Der Lieferfahrer lächelt bei der Begrüßung und fragt, ob alles passt. Ich drücke ihm eine Zwei-Euro-Münze in die Hand. So sehe ich, bei wem mein Geld ankommt, und kann mich persönlich bedanken. Eine kurze Begegnung, bei der mir das Trinkgeldgeben leichtfällt. Bei Foodora ist das für mich eine Ausnahme.
Meine letzte Bestellung liegt ungefähr zwei Wochen zurück und kostete, soweit ich mich erinnere, zwanzig bis zweiundzwanzig Euro. Manche Preise auf der Plattform empfinde ich als astronomisch. Wenn nach der Zustellung die Aufforderung zu Bewertung und Trinkgeld erscheint, denke ich deshalb vor allem an den Betrag, den ich bereits bezahlt habe.
Am Tisch bin ich großzügiger
Im Restaurant gebe ich bei freundlichem, aufmerksamem Service gern zehn bis fünfzehn Prozent, manchmal auch zwanzig. Das hängt von der Rechnung und davon ab, wie wohl ich mich fühle. Ich mag es, wenn ein Kellner den Eindruck vermittelt, mich gern zu bedienen. Dafür lasse ich etwas liegen.
Beim Essenbestellen fehlt dieser längere Kontakt. Ich habe unfreundliche Übergaben erlebt, und Speisen kamen bei mir schon zerdrückt oder beschädigt an. Nach solchen Erfahrungen denke ich eher über eine Beschwerde nach als über ein Dankeschön.
Nur erklärt der hohe Preis meine unterschiedliche Haltung kaum. Auch im Restaurant bezahle ich bereits für Essen und Service. Offenbar macht für mich viel aus, wie ich die Person erlebe, die mir das Essen bringt. Eine kurze Übergabe hat es da schwerer als ein ganzer Restaurantbesuch.
Was von meiner Rechnung beim Fahrer ankommt
Foodora unterscheidet in seinen österreichischen Lieferbedingungen zwischen Liefergebühren, Servicegebühr und freiwilligem Trinkgeld. Für mich ergibt das eine Gesamtsumme. Wie viel der Fahrer für seinen Einsatz erhält, kann ich daraus kaum ablesen. Meinen Ärger über hohe Bestellpreise bekommt beim Trinkgeld trotzdem er zu spüren.
Auch bei meiner Skepsis gegenüber der Zahlung über die App lohnt sich ein zweiter Blick. Foodora schreibt: „Das Trinkgeld ist für die Zusteller bestimmt“. Das Unternehmen zieht es nach eigener Angabe im Namen des Fahrers ein. Liefert ein beauftragtes Unternehmen, trägt dieses laut den Bedingungen die Verantwortung für die Verteilung.
Damit habe ich zwar keine einzelne Auszahlung überprüft. Mein fehlender Einblick ist aber ebenso wenig ein Beleg für verschwundenes Geld. Bargeld ist mir persönlich lieber, weil ich die Übergabe selbst sehe.
Die Karte zeigt keinen ganzen Arbeitstag
Bei langen Wartezeiten schaue ich auf die Lieferverfolgung. Tauchen dort Stopps auf, die ich mir kaum erklären kann, ärgere ich mich. Ich habe mich in solchen Situationen schon beschwert und von Foodora Entschädigungen erhalten. Was während eines einzelnen Stopps passiert ist, weiß ich allerdings kaum.
Foodora nennt unter anderem Verkehr, Wetter und Bestellmenge als Einflüsse auf die Lieferzeit. Die Karte zeigt mir den Weg meiner Bestellung, aber keinen verlässlichen Grund für jede Verzögerung. Daraus die Arbeitseinstellung des Fahrers abzuleiten, wäre ziemlich gewagt.
Ähnlich wenig erfahre ich bei einer wortkargen Übergabe. Ich sehe jemanden kurz und entscheide, ob mir sein Auftreten gefällt. Im Restaurant habe ich dafür einen ganzen Besuch lang Zeit. Vielleicht bewerte ich beim Trinkgeld also auch, wie viel Gelegenheit jemand hatte, mir sympathisch zu werden.
Ich möchte weiterhin selbst entscheiden, wann ich Trinkgeld gebe. Bei dem freundlichen Fahrer brauchte ich dafür weder einen vorgeschlagenen Prozentsatz noch eine Erinnerung am Handy. Zwei Euro waren mein Dank für die Begegnung. Aufmerksam wurde ich auf seine Arbeit allerdings erst durch sein Lächeln. Geleistet hatte er sie schon vorher.
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