicht merken. Ich meine... an diesem fiktiven Abend hattest du nicht besonders viel Eigentum. Aber lass es mich erklären: In dem Szenario besitzt du am gesamten Abend fast nichts selbst, weil der Trend heute vom dauerhaften Eigentum zum reinen Zugang geht: Bei Netflix mietest du nur den monatlichen Stream, statt eine DVD zu kaufen, über Grover nutzt du das Handy lediglich als Mietgerät, bei Steam erwirbst du nur eine digitale Spiel-Lizenz statt einer physischen Disc, und ChatGPT nutzt du als reine Dienstleistung aus der Cloud.

Wir tauschen den echten Besitz gegen Flexibilität und Bequemlichkeit ein – zahlen dadurch jedoch dauerhaft, ohne am Ende etwas Handfestes zu besitzen. Zum Beispiel könnte ich eine DVD ja einfach verkaufen und bekomme einen Teil meines Geldes wieder, aber ein Netflix-Abo kann ich nur kündigen, ohne irgendwas zurückzubekommen. Außerdem können Anbieter die Preise jederzeit anheben, Inhalte ändern oder Lizenzen entziehen, ohne dass du ein Mitspracherecht hast.

Etwas zu besitzen kann aufregend sein

Und das ist noch nicht alles. Sollten diese Anbieter pleitegehen, verlierst du, wofür du bezahlt hast. Zum Beispiel würdest du auf Steam alle deine Spiele verlieren, falls die Plattform Insolvenz anmelden sollte. Gerade beim Gaming wird es interessant: Sogar Konsolenhersteller wie Sony wollen physische Kopien ihrer Spiele komplett abschaffen. Was ich mit diesem ganzen Text eigentlich sagen will, ist nicht, dass diese Konzerne nur etwas Schlechtes für uns Nutzer wollen, sondern dass es auch einfach mal ganz nett sein kann, selbst eine DVD herauszusuchen. Es ist auch irgendwie ein ganz anderes Erlebnis, finde ich.

Doch was denkst du darüber? Sind Abomodelle für dich OK, solange du eine gute dienstleistung erhällst?


Kronen Zeitung Sachpreise Logo

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

Kommentare