Immer mehr Satelliten und Weltraumschrott im Orbit

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
17.08.2026
4 Min.

Satelliten verstopfen den Orbit, Weltraumschrott erhöht das Kollisionsrisiko. Auch für Astronomen wird der Verkehr im All zum Problem: Helle Satelliten ziehen über Teleskope hinweg und können Aufnahmen stören.

Während wir nachts nach Sternen suchen, muss über unseren Köpfen alle 75 Sekunden ein Satellit ausweichen. Im Orbit ist zu viel los. (Foto: wikimedia commons)

An einem Augustabend zieht über den Dächern ein weißer Punkt nach Osten. Weitere folgen im selben Abstand, keiner blinkt. Minuten später verschwinden sie hinter den Häusern. Dabei rasen sie mit 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. „Von der Sonne beleuchtete Satelliten sind um ein Vielfaches heller als ferne Galaxien“, sagt ESO-Astronom Olivier Hainaut.

Am 11. und 12. August brachte SpaceX 53 solcher Satelliten ins All. Laut ESA sind inzwischen 16.000 Satelliten in Betrieb. Am 31. Juli veröffentlichte Weltraumschrottforscher Hugh Lewis eine noch nicht begutachtete Analyse zu 16 Netzen mit 1,7 Millionen Satelliten. Sechs würden laut seinem Modell eine unkontrollierbar wachsende Trümmerkaskade auslösen.

Ein Splitter so breit wie ein Fingernagel

Auf einer Bahngrafik lässt sich ein Satellit als markiertes Objekt verfolgen. Die ESA überwacht über 46.000 solcher Körper. Ein Splitter von einem Zentimeter, etwa so breit wie ein Fingernagel, taucht dort häufig gar nicht auf. Von diesen Fragmenten schweben geschätzt 1,2 Millionen um die Erde, dazu kommen 140 Millionen kleinere.

Viele kleine, weiße Punkte umkreisen die Erde

Was hier wie ein dichter Ring um die Erde aussieht, ist jener wachsende Verkehr aus Satelliten und Schrott, der unseren Nachthimmel verändert und das Kollisionsrisiko im All steigen lässt.wikimedia commons


Der Splitter legt in einer Sekunde bis zu zehn Kilometer zurück, die Länge von rund 100 Fußballfeldern. Trifft er einen Satelliten, setzt er dieselbe Energie frei wie ein Kleinwagen beim Aufprall mit 40 km/h. Eine Solaranlage kann aufreißen, Geräte können sich lösen und als neue Trümmer weiterfliegen.

Am 10. Februar 2009 liefen zwei berechnete Bahnen über Sibirien zusammen. In 776 Kilometern Höhe traf der funktionierende Satellit Iridium 33 auf den stillgelegten Cosmos 2251. Beide zerbrachen. Wo zuvor zwei Objekte um die Erde flogen, verfolgten Radarstationen danach über 2.300 Trümmerteile.

Jeder Splitter nahm eine etwas andere Bahn. Trifft einer davon das nächste Raumfahrzeug, entstehen weitere Teile, die wiederum neue Wege kreuzen. Diese Kette heißt Kessler-Syndrom. Donald Kessler und Hugh Lewis haben berechnet, ab wann neue Trümmer schneller entstehen, als alte verschwinden. Zwischen 400 und 1.000 Kilometern wird es kritisch. Ab 520 Kilometern ist diese Grenze vielerorts erreicht oder fast überschritten.

Eine Warnung, dann zündet das Triebwerk

Ein Computer legt die vorausberechnete Bahn eines Starlink-Satelliten über jene eines anderen Objekts. Kommen sich beide zu nahe, erscheint eine Kollisionswarnung. Das Triebwerk des Satelliten zündet kurz und verändert seine Geschwindigkeit. Einige Umläufe später passiert er die gefährliche Stelle früher oder später als der Trümmer.

Von Dezember 2025 bis Mai 2026 geschah das bei Starlink laut einem Bericht an die US-Behörde FCC 207.152-mal. Das sind rund 1.140 Kursänderungen pro Tag oder eine alle 75 Sekunden.

Diese Manöver bedeuten nicht, dass jedes Mal ein Zusammenstoß unmittelbar bevorstand. SpaceX reagiert bereits auf kleine berechnete Risiken. Jede Kursänderung verbraucht jedoch Treibstoff. Ein aktiver Satellit kann zur Seite steuern. Eine ausgebrannte Raketenstufe bewegt sich ohne Reaktion durch denselben Raum.

„Ich glaube, wir steuern auf eine Situation zu, in der es zu einer Kollision mit einem funktionierenden Satelliten der Konstellation kommen wird“, sagte Weltraumschrottforscher Hugh Lewis im Juli gegenüber Space.com.

Zwei verschiedene Blicke auf den Orbit

In Simulationen von NASA und ESA bekommt jeder Satellit eine eigene Bahn. Der Computer verfolgt, wo er sich bewegt, wann er ausfällt und welchen Objekten er begegnen könnte. Lewis blickt aus größerer Entfernung darauf. Er teilt den Orbit in Höhenbereiche und berechnet, wie viele Objekte sich dort ansammeln können, bevor Kollisionen immer neuen Schrott erzeugen.

Clayton Swope vom Center for Strategic and International Studies verweist gegenüber Science darauf, dass die Modelle von NASA und ESA einzelne Satelliten genauer abbilden. Lewis fehlen unter anderem Daten darüber, in wie viele Stücke eine Raketenstufe bei einem Treffer zerbricht. Die Astronomin Samantha Lawler nennt seine Ergebnisse dennoch „wirklich ziemlich erschreckend“. Die untersuchten Pläne seien „abgehoben von der Realität“.

Allein Starmind von SpaceX soll aus einer Million Satelliten als Rechenzentren bestehen. Für jeden heute aktiven Satelliten kämen rechnerisch rund 62 Starmind-Geräte hinzu. Neben ihnen steigen Wettersatelliten, Navigationsgeräte und Internetsatelliten auf, arbeiten einige Jahre und sinken anschließend wieder ab. Jede dieser Bewegungen führt durch bereits belegte Höhen.

Ein weißer Strich über den Sternen

Ein Teleskop richtet sich minutenlang auf eine schwach leuchtende Galaxie. Die Kamera bleibt geöffnet und sammelt jedes Lichtteilchen. Fliegt währenddessen ein Satellit durch den Ausschnitt, wandert sein Licht über das gesamte Bild. Auf der fertigen Aufnahme bleibt eine helle Linie zurück, die Sterne, Galaxien oder Asteroiden verdecken kann.

Hainaut hat für eine Million geplante SpaceX-Satelliten berechnet, was wir ohne Teleskop sehen würden. In klaren Nächten könnten Hunderte, zeitweise Tausende Satelliten als bewegte Punkte am Himmel stehen. Ihre Zahl käme jener der sichtbaren Sterne nahe.

Der letzte Weg führt nach unten

Die ESA will bis 2030 bei eigenen Missionen keinen langlebigen Schrott hinterlassen. „Was man hineinbringt, muss man beim Verlassen wieder mitnehmen“, sagt ESA-Weltraumsicherheitschef Holger Krag über das Ziel der Behörde.

Spätestens fünf Jahre nach ihrem Einsatz sollen Satelliten abgesenkt werden. In der Atmosphäre werden sie gebremst, erhitzen sich und verglühen. Tanks müssen zuvor geleert und Batterien gesichert werden. Große tote Objekte müssen andere Missionen entfernen.

Beim nächsten klaren Abend über den Dächern wird schwerer zu erkennen sein, ob ein Lichtpunkt seit Milliarden Jahren leuchtet oder seit einigen Wochen einem Unternehmen gehört.



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